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Stormarner Tageblatt

17. August 2017 | 18:11 Uhr

Bad Oldesloe : „Bücher machen schlau“

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Landtagspräsident Klaus Schlie eröffnet in Bad Oldesloe die landesweiten Kinder- und Jugendbuchwochen. Landesweit finden bis Monatsende 300 Veranstaltungen statt.

„Herzlichen Glückwunsch zu dieser tollen Bibliothek“, gratulierte Landtagspräsident Klaus Schlie (CDU) der Stadt. Aber er war ja nicht nach Oldesloe gekommen, um die Bücherei zu loben, sondern um die 34. Kinder- und Jugendbuchwochen zu eröffnen. Es gebe bei Jugendlichen einen erfreulichen Lesehunger, aber leider auch viele, die wenig oder gar nicht lesen. „Das ist mehr als der Verlust einer Freizeitbeschäftigung“, warnte Schlie: „Bücher entführen in reale aber auch in fantastische Welten, sie erweitern den Horizont, machen schlau.“ Mit Literatur würden junge Menschen rechtzeitig an Sachverhalte herangeführt, mit denen sie sich später auseinandersetzen müssten. Dabei seien Kinder ein sehr anspruchsvolles Lesepublikum. „Sie merken sehr schnell, was ihnen gefällt, was sie bewegt“, so Schlie. Der Virus des Lesens, ein positiv ansteckender Virus, müsse in die Jugend getragen werden. Das ist das Ziel der Jugendbuchwochen. Noch bis Monatsende finden in landesweit 80 Büchereien 300 Veranstaltungen mit 34 Autoren, Illustratoren und Liedermachern statt.

In seinem Grußwort ging Dr. Heinz-Jürgen Lorenzen, Direktor der Büchereizentrale auf die aktuelle politische Situation ein. Flüchtlinge würden verstärkt den Weg in die Büchereien finden. Das sei gut und wichtig, werfe aber auch Fragen auf. „Wie gehen wir mit Nutzungsentgelten um?“, sprach Lorenzen einen heiklen Punkt an. „Es ist in Zukunft ganz wichtig, dass wir den Platz haben, Menschen die Möglichkeit zur kulturellen Teilhabe bieten zu können“, mahnte er und erinnerte an Zeiten, in denen er nach Oldesloe kommen musste, um für das Raumangebot der Bücherei zu kämpfen. Trotzdem erhielt Oldesloe den Zuschlag für die Ausrichtung der Eröffnungsfeier. Lorenzen: „Wir suchen immer eine Bibliothek, die sich in besonderer Weise für Kinder und Jugendliche engagiert. Es ist eine Auszeichnung.“

Im Mittelpunkt des von Cornelia von der Heydt moderierten Abends stand eine zweisprachige Lesung. Die russische Autorin Daria Wilke stellte zwei Kapitel ihres Buchs „Narrenkappe“ vor. Sie wuchs in einem Moskauer Puppentheater auf. „Das war eine besondere Welt. Wahrscheinlich bin ich deshalb immer noch so kindisch“, erzählte sie. Dieser Theaterwelt setzt sie mit dem Buch ein Denkmal. Es handelt vom 14-jährigen Grisha, der mit seiner Rolle als heranwachsender Mann hadert und dem schwulen Puppenspieler Sam, der wegen der Homophobie in Russland nach Holland auswandert. „Narrenkappe“ ist ein hochbrisantes Werk, das erschien, kurz bevor in Russland ein Gesetz in Kraft trat, das die Erwähnung von Homosexualität in Jugendliteratur verbietet. Die erste Auflage war binnen weniger Monate ausverkauft. Eine Neuauflage gibt es nicht, sie dürfte wegen der Gesetzeslage nur mit dem Hinweis „18+“ verkauft werden. In Amerika ist eine englische Übersetzung erhältlich. In Deutschland hat sich noch kein Verlag für „Narrenkappe“ gefunden. Extra für die Jugendbuchwochen wurden zwei Kapitel übersetzt.

Daria Wilke hat Psychologie studiert und als Journalistin gearbeitet. Aus Angst vor Terror floh sie 2000 von Moskau nach Wien. In einem launigen Interview entlockte Moderatorin von der Heydt der Autorin Details zu ihrer Arbeit. „Der neue Puppenmeister – auf ein mal war er da. Ziemlich frech. Der war gar nicht geplant“, so Wilke. Figuren aus ihrer Kindheit würden in Narrenkappe auftreten, dann aber ein eigenes Leben entwickeln.

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23-2176993_Bad Oldesloe_Andreas_Olbertz_Redakteur.JPG von
erstellt am 13.Nov.2015 | 21:29 Uhr

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