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Feuerteufel im Herzogtum Lauenburg : Brandstifter-Prozess: Zwei Ex-Feuerwehrleute verurteilt

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Sie zündeten ein Wohnmobil, eine Jagdhütte, Strohballen und einen Bus an: Am Donnerstag wurden zwei Männer zu Bewährungsstrafen verurteilt.

Schwarzenbek | Sie verbreiteten wochenlang Angst und Schrecken und richteten bei acht Brandstiftungen und drei Sachbeschädigungen in den Kreisen Stormarn und Herzogtum-Lauenburg einen Schaden von fast 100.000 Euro an. Dafür wurden Patrick F. (23) aus Ohe und Tim S. (21) aus Geesthacht am Donnerstag zu 24 beziehungsweise 15 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Brisant: Beide waren früher in der Feuerwehr.

Nur ein umfassendes Geständnis direkt nach der Festnahme am 22. September 2014 und die Tatsache, dass sie nicht vorbestraft sind, bewahrte die beiden jungen Männer vor dem Gefängnis. Das machten die Staatsanwältin und Richter Suntke Aden während der Verhandlung deutlich.

Am 27. August 2014 hatten beide das erste Mal gezündelt. Gegen 1 Uhr setzten sie in Escheburg ein geparktes Wohnmobil in Brand. Eine gute Stunde später ging im Sachsenwald bei Dassendorf eine Jagdhütte in Flammen auf. Am 30. August zündeten sie in Schulendorf einen Wohnwagen an, am 3. September auf dem Hof eines Autohandels in Reinbek einen alten Bus, die Flammen zerstörten mehrere Fahrzeuge.

Am 8. September schlugen sie in Großhansdorf zu, dort zündeten sie ebenfalls einen Wohnwagen an. In der nächsten Nacht steckten sie einen Baucontainer an der A 24 bei Gudow in Brand und am 10. September zündeten sie mit viel Benzin und einer aus Gardinen geflochtenen Lunte gleich drei Wohnwagen in Groß Zecher an.

Danach war fast zwei Wochen Ruhe, ehe das Duo zum finalen Schlag ausholte: Am 22. September zündeten sie gegen 0.20 Uhr eine Gartenlaube in Schwarzenbek an, um 0.30 Uhr, 0.50 Uhr und 1.10 Uhr folgten dann bei Grünhof drei Strohballen-Lager. Augenblicke später klickten die Handschellen der Polizei.

Aden versuchte während der vierstündigen Beweisaufnahme, eine Ursache für das Handeln der beiden Männer zu finden. Doch die schien es – abgesehen von persönlichen Problemen – nicht zu geben. „Wir sind einfach so durch die Gegend gefahren“, erklärte Patrik S., Benzin, Grillanzünder und andere Utensilien hätten sie dabei gehabt. Hunderte Kilometer müssen die Männer in der Phase der Brandstiftungen durch die Gegend gefahren sein. F.: „Ich hatte zu der Zeit Probleme. Mein Sohn war gerade eineinhalb Wochen alt und  ich fand mich nicht in der Vaterrolle und hatte keine Aufmerksamkeit.“ Die fand der Arbeitslose bei Tim S., den er in einer Maßnahme des Arbeitsamtes kennengelernt hatte. Warum sie zündelten, das konnte auch S., der eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann absolviert, nicht erklären.

„Aufhören wäre doch so einfach gewesen“, sagte Aden. Doch die beiden Brandstifter konnten oder wollten nicht. Dabei riefen sie nach dem Brand in Reinbek selbst die Feuerwehr, weil ihnen das Feuer auf dem Autohof zu groß geworden war. Die Polizei nahm sogar ihre Personalien auf, doch das störte das Duo nicht. Und in Dassendorf wurden sie von einem Anwohner angesprochen, hauten aber kurzerhand ab. In der letzten Nacht ihrer Taten fuhren sie mehrfach an den Polizeistreifen, die nach ihnen fahndeten, vorbei. Dennoch blieben sie in Tatortnähe. Bis einem Polizisten der markante Wagen von Patrick F. auffiel, er sie verfolgte und schließlich in Grünhof schnappte. Die Männer machten sich dabei aus Angst in die Hose.

„Nach der Festnahme wurde mir klar, dass ich einen riesen Bockmist gebaut habe. Aber vorher war der Kopf einfach aus“, sagte F. während der Verhandlung.

„Ohne darüber nachzudenken wurden hier aus egoistischen Gründen erhebliche Schäden verursacht“, warf die Staatsanwältin den Angeklagten vor. Obwohl S. zur Tatzeit noch nicht 21 und damit noch nach Jugendstrafrecht zu behandeln war, wollte sie in der Beurteilung beim Strafmaß zwischen den Männern nicht unterscheiden. Sie forderte für F. und S. jeweils zwei Jahre auf Bewährung. Aden blieb bei S. darunter, nennt das Strafmaß für beide Angeklagten aber „deutlich“.

Nur in einem der Fälle forderte ein Geschädigter Schadensersatz. Der Wohnwagenbesitzer aus Großhansdorf. Vor Gericht wurde direkt vereinbart, dass die beiden Angeklagten die Forderung in Höhe von 5600 Euro akzeptieren. Patrick F. versprach, mit Hilfe seiner Eltern seinen Anteil innerhalb einer Woche zu bezahlen. Tim S. sagt, er würde gerne zahlen, sehe dazu aber keine Möglichkeit.

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erstellt am 29.Okt.2015 | 16:54 Uhr

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