Erfolgsverwöhnt : „Bin froh, wenn ich aus dem Wasser bin“

Freude an der Qual: Ausdauersportlerin Anke Lakies freut sich auf die neue Saison.
Vorfreude: Auf Ausdauersportlerin Anke Lakies vom VfL Oldesloe warten in der neuen Saison einige Highlights.

Anke Lakies wurde bei der Duathlon-Europameisterschaft in Spanien Vierte – ein guter Auftakt, obwohl sie eine Medaille verpasste. Im Interview spricht die 48-Jährige über den Start, ihre Ziele und das Karriereende.

shz.de von
07. Mai 2015, 06:00 Uhr

Die Liste ihrer Erfolge ist lang. Europameisterin im Duathlon 2010 und 2012, Europameisterin im Triathlon 2011, Vizeweltmeisterin im Triathlon 2007 und 2011 – von nationalen Titeln ganz zu schweigen. Ausdauersportlerin Anke Lakies steht vor einer erneut sportlich herausfordernden Saison. Den Auftakt machte jetzt die Duathlon-Europameisterschaft im spanischen Alcobendas, bei der die Sportlerin des VfL Oldesloe in ihrer Altersklasse einen Medaillenrang knapp verpasst hat. Im Stormarner Tageblatt spricht die 48-Jährige über den Saisonstart, ihre Ziele 2015 und das Karriereende.

Anke Lakies, Sie hatten bei der Duathlon-EM nur eine Sekunde Rückstand auf den Bronzerang – war im Schlussspurt wirklich nicht mehr drin?

Nein. Ich hatte im letzten Laufabschnitt schon aufgeholt und bin 400 Meter vor dem Ziel an Ruth Wilson dran gewesen. Aber dann haben sie ihre Fans angetrieben und sie konnte zum Schluss noch einmal zulegen. Ich hatte einfach keine Reserven mehr.

Was überwog im Ziel? Frust über die verlorene EM-Medaille oder Freude über Rang vier?

Im ersten Moment war ich enttäuscht. Es war ein enger Kampf, den ich verloren hatte. Aber als ich das dann habe sacken lassen, habe ich mich letztlich gefreut: Platz vier bei einer Europameisterschaft ist okay.

„Okay“ klingt aber nicht besonders zufrieden...

Ich liebäugle natürlich immer mit einem Treppchenplatz. Daher habe ich im Ziel auch nicht laut „Hurra“ geschrien.

Wo auf der Strecke haben sie die Sekunde letztlich verloren?

Ganz klar beim Radfahren. Dort habe ich unter dem Strich sogar fast zwei Minuten verloren. Die Strecke hatte ein welliges Profil, es gab viele Kreisverkehre und es war nass. Da bin ich etwas langsamer unterwegs gewesen – und ich weiß gar nicht, warum die anderen da teilweise keinen Schiss hatten (lacht). Einige lagen am Streckenrand, sind gestürzt, hatten Abschürfungen im Ziel. Ich bin dann froh, den Wettkampf ohne Verletzung beendet zu haben.

Bei Ihnen steht trotz aller Erfolge also immer noch der Spaß im Vordergrund?

Auf jeden Fall. Triathlon oder Duathlon ist ein großes Hobby, das ich mit Reisen verbinde. Der Erfolg ist dann einfach noch das i-Tüpfelchen.

Inwiefern hegen Sie denn mit 48 Jahren Gedanken an das Karriereende?

Ausdauersport geht ja bis ins hohe Alter, wobei ich sicherlich nicht mit 70 Jahren noch auf Wettkämpfen unterwegs sein werde. Aber so lange es Spaß macht, werde ich dabei bleiben. Meine Erfolge motivieren mich zusätzlich.

Wie häufig trainieren Sie für Ihren Erfolg?

Täglich. Wobei ich gar nicht sagen kann, wie viele Kilometer ich im Jahr auf dem Rad oder der Laufstrecke zurücklege.

Welche ist ihre schwächste Disziplin?

Schwimmen. Das trainiere ich zwei Mal die Woche – und das muss auch sein. Da ist der Schweinehund zwar am größten, aber wenn ich das nicht machen würde, würde ich im Wasser noch mehr Zeit verlieren. Ich habe erst mit 30 Jahren gelernt zu kraulen. Daher sage ich mir: Das muss irgendwie gehen – und ich bin froh, wenn ich im Wettkampf wieder aus dem Wasser bin (lacht).

Nach 18 Jahren Triathlon ist Zeit für ein erstes Zwischenfazit. Ihre Lieblingsdistanz?

Ganz klar Sprintdistanz, weil man da nicht so viel Schwimmen muss (lacht).

Ihr schönster Wettkampf?

Das waren die Triathlon-Weltmeisterschaften in Peking 2011 und in London 2013, die Städte waren besonders. Etwas länger zurück liegt die Duathlon-EM in Nancy 2010. Dort habe ich den Titel geholt, das ist natürlich immer herausragend. Aber dort haben die für jeden Altersklassensieger auch die Nationalhymne gespielt, das war sehr beeindruckend und emotional.

Ihr härtester Wettkampf?

Das war tatsächlich gerade in Alcobendas, weil ich bis zum Schluss gekämpft habe im Duell Frau-gegen-Frau. Das hat man auch nicht so häufig. Da musste ich an meine Grenzen gehen.

Erinnern Sie sich an einen Wettkampf zum Vergessen?

Nein, es ist ja nicht nur der bloße Wettkampf, sondern auch das Drumherum. Obwohl: Ich hatte bei einer Deutschen Meisterschaft im Duathlon mal einen technischen defekt. Da hatte ich in der Wechselzone einen Platten am Rad – und bei der kurzen Strecke lohnt es auch nicht, den zu flicken. Das heißt, der Wettkampf ist vorbei. Das Gefühl kann man nicht beschreiben, man fühlt sich ein bisschen wie ein Häufchen Elend.

Wie sehen Ihre Planungen für die Saison aus?

Ich wollte eigentlich bei der Duathlon-DM Ende Mai starten, die wurde jetzt aber abgesagt. Daher geht es für mich mit Triathlon weiter. Mitte Juli starte ich bei der Triathlon-EM in Genf, im September bei der WM in Chicago – und dort werde ich jeweils wieder versuchen, auf das Treppchen zu kommen.

Infos zur EM in Spanien

Anke Lakies hat im spanischen Alcobendas, nahe Madrid, Rang vier bei der Duathlon-Europameisterschaft erreicht. Die Triathletin aus Bad Oldesloe wechselte nach der ersten Laufeinheit über fünf Kilometer auf das Rad. Auf der anspruchsvollen 20 Kilometer langen Strecke erforderte die regennasse Fahrbahn die volle Konzentration der Athleten. Lakies kam – im Gegensatz zu einigen Konkurrentinnen – ohne Sturz zum zweiten Wechsel. Im Endspurt auf den letzten 2,5 km lieferte sich Anke Lakies dann ein packendes Duell mit Ruth Wilson und kam letztlich eine Sekunde hinter der Engländerin in 1:11:08 Stunden als Vierte der AK 45 ins Ziel. Europameisterin der Altersklasse wurde Jaqui Phillips (1:08:24) vor Nicola Kent (1:10:29, beide England).

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