Stormarn : Bürokratie und Reformen kosten viel Zeit und Geld

Maritime Bilder aus seinem Amtszimmer nimmt Görtz mit ins Kreishaus: „Die habe ich selbst erworben.“
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Maritime Bilder aus seinem Amtszimmer nimmt Görtz mit ins Kreishaus: „Die habe ich selbst erworben.“

Kreis Stormarn: Fast doppelt so viele Mitarbeiter je Einwohner wie vor zehn Jahren. Die Personalkosten liegen bei 39 Millionen

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31. Dezember 2017, 06:00 Uhr

2017 war das erste volle Jahr für Stormarns Landrat Henning Görtz. Im Frühjahr 2016 hatte er den Posten von Klaus Plöger übernommen. „Es war ein spannendes Jahr, auch weil viele Themen on Top dazu kamen. Ich weiß gar nicht, wie viele Termine ich wahrgenommen habe. Aber es hat unglaublich viel Spaß gemacht – auch weil man so viele Menschen kennengelernt hat.“

Mit der Erfahrung der ersten acht Monate konnte Görtz im zweiten Jahr das laufende Geschäft besser beurteilen. Und wenn er wie sein Vorgänger die zunehmende Bürokratisierung beklagt, ist das nicht die Wiederholung Plögerscher Kritik, sondern ein weiterer Beleg dafür, dass Bürokratie schneller wächst als alle Versuche, sie einzudämmen und Dinge zu vereinfachen.

Als der Bargteheider Rainer Wiegard Finanzminister iun Kiel wurde, holte er den Bargteheider Henning Görtz als seinen Referenten nach Kiel. Und zu der Zeit gab es eine Kommission, die unter dem Stichwort Verschlankung der Verwaltung den Blick auf die Zukunft richten sollte. Görtz: „Vor zehn Jahren hieß es, dass die Zahl der Mitarbeiter durch die Digitalisierung abnehmen werden.“

Daraus ist nichts geworden. Im Gegenteil. Gleich im ersten Jahr als Landrat musste Görtz 28 zusätzliche Stellen in der Kreisverwaltung, Rettungsleitstelle und IT-Verbund anmelden. Den „Schluck aus der Pulle“ gönnte man dem Neuen im Amt, aber für 2018 kamen noch mal 14 Stellen obendrauf. Mit weiteren sechs „Status-Stellen“ ohne Besetzung weist der Plan mittlerweile 598 Vollzeitstellen aus, 435 in der Kreisverwaltung und 163 in den Einrichtungen. Das sind mit 6,7 Stellen auf 10 000 Einwohner fast doppelt so viele wie 2007, dem Jahr mit dem geringsten Anteil (3,7). Die Personalausgaben sind seitdem von 25,56 auf 39,08 Millionen Euro gestiegen.

Den größten Personalaufbau gab es im Sozial- und Jugendhilfebereich. Dort wird auch das meiste Geld ausgegeben, mittlerweile rund drei Viertel des Kreishaushalts. Fast immer liegt das an den gesetzlichen Vorgaben, was aber nicht heißt, dass Bund oder Land auch die Personalkosten voll übernehmen.

Im Unterhaltsvorschuss waren bis 2016 zwei Mitarbeiterinnen beschäftigt, 2018 werden es sechs sein. „Durch die Gesetzesänderungen haben sich die Fallzahlen fast verdoppelt“, sagt Landrat Henning Görtz. Im Allgemeinen Sozialdienst und im Pflegebereich sorgt schon die demographische Entwicklung für stetig steigende Fallzahlen. Der Gesetzgeber legt aber noch einen drauf. Görtz: „Für jeden einzelnen muss ein Pflegeplan erstellt werden. Das bindet Ressourcen.“

Anspruch auf Eingliederungshilfe, Schulsozialarbeit, Erziehungshilfen oder die europäische Datenschutz-Grundverordnung, nach der die Verwaltung nun in Sicherheitstufen aufgeteilt werden muss, all das kostet Geld und bindet Personal. „Ich wünsche mir, dass die Bundespolitiker im Auge haben, was ihre Entscheidungen für die Kommunen bedeuten. Es gibt immer wieder neue Aufgaben, und die bisherigen werden ausgeweitet. Und nirgendwo werden sie weniger“, sagt Landrat Görtz.

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