Moderne Kunst im Marstall : „bislang – gut Ding will Bild sein“

Suse Wiegand.
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Suse Wiegand.

In Ahrensburg sind bis zum 6. April eindrucksvolle Arbeiten der Düsseldorferin Suse Wiegand zu sehen.

shz.de von
27. März 2015, 14:24 Uhr

Langsam und bedächtig wandelt ein Besucher zwischen den Kunstwerken der Düsseldorfer Künstlerin Suse Wiegand im Ahrensburger Marstall umher. Er wirkt ratlos. Ein junges Pärchen, das gerade einen Leica-Fotoapparat mit verklebter Linse begutachtet, zuckt mit den Schultern. Suse Wiegand macht es dem Betrachter nicht leicht. Ihre Ausstellung „bislang – gut Ding will Bild sein“ fordert heraus und benötigt mehr als andere Ausstellungen im Marstall die Mitarbeit des Betrachters. Das Kunstwerk, welches erst im Auge des Betrachters entsteht, ist bei Wiegand das „Ding“. Die Düsseldorferin will die alltäglichen Dinge aus ihren Zusammenhängen befreien und in neue (Gedanken)-Zusammenhänge stellen. Ihre Arbeiten sind mehr ein Angebot, denn Antwort. „Darauf muss man sich einlassen“, sagt auch Katharina Schlüter, Kuratorin der Sparkassen-Kulturstiftung, die Wiegand nach Ahrensburg geholt hat.

An verschiedenen Stationen im Marstall sind Alltagsgegenstände aufgebaut, die aus ihrem Zusammenhang gerissen sind: ein aufgeschnittener Papierkorb, in einer Reihe angeordnete Zollstöcke, Bleistiftzeichnungen, die auf Folie an die Wand geklebt sind oder ein Skateboard, das an der Decke klebt. Dazu gesellen sich Videoprojektionen. Herzstück der Ausstellung in der Schlossstadt sind aber viele kleinere Objekte, die auf zwei großen weißen Flächen mit großen Abständen zueinander präsentiert werden. Suse Wiegand offeriert den Freiraum zwischen den Werken, um Platz für eigenen Gedanken zu lassen. Gemeint sind dabei die Lücken in der Deutungshoheit, aber auch die tatsächliche räumliche Distanz zwischen den einzelnen Ausstellungsstücken. „Es gibt bei mir keine richtige oder falsche Sicht auf die Werke. Es zählt immer nur das, was der Besucher darin sieht“, sagt sie. „Die Resonanz ist in Ordnung, aber verhalten. Es könnten ruhig ein paar mehr Besucher sein“, stellt Kuratorin Katharina Schlüter fest: „Es ist nicht einfach, aber wir hoffen, dass in der letzten Woche noch einige Besucher kommen.“

Suse Wiegand betont, ihr sei wichtig, dass ihre Kunst im Raum zur Wirkung kommt. Mit dem Marstall als Ausstellungsort sei sie sehr zufrieden, „sonst wäre ich auch nicht hier“.

>Bis zum 6. April ist die Ausstellung im Marstall noch jeden Sonnabend, Sonntag und Mittwoch von jeweils 11 bis 17 Uhr zu sehen.

www.susewiegand.de



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