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"FKK-Sauna-Club" : Bordell-Plan in Reinfeld auf Eis gelegt

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Das Städtchen Reinfeld (Stormarn) ist bekannt als Erholungsort. Das idyllische Image soll auch so bleiben. Der Ort wehrt sich gegen einen geplanten "FKK-Sauna-Club" im Gewerbegebiet.

shz.de von
erstellt am 09.Aug.2013 | 11:49 Uhr

Reinfeld | Es war das heißeste Thema seit langem: Bekommt die "Karpfenstadt" Reinfeld einen "FKK-Sauna-Club" im Gewerbegebiet? Die Bauanfrage eines unbekannten Betreibers liegt vor, und so war die Sitzung des Bauausschusses so gut besucht wie lange nicht mehr. Fast hätte der Saal wegen Überfüllung geschlossen werden müssen.
Anke Freistein von der evangelischen Kirchengemeinde bat die Stadtverordneten, ihre Entscheidung "sorgfältig moralisch" abzuwägen. Immerhin sei der Stadt der Betreiber des Bordells nicht bekannt. Auch Markus Scheel gab zu bedenken, ob der Bau eines Freudenhauses womöglich Kriminalität, Gewalt und Drogenprobleme nach sich ziehen könnte. Eine Anwohnerin der Krögerkoppel, die direkt an das besagte Grundstück angrenzt, sagte: "Ich möchte nicht, dass meine Kinder die leichten Mädchen dort sehen." Dafür gab es Applaus aus dem Publikum.

Steuereinnahmen oder Image?

Der Beschluss des Bauausschusses eilt, denn wenn nicht binnen acht Wochen eine Entscheidung fällt, wird automatisch eine Baugenehmigung erteilt. Walter Engel von der WIR bezeichnete den Bau eines Bordells als unzumutbar für andere Betriebe im Gewerbegebiet und fürchtete einen Imageverlust. Der neue Vorsitzende Lorenz Hartwig (CDU) zeigte sich nicht ganz abgeneigt, schließlich seien die Steuereinnahmen in Höhe eines geschätzten sechsstelligen Betrages nicht unerheblich. Ein Haus dieser Art sei außerdem nicht von Weitem als solches zu erkennen. Es handele sich schließlich nicht um einen Straßenstrich.
Diese Meinung teilten die Grünen nicht, plädierten für eine grundlegende Regelung dieses Themas auch für andere Stadtgebiete. Nicht nur aus moralischen, sondern auch aus wirtschaftlichen Erwägungen plädierte die SPD dagegen: Ein FKK-Sauna-Club wirke abschreckend auf andere Investoren. Thorsten Dunkelgut (WIR) bezweifelte zudem die Redlichkeit des Betreibers. Die Gewinne würden wohl eher unter den Tisch gekehrt. Hohe Steuereinnahmen seien da nicht zu erwarten. Walter Engel brachte es am Ende für (fast) alle Ausschussmitglieder auf den Punkt: "Ich sehe Reinfeld als Naherholungsgebiet mit unserem Wappentier, dem Karpfen. Ich möchte nicht, dass ein drittes Symbol in Form eines roten Herzens dazu kommt."
Das Ergebnis der Abstimmung: Sechs Stadtverordneten stimmten für Variante 3, zwei dagegen. Es gab eine Enthaltung. Somit wird dem Ausschuss für Stadtentwicklung empfohlen, den B-Plan 15 b so zu ändern, dass die Zulässigkeit von Vergnügungstätten im Gewerbergebiet dauerhaft geregelt ist. Dadurch wird das Vorhaben für ein Jahr erst einmal auf Eis gelegt.

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