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Bad Oldesloe : Blaue „Travejuwelen“ und blühende Kompasspflanzen

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Die hohen Temperaturen lassen an der Trave die Wasserpflanzen sprießen. Das Pfeilkraut wuchert hier momentan besonders stark.

shz.de von
erstellt am 05.Aug.2014 | 06:00 Uhr

Zwischen Bad Oldesloe und Sehmsdorf, hinter der Sohlschwelle am Travewanderweg, windet sich die Trave langsam fließend durch die an beiden Ufern leicht hügeligen Wiesen und Wäldchen. Eine traumhaft schöne Landschaft, die von vielen Spaziergängern, Joggern und Radfahrern zur Erholung genutzt wird. Jetzt – in der heißesten Zeit des Jahres – können aufmerksame Spaziergänger eine ganz besondere Pflanze beobachten, die insbesondere vor der Eisenbahnbrücke am Kneeden massenhaft im Uferbereich der Trave wächst: das gewöhnliche Pfeilkraut.

Die bis zu einem Meter hohe Pflanze fällt durch ihre besondere Form der sattgrünen Blätter ins Auge, denn sie sind markant pfeilspitzenförmig, wovon sich auch der Name des Pfeilkrauts (lateinisch Sagittaria sagittifolia) ableitet. Die Sumpfpflanze aus der Familie der Froschlöffelgewächse wächst bevorzugt in der Uferzone von langsam fließenden Gewässern und liebt Schlamm und nährstoffreiches Wasser. Damit findet sie in der Trave zurzeit ideale Bedingungen, um sich rasant auszubreiten. Das Pfeilkraut ist als Spezialist für Gewässer mit starken Wasserstandsschwankungen heute als stark gefährdet einzustufen, denn geeignete Lebensräume sind durch Regulierungen und Kraftwerksbauten selten geworden.

Die krautige Wasserpflanze hat jede Menge interessante Besonderheiten zu bieten. Ihre Blätter passen sich in Größe und Wuchsform den jeweiligen Strömungsverhältnissen und der Wassertiefe an. Die Unterwasserblätter sind lang und bandförmig, die auf der Wasseroberfläche liegenden Schwimmblätter sind oval geformt und die gestielten Luftblätter weisen die charakteristische und namengebende Pfeilform auf. Als amphibische Pflanze kann sie also sowohl im Wasser als auch auf dem Land leben. Und auch die filigranen weißen Blüten, die auf einer Rispe über dem Wasser auf Insekten warten, stecken voller Geheimnisse.

Am unteren Ende des Blütenquirls sitzen die rein weißen, kleineren weiblichen Blüten, weiter oben befinden sich die größeren und länger gestielten männlichen Blüten. Sie sind ebenfalls weiß und haben einen purpurroten Fleck. Ganz unten, quasi in der untersten Etage der Rispe, kann man kleine grüne „Bällchen“ erkennen. Diese Früchte sind nur drei bis fünf Millimeter lange, stark abgeflachte Nüsschen mit Schwimmgewebe. Da die Früchte unbenetzbar sind, ist eine Schwimmdauer bis zu zwölf Monaten möglich. Ihre Ausbreitung erfolgt als Schwimmer und als Anhafter an Wasservögeln.

Das Pfeilkraut kann außerdem als eine Art Kompass genutzt werden, denn an sonnigen Standorten richten sich die pfeilförmigen Blätter nach der Sonne in Nord-Süd-Richtung aus, wobei die „Pfeilspitzen“ immer nach Norden zeigen. Deshalb wird das Pfeilkraut auch Kompasspflanze genannt. Und essbar ist die tolle Pflanze auch noch: In früheren Zeiten wurden die stärkehaltigen kugeligen Sprossknollen, die am Gewässergrund für die Überwinterung der Pflanze sorgen, als Wildfrüchte gesammelt und gegessen.

Zwischen den Pflanzen huschen jetzt im Hochsommer viele Prachtlibellen hin und her, die wie kleine blaue Juwelen aussehen. Die blau gebänderten Prachtlibellen erinnern mit ihrem flatternden und gaukelnden Flugstil eher an Schmetterlinge. Die Aktivitäts- und Lebensperiode der „Travejuwelen“ ist allerdings nur recht kurz, sie lebt vom Schlüpfen bis zur Eiablage nur wenige Wochen lang.

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