Bad Oldesloe : Brutale Gewalt in einem Parkhaus

Vor dem Ahrensburger Amtsgericht wurde ein schwerer Fall von Körperverletzung verhandelt.
Vor dem Ahrensburger Amtsgericht wurde ein schwerer Fall von Körperverletzung verhandelt.

Ein 48-jähriger Schläger ist zu zehn Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Er hatte einen Jugendlichen mit einem Teleskopschlagstock krankenhausreif geprügelt.

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20. März 2018, 06:00 Uhr

Das Parkhaus in der Königstraße ist ein beliebter Treffpunkt für junge Menschen in Bad Oldesloe. Ein 48-jähriger Anwohner war schon mehrfach in Konflikt mit verschiedenen Gruppen geraten. Am Abend des 21. April vergangenen Jahres rastete er aus. Mit einem Teleskopschläger und einer Schreckschusspistole bewaffnet ging der Mann auf fünf junge Leute zu. Dafür musste er sich gestern vor dem Amtsgericht Ahrensburg verantworten.

„Ich hörte das Klicken, als er den Teleskopschläger ausfuhr“, sagt einer der Zeugen in der Verhandlung vor dem Amtsgericht Ahrensburg aus. Dabei habe er sich noch nichts gedacht. Selbst als sich der Anwohner einem 21-Jährigen näherte und den Arm mit der Waffe hob, fühlte sich noch niemand bedroht. Denn der Anwohner hielt kurz ein und lächelte sogar. Dann jedoch schlug er mit voller Wucht mehrfach auf den Kopf des Auszubildenden ein.

Zu dritt stürzten sich die jungen Leute auf den Angreifer und brachten ihn zu Boden und entwandten ihm den Schlagstock. „Da sah ich, dass er mit einer Pistole auf uns zielte“, sagt das Opfer aus, „wir sind dann geflohen.“ Seine Gruppe habe noch nie einen Konflikt mit dem Mann gehabt. Sie hätten auch keinen Alkohol konsumiert oder Lärm gemacht. Dann habe der Angeklagte wie verrückt auf ihn eingeschlagen.

Die Folge: Kopfplatzwunden, die im Krankenhaus genäht werden mussten, weitere Verletzungen an Brust und dem schützend erhobenen Arm. Zwei Wochen verbrachte er im Krankenhaus, für Nachbehandlungen wurde er zwei Monate krankgeschrieben. „Ich muss noch immer zur weiteren Behandlung ins Krankenhaus und werde psychologisch betreut“, sagt das Opfer. Er leide auch weiterhin unter Kopfschmerzen und müsse Medikamente nehmen.

Vier weitere Zeugen bestätigen seine Aussagen. Alle hatten auch das Grinsen des Angeklagten gesehen, bevor er zum ersten Schlag ausholte. „Das verfolgt mich noch heute bis in den Schlaf hinein“, sagt ein Zeuge aus. „Es ist für mich ein Wunder, dass er überlebt hat“, sagt der Bruder des Opfers, der Medizintechnik studiert.
Die alarmierte Polizei stellte den Angreifer bei einem Freund in Reinfeld. „Wir haben ihn angerufen und gesagt, er soll mit erhobenen Händen rauskommen“, so ein Polizeibeamter. Denn es seien Schusswaffen im Spiel gewesen. Die Waffe wurde aus dem Auto des Angeklagten heraus beschlagnahmt. Der Aussage des Angeklagten, er sei angegriffen worden und sein Schultergelenk dabei ausgekugelt worden, schenkte die Staatsanwältin keinen Glauben: „Das ist eine Schutzbehauptung.“ Sie fordert zehn Monate Haft auf Bewährung für den nicht vorbestraften Angeklagten, der vor der Polizei zunächst alles abgestritten hatte.

Der Vertreter der Nebenklage spricht von einem heimtückischen versuchten Mord: „Schläge auf den Schädel sind lebensgefährlich, das hätte eigentlich vor dem Schwurgericht verhandelt werden müssen.“

Die Richterin folgt dem Antrag der Staatsanwältin, zehn Monate Haft auf Bewährung : „Der Angeklagte hatte keinen Anlass für ein Bedrohungsgefühl.“ Die Zeugen hätten den Vorfall plastisch, glaubhaft und lebensnah geschildert. Der unter Betreuung stehende Angeklagte habe aus einer gewissen Überforderung heraus Selbstjustiz geübt. „Das ist nicht tolerierbar.“







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