zur Navigation springen

Tatverdächtige gefasst : Brandstiftung in Ahrensburg – eine Chronologie

vom

Über ein Jahr ist es her, dass auf einem Feld bei Ahrensburg die ersten Strohballen brannten – der Anfang einer beispiellosen Brandserie. Nun könnte sie aufgeklärt sein.

shz.de von
erstellt am 13.Nov.2014 | 06:30 Uhr

Ahrensburg | In Ahrensburg im Kreis Stormarn kamen Feuerwehr und Anwohner bis zuletzt nicht zur Ruhe. Seit über einem Jahr gingen dort immer wieder Autos, Strohballen, Gartenlauben und Mülltonnen in Flammen auf – das Zentrum einer Serie von Brandstiftungen im ganzen Kreis Stormarn. In dieser Woche wurden sechs Tatverdächtige festgenommen. Es soll sich bei den Männern um Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Ahrensfelde handeln. shz.de blickt zurück auf die Ereignisse des letzten Jahres.


31. Oktober 2013:

Mit einer ereignisreichen Nacht beginnt die Stormarner Brandserie im Oktober 2013. Auf einem Feld am Ahrensburger Redder stehen hunderte Strohballen in Flammen. Aus einem zunächst kleinen Feuer entwickelt sich schnell ein Großbrand, zwei Drittel der rund 900 Rundballen werden dabei zerstört. Noch während das Feuer in Ahrensburg wütet, werden aus dem nahe gelegenen Bad Oldesloe Brände in mehrere Gartenparzellen und in Teilen einer Minigolfanlage gemeldet.

12. Januar 2014:
Im Januar setzt sich die Brandserie fort. In der Nacht zum 12. brennen in der Ahrensburger Innenstadt Papiercontainer. Am darauf folgenden Abend geht auf dem Acker, auf dem es bereits im Oktober gebrannt hat, ein riesiges Strohlager in Flammen auf. Das Feuer können die Einsatzkräfte nicht mehr unter Kontrolle bringen, die Ballen brennen komplett aus.

18. Januar 2014:
Nur knapp eine Woche später muss die Feuerwehr in Ahrensburg erneut ausrücken. Etwa 500 Strohballen stehen dieses Mal in Flammen. Auch hier lassen die Einsatzkräfte die Ballen kontrolliert abbrennen.

20. Januar 2014:

Schon wieder brannten Strohballen im Kreis Stormarn.
Schon wieder brannten Strohballen im Kreis Stormarn. Foto: rtn

Nun geht es Schlag auf Schlag. In Ahrensburg werden die Strohballen knapp, denn erneut steht eine etwa 100 Meter lange Rundballenmiete in Flammen. Erneut kann die Feuerwehr nicht viel tun. Unter den Landwirten in Ahrensburg kommt inzwischen Angst auf. Die ersten setzen auf die Installation von Kameras, um den Tätern auf die Spur zu kommen.

9. März 2014:
Dieses Mal trifft es ein Auto. In der Ahrensburger Straße Fannyhöh brennt ein am Straßenrand geparkter Hyundai komplett aus.

29. März 2014:
In der Straße Am Postwald stehen wenig später zwei weitere Pkw in Flammen. Die Wagen sind in Parklücken vor einem Wohnhaus abgestellt, als ein VW Golf in Flammen aufgeht. Beim Eintreffen der Feuerwehr brennt das Fahrzeug bereits in voller Ausdehnung, auch der danebenstehende Chevrolet, auf den die Flammen schnell übergreifen, wird von dem Feuer stark in Mitleidenschaft gezogen.

23. April 2014:

Schwierige  Löscharbeiten in Ahrensfelde:  Das Feuer hatte sich in die Holzkonstruktion unter dem Blechdach gefressen.
Schwierige Löscharbeiten in Ahrensfelde: Das Feuer hatte sich in die Holzkonstruktion unter dem Blechdach gefressen. Foto: Burmester

Ahrensburg hat Angst. Im Ortsteil Ahrensfelde stecken Unbekannte eine Scheune in Brand. Der Landwirt war zuvor bereits drei Mal von den Brandstiftungen betroffen. Diverse Maschinen können vor den Flammen gerettet werden, die dort normalerweise untergestellten Pferde befinden sich glücklicherweise auf einer Koppel. Bis in den nächsten Morgen ziehen sich die Löscharbeiten hin, der Sachschaden wird auf 150.000 Euro geschätzt.


5. Mai 2014:
In der Nacht zum 5. Mai erwischt es das nächste Auto: Dieses Mal geht ein Audi in Flammen auf. Trotz eines massiven Löscheinsatzes und Unterstützung durch die Nachbarn brennt der Wagen komplett aus. Dabei entsteht ein Sachschaden von etwa 40.000 Euro. Am Vormittag dann der nächste Einsatz für die Feuerwehr in Ahrensburg: Im Buchenweg geraten zwei Container in Brand, die Flammen werden aber schnell unter Kontrolle gebracht.

3. Juni 2014:

Das war mal eine blaue Papiertonne:  Feuerwehrleute  brachten sie vor das Haus.
Das war mal eine blaue Papiertonne: Feuerwehrleute brachten sie vor das Haus. Foto: rtn

Am Abend des 3. Juni findet die Ahrensberger Feuerwehr im Untergeschoss eines Hauses in der Großen Straße eine vollständig in Flammen stehende Papiertonnen vor. Das Feuer kann glücklicherweise schnell unter Kontrolle gebracht werden, Personen werden nicht verletzt.

28. Juni 2014:
In einem Ahrensburger Kleingartenverein brennt Ende Juni eine Gartenlaube nieder. Das Feuer wird am frühen Morgen von Anwohnern entdeckt, ein Übergreifen auf die benachbarten Lauben kann von den Einsatzkräften verhindert werden. Der Sachschaden wird auf ca. 10.000 Euro geschätzt.

12. Juli 2014:
Im selben Haus, in dem es bereits Anfang Juni brannte, kommt es im Juli am helllichten Tag erneut zu einem Feuer. Wieder steht eine Papiertonne in Flammen. Auch dieses Mal bringen die Einsatzkräfte den Brand schnell unter Kontrolle. Am Haus entsteht ein Sachschaden von etwa 5000 Euro.

16. Juli 2014:

Trotz Schaums  ausgebrannt.
Trotz Schaums ausgebrannt.

Wenige Tage später wird die Feuerwehr in Ahrensburg in der Nacht erneut zu einem Einsatz gerufen. Wieder steht ein Auto in Flammen. Ein Anwohner hört einen Knall, anschließend sieht er aus dem Fenster seiner Wohnung bereits den brennenden Mazda. Auch dieser Wagen brennt komplett aus, ein Übergreifen der Flammen auf weitere dort abgestellte Autos kann die Feuerwehr jedoch verhindern.

23. Juli 2014:
Die Feuerwehr in Ahrensburg kommt nicht zur Ruhe. In den frühen Morgenstunden gerät in Ahrensburg ein Carport mit dem darin stehenden Wagen in Brand. Auch das nahegelegene Wohnhaus wird durch die Flammen beschädigt. Wieder werden die Anwohner von einem Knall geweckt, die 57-Jährige und ihr 68-jähriger Mann kommen mit dem Schrecken davon. Verletzt wurde niemand.

27. Juli 2014:

Wieder brennen Strohballen im Raum Ahrensburg.
Wieder brennen Strohballen im Raum Ahrensburg. Foto: Peter Wüst

Mitten im Landschaftsschutzgebiet bei Ahrensburg brennen am frühen Morgen erneut Strohballen. Der rund zehn Meter hohe Turm brennt bereits in voller Ausdehnung, als die Einsatzkräfte eintreffen. Auch hier lassen die Feuerwehrleute das Stroh kontrolliert abbrennen.

30. Juli 2014:
Die Brandstifter lassen der Feuerwehr im Juli keine Atempause. Drei Tage nach dem Strohbrand steht wieder ein Auto in Flammen. An dem VW Touran, der in der Lohkoppel abgestellt war, entstand ein Totalschaden, Schäden an umliegenden Gebäuden und Bäumen konnte die Feuerwehr glücklicherweise verhindern.

1. August 2014:

Die Wagen brannten komplett aus.
Die Wagen brannten komplett aus. Foto: Peter Wüst

Nur zwei Tage später das nächste Feuer. Am Ahrensburger Helgolandring stehen in der Nacht ein Opel und ein Peugeot in Flammen. Beide Wagen brennen komplett aus. Der durch die Ahrensburger Brandstifter entstandene Gesamtschaden an Pkw beläuft sich inzwischen im sechsstelligen Bereich.

11. August 2014:
Keine zwei Wochen sind vergangen, da brennt es erneut in Ahrensburg. In der Hamburger Straße gerät eine Gartenlaube in Brand, Passanten bemerken das Feuer am späten Abend. Das Feuer wird durch die Einsatzkräfte schnell gelöscht, angrenzende Gebäude kamen nicht zu Schaden. Aufgrund der nahegelegenen Bahngleise wurde kurzzeitig eine Vollsperrung der Bahnstrecke veranlasst.

9. September 2014:

Zwei Autos, Teile eines Carports und der hölzerne Anbau eines Hauses gingen in Flammen auf.
Zwei Autos, Teile eines Carports und der hölzerne Anbau eines Hauses gingen in Flammen auf. Foto: rtn

Geschockte Anwohner und ratlose Einsatzkräfte – schon wieder brennt es in Ahrensburg. Dieses Mal gehen in der Nacht zwei Autos sowie Teile eines Carports und der hölzerne Anbau eines Wohnhauses in Flammen auf. Die herbeigerufene Feuerwehr kann das Feuer löschen, bevor es auf das Wohnhaus übergreift, Anwohner werden nicht verletzt.

21. September 2014:

Glücklicherweise stand die Gartenlaube bereits seit längerem leer.
Glücklicherweise stand die Gartenlaube bereits seit längerem leer. Foto: Wüst

Fast ein Jahr ist es nun her, dass in Ahrensburg das erste Feuer gelegt wurde. In der Nacht steht erneut eine Gartenlaube in einem stillgelegten Kleingartenverein in Flammen. Glücklicherweise stand das Gebäude bereits längere Zeit leer. Durch das unwegsame Gelände fallen die Löscharbeiten schwer, die Laube brennt komplett aus. Auch einige Bäume im umliegenden Wald werden bei dem Feuer in Mitleidenschaft gezogen. In der selben Nacht steht erneut ein Strohlager in Flammen.

22. September 2014:
Bei einem Großteil der Brände im vergangenen Jahr kann die Polizei eine Brandstiftung nicht ausschließen. Der Täter muss dringend gefasst werden. Nun wird durch die Kriminalinspektion Bad Oldesloe eine Ermittlungsgruppe mit Sitz in Ahrensburg eingerichtet. Die vier Beamten beschäftigen sich intensiv mit den diversen Bränden im Kreis Stormarn.

23. September 2014:
Nur einen Tag später werden zwei Tatverdächtige in Schwarzenbek (Kreis Herzogtum Lauenburg) gefasst. Zunächst heißt es, sie könnten auch für die Brände in Ahrensburg und Umgebung verantwortlich sein. Später stellt sich heraus, dass die beiden Männer hauptsächlich im Umkreis von Schwarzenbek Feuer gelegt haben. Die Suche in Ahrensburg geht weiter.

12. Oktober 2014:

Brandserie in Ahrensburg: Das qualmende Auto nach den Löscharbeiten.
Brandserie in Ahrensburg: Das qualmende Auto nach den Löscharbeiten. Foto: Peter Wüst

In der Nacht zum 12. Oktober erreicht das Ausmaß der Brandstiftung eine neue gefährliche Dimension. In unmittelbarer Nähe eines hölzernen Schwedenhauses brennen am Kremerberg zwei Autos und ein Carport komplett aus. „Das war knapp“, resümiert ein Feuerwehrmann nach den erfolgreichen Löscharbeiten. Die Benzinleitungen des Wagens seien durchgebrannt, der Treibstoff des Wagens habe sich mit Löschwasser vermischt. Glücklicherweise kam auch bei diesem Feuer kein Mensch zu Schaden.

21. Oktober 2014:

Die Feuerwehr musste das Stroh kontrolliert abbrennen lassen.
Die Feuerwehr musste das Stroh kontrolliert abbrennen lassen. Foto: Wüst

In der Nacht zum 21. Oktober brennen im Ortsteil Ahrensfelde erneut 500 Strohballen. Zwei Strohlagerhallen stehen dort bei Eintreffen der Feuerwehr bereits in Vollbrand. Die Brandserie nagt an den Kameraden der Ahrensburger Feuerwehr. Glücklicherweise haben fast alle von ihnen verständnisvolle Arbeitgeber. „Wenn unseren Leuten die Augen bei der Arbeit zufallen, wurden sie auch schon mal vom Chef wieder nach Hause geschickt“, berichtet der Ortswehrführer.

28. Oktober 2014:

Mit Mist gegen Mist: Helfer löschten das Feuer mit Jauche.
Mit Mist gegen Mist: Helfer löschten das Feuer mit Jauche. Foto: Wüst

Den Ahrensfeldern stinkt es gewaltig. Unbekannte haben einen großen Misthaufen in Brand gesteckt. Landwirte und Feuerwehr löschen gemeinsam – zum Teil mit unorthodoxen Mitteln. Dicke Strahlen Jauche aus der Sickergrube helfen, die Flammen einzudämmen. Unterdessen gibt es noch immer keine heiße Spur auf den oder die Täter.

1. November 2014:
Ein brennender Container bringt die Feuerwehrleute auch in dieser Nacht um den Schlaf. Direkt neben einem Mehrfamilienhaus in der Ahrensburger Innenstadt wurde gegen Mitternacht ein Müllcontainer angesteckt.

12. November 2014:

Feuer in Ahrensburg: Unter Atemschutz löschten die Einsatzkräfte mit Wasser und Schaum die Flammen ab.
Feuer in Ahrensburg: Unter Atemschutz löschten die Einsatzkräfte mit Wasser und Schaum die Flammen ab. Foto: rtn

Knapp zwei Wochen herrschte Ruhe, in der Nacht zum 12. November ist sie schlagartig vorbei. Ein Honda wird in Ahrensburg in Brand gesteckt. Durch den schnellen Einsatz der Feuerwehr kann ein Übergreifen der Flammen auf zwei nahestehende Transporter verhindert werden.

20. November 2014:

Wenige Meter von einem Mehrfamilienhaus entfernt kommt es in einem Carport in Ahrensburg zu einem Feuer. In dem Unterstand befindliches Spielzeug sowie Brennholz, ein alter Kaminofen und das Dach werden dabei in Mitleidenschaft gezogen, Menschen werden nicht gefährdet. Der Sachschaden wird auf 1500 Euro geschätzt. Es wird von Brandstiftung ausgegangen.

22. November 2014:

Foto: Peter Wüst

Nur zwei Tage später das vorerst letzte große Feuer in Ahrensburg: Am Abend des 22. Novembers brennt erneut ein hölzernes Carport. Das Feuer geht von einem Stapel Kaminholz aus, auch in diesem Fall ist es wohl Brandstiftung. Seit Beginn der Brandserie sind bisher 20 Autos, mehrere Carports, Scheunen, Tausende Strohballen und unzählige Papiertonnen und -Container den Flammen zum Opfer gefallen.

11. Dezember 2014:

Können die Ahrensburger wieder beruhigt schlafen? Die speziell für die Brandserie eingerichtete Ermittlungsgruppe vermeldet am Freitag einen Erfolg: Sechs Männer wurden festgenommen, bei ihnen soll es sich um Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Ahrensfelde handeln.

Blaulichtmonitor



zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen