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Stormarner Tageblatt

25. September 2017 | 19:13 Uhr

Bad Oldesloe : Bürgermeister als Briefträger

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Umstellung auf E-Mail und andere Dienstleister ist nur eine Notlösung und hilft Unternehmen nicht

von
erstellt am 22.Jun.2015 | 18:37 Uhr

Der Streik bei der Post trifft alle und jeden. Geburtstagsgeschenke bleiben irgendwo auf der Strecke, Ersatzteile werden nicht zugestellt, und wichtige Dokumente bleiben auf dem Postweg stecken. Auch wenn es seitens der Post heißt, dass trotz Streiks 80 Prozent der Sendungen zugestellt würden, ist die Erfahrung viele Bürger anders.

„Unser Postfach ist schon seit Wochen fast immer leer“, sagt Steffen Mielczarek, Leiter der Amtsverwaltung Bad Oldesloe-Land. Termingebundene Unterlagen werden deshalb nicht mehr mit der Post verschickt, da für Verbands-, Gemeindevertreter- und Ausschusssitzungen Ladungsfristen einzuhalten sind. „Die Sachen werden jetzt von den Bürgermeistern den Gemeindevertretern persönlich zugestellt“, sagte Mielczarek. Daher musste bislang noch keine Sitzung wegen nicht fristgerechter Ladung ausfallen. Auch Verwaltungsmitarbeiter werden schon mal zu Briefträgern und stellen beispielsweise Ordnungsverfügungen persönlich zu.

Der Versand per E-Mail ist möglich, aber „zum einen wollen es nicht alle Kommunalpolitiker, und zum anderen sind es rechtliche Gründe, die es nicht immer zulassen, Unterlagen per E-Mail zu versenden, da die Vertraulichkeit gewahrt bleiben muss“, so Mielczarek.

Ein privates Zustellunternehmen zu beauftragen wird derzeit noch nicht in Betracht gezogen. „Das haben wir schon mal versucht, doch da hat es mit der Zustellung nicht immer so geklappt, wie wir es uns gewünscht hätten“, so der Verwaltungsleiter. Der Kreis Stormarn schickt nicht nur vorsorglich möglichts per E-Mail, „wir haben auch die Firma Nord-Brief ins Boot geholt“, sagt Sprecher Michael Drenckhahn. Fristen könnten nicht nur bei Sitzungseinladungen verstreichen, sondern auch bei Einschreiben mit einer Zahlungsaufforderung. „Wir haben aber die Erfahrung gemacht, dass trotz des Streiks viel zugestellt wird“, so Drenckhahn. Was kreisweit aber sehr unterschiedlich ist.

„Wir haben seit dem 3. Juni keine Post mehr bekommen“, sagt Mathias Amenda aus Todendorf. Privat könnte er das noch verschmerzen, „aber es macht mir meine Firma kaputt, wenn das so weitergeht.“ Es komme keine Ware an, Angebote würden verfallen, Rechtsfristen verstreichen. „Die setzen mit ihrem Streik ganze Existenzen aufs Spiel“, ärgert sich Mathias Amenda, Inhaber der Marus IT GmbH.

25  000 der 180  000 Zusteller – 40  000 davon Beamte – befinden sich im Ausstand. Selbst wenn der Streik morgen zu Ende ginge, würden die Empfänger nicht nur mit Sendungen überschüttet, es dürfte angesichts der aufgelaufenen Pakete und Briefe vermutlich Wochen dauern, bis sich die Lage wieder normalisiert hat.

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