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Bad Oldesloe : Blutspur von der Küche bis vor die Unterkunft

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Prozess um die tödliche Messerattacke in Bad Oldesloe. Ein Polizeibeamter sagte jetzt vor dem Landgericht aus.

shz.de von
erstellt am 13.Okt.2017 | 06:00 Uhr

Was geschah genau am 19. Februar dieses Jahres gegen 21 Uhr in der Obdachlosenunterkunft in der Mommsenstraße in Bad Oldesloe? Warum tötete der 22-jährige Angeklagte Mahmod K. seinen Mitbewohner aus dem Irak mit drei Messerstichen? Die Staatsanwaltschaft sieht es als erwiesen an, dass Mahmod K. nicht in Notwehr handelte – es sich also um Totschlag handelt.

Das Opfer, das nur sporadisch in der Unterkunft wohnte, habe wie gewohnt seine Post abholen wollen, dabei sei es zum Streit gekommen. Die Kontrahenten seien mehrmals von Bewohnern des Hauses getrennt worden – jedoch vergebens. Am Ende verblutete der Iraker, hingestreckt von der Messerattacke des Angeklagten, vor dem Gebäude. Rettungskräfte kämpften eine Stunde lang vergeblich um sein Leben. Der mutmaßliche Täter ließ sich noch vor Ort ohne Widerstand und nur mit einer Unterhose bekleidet festnehmen.

Zweiter Verhandlungstag vor dem Lübecker Landgericht im Prozess gegen den aus Afghanistan stammenden und im Iran aufgewachsenen Asylbewerber, der nur Persisch spricht. Der Angeklagte kann nur wenige Worte Deutsch, ist erst seit dem Sommer 2016 in Deutschland. Außerdem könne er nach eigener Aussage kaum lesen und schreiben.

Sein neben ihm sitzender Dolmetscher hat alle Hände voll zu tun – denn er muss nicht nur vom Deutschen ins Persische, sondern für einen der zahleichen Nebenkläger auch noch ins Arabische übersetzen.

Als Zeuge ist ein Kriminalhauptkommissar aus Lübeck erschienen, der am Tattag die Spuren der Bluttat sicherte. Der Beamte zeigt dem Gericht zahlreiche aufgenommene Fotos von der Wohnung des Angeklagten. Die Küche sei sehr schmutzig gewesen, Essensreste und Zigarettenstummel hätten sich zudem am Bett befunden. Überall seien Glasscherben in Folge der Auseinandersetzung zwischen den beiden jungen Männern gefunden worden. Eine „Bong“ – eine Wasserpfeife, mit der hauptsächlich Cannabis geraucht wird – und diverse Alkoholflaschen seien von den Polizeibeamten sichergestellt worden. Eine Blutspur habe sich von der Küche bis vor die Unterkunft gezogen. Auf einem Foto ist die Blutlache des Opfers vor dem Gebäude zu erkennen, ebenfalls das noch am Tattag sichergestellte Tatmesser. Es habe, so der Beamte, auf dem Gehsteig gegenüber gelegen.

Mit der Tatsituation konfrontiert, schaut der Angeklagte Mahmod K. zu Boden, bedeckt seinen Mund mit den Händen, versucht, seine Tränen zu unterdrücken. Immer wieder stellt der Nebenkläger Zwischenfragen, bis ihn der Vorsitzende Richter, Christian Singelmann, darauf aufmerksam macht, dass diese erst nach der Zeugenaussage gestellt werden dürfen.

Der Dolmetscher übersetzt derweil erst ins Arabische, dann – zum Angeklagten gewandt – ins Persische. Der Vorsitzende sichert zu, zum nächsten Verhandlungstag am Donnerstag, 2. November, um 9 Uhr einen weiteren Dolmetscher für Arabisch zu verpflichten.


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