Kurz vor dem Weltbienentag am 20. Mai : Bienenseuche: Amerikanische Faulbrut jetzt auch in Stormarn

Am Sonntag ist Weltbienentag – in Schleswig-Holstein kommt es immer häufiger zu Bienenseuchen.

Am Sonntag ist Weltbienentag – in Schleswig-Holstein kommt es immer häufiger zu Bienenseuchen.

Die Seuche bereitet Imkern in SH Sorgen, während der Internationale Weltbienentag vor der Tür steht.

shz.de von
18. Mai 2018, 12:06 Uhr

Steinburg | Die Vereinten Nationen haben für Sonntag den ersten internationalen Weltbienentag ausgerufen. Mit dessen Einführung soll auf die schwindenden Bestände und auf die wichtige Rolle der Insekten hingewiesen werden. Der Deutsche Imkerbund will hierzulande besonders auf die Verschlechterung der Nahrungs- und Lebensbedingungen aller blütenbestäubenden Insekten hinweisen. Währenddessen haben Imker in Schleswig-Holstein ein Problem: Vor kaum einer Woche wurde in einem Bienenstand in Steinburg (Kreis Stormarn) die für den Bienennachwuchs gefährliche Amerikanische Faulbrut nachgewiesen.

Amerikanische Faulbrut-Seuche in Schleswig-Holstein

Wie ein Sprecher des Kreises Stormarn am Mittwoch mitteilte, wurde der Ausbruch der Krankheit bereits am Montag festgestellt. Demnach wurde ein Gebiet in einem Umkreis von drei Kilometern um den betroffenen Bienenstand nach der Bienenseuchen-Verordnung zum Sperrbezirk erklärt.

In diesem Bereich müssen unter anderem alle Bienenvölker von ihren Imkern gemeldet und auf Faulbrut untersucht werden. Es dürfen vorerst keine neuen Bienenvölker in oder aus dem Sperrbezirk gebracht werden. Bewegliche Bienenvölker innerhalb des Sperrgebiets dürfen nicht bewegt werden.

Die bakterielle Bruterkrankung ist für ausgewachsene Bienen ungefährlich, vernichtet aber die Bienenbrut, weshalb sie zu den anzeigepflichtigen Tierkrankheiten gehört. Das Veterinäramt will mit diesen Maßnahmen die Ausbreitung der Seuche über den Kreis hinaus verhindern. Verstöße gegen die Verordnung können mit einer Geldbuße von bis zu 30.000 Euro geahndet werden. Für den Menschen ist die Seuche ungefährlich.

Die Besitzer oder Betreuer von Bienenvölkern, deren Standort im Sperrbezirk liegt, sollen unverzüglich, spätestens jedoch bis zum 1. Juni, ihre Bienenstände unter Angabe des aktuellen Standortes und der Anzahl der Bienenvölker beim Veterinärwesen des Kreises Stormarn melden unter: Der Landrat, Fachdienst Veterinärwesen, Mommsenstr. 13, 23843 Bad Oldesloe, Tel.: 04531/160-1164, E-Mail: veterinaerwesen@kreis-stormarn.de

Die Amerikanische Faulbrut der Bienen ist eine übertragbare, bakteriell bedingte Tierseuche, die große Schäden an der Bienenbrut verursacht, die Überlebensfähigkeit von Bienenvölkern in einer Region ernsthaft gefährden und dementsprechend erhebliche wirtschaftliche Schäden hervorrufen kann. Die Sporen sind extrem widerstandsfähig und nahezu unbegrenzt haltbar und ansteckend. Zuletzt ist die Seuche im vergangenen Sommer mehrfach aufgereten, unter anderem in Bad Oldesloe.

Die Geschäftsführerin des deutschen Imkerbunds, Barbara Löwer, glaubt „die Ursachen für Bienenverluste sind in erster Linie Bienenkrankheiten, jedoch spielen auch andere Einflussfaktoren wie die Ernährungssituation und der Einfluss von chemischen Pflanzenschutzmitteln eine wichtige Rolle. Die beiden letztgenannten könnten minimiert werden, wenn ein Umdenken in der Bevölkerung und in der Landwirtschaft einsetzt. Dazu trägt hoffentlich der Weltbienentag bei.“

Gefährdung der Bienen nicht nur durch Seuchen

Als blütenbestäubendes Insekt leisten die Bienen einen wichtigen Beitrag für die Landwirtschaft und das Ökosystem. Viele Pflanzen sind auf die Bestäubung angewiesen. „Ohne Bienen gibt es keine Kirschen“, sagt der Göttinger Agrarökologie-Professor Teja Tscharntke. Wie wichtig die Bienen sind, demonstrierte gerade ein Supermarkt in Hannover. Er räumte für einen Tag alle Produkte aus den Regalen, die es ohne die fleißigen Insekten nicht gäbe. Das Ergebnis: Rund 60 Prozent der 2500 Artikel mussten nach Angaben des Unternehmens weichen.

Wir brauchen die Biene – darauf will auch der Weltbienentag aufmerksam machen. Denn die Lage der Bienen ist ernst. „Viele sind seit Jahren gefährdet, einige bereits ausgestorben“, sagt Gerlind Lehmann, Professorin für Evolutionäre Ökologie an der Berliner Humboldt Universität. Allein in Deutschland gilt nach Angaben des Naturschutzbundes (Nabu) jede Dritte der 560 Wildbienenarten als gefährdet oder vom Aussterben bedroht. 39 Arten sind sogar schon ausgestorben.

„Der Begriff Bienensterben ist ein stückweit irreführend“, sagt der Bienenexperte Till-David Schade vom Nabu, der an der Supermarkt-Aktion beteiligt war. „Viel treffender wäre Rückgang oder Schwund.“ Und das gilt auch nur für die Wildbienen. Bei den gezüchteten Honigbienen steigt die Zahl der Völker in Deutschland seit einigen Jahren wieder, weil mehr Menschen Spaß am Imkern haben. Etwa 870.000 Völker schwirren nach Angaben des Deutschen Imkerbundes hierzulande herum.

Nicht alle Ursachen für den Schwund der Wildbienen und vieler anderer Insekten seien erforscht, sagt Lehmann. Einen großen Anteil hat nach Ansicht von Wissenschaftlern und Umweltschützern die industrielle Landwirtschaft mit ihren großen Acker- und Weideflächen. Diese raube den Bienen Lebensraum und Nahrungsquellen. Spritzmittel machen ihnen ebenfalls den Garaus.

Die EU verbot im Freiland daher drei besonders umstrittene Neonikotinoide. Am Donnerstag bestätigte der EU-Gerichtshof zudem bereits zuvor bestehende Nutzungseinschränkungen für diese Stoffe. Hersteller hatten dagegen geklagt.

75 Prozent der rund 150 wichtigsten Nutzpflanzen auf der Welt profitierten von ihrer Bestäubung, sagt Tscharntke. „Die Samen sind meist vitaler und größer.“ Und das treffe auch auf Pflanzen zu, die sich überwiegend selbst bestäuben könnten.

Wildbienen effizienter als Honigbienen

Zur Mandelblüte lassen die Farmer in Kalifornien jedes Jahr Imker mit ihren Bienen in Scharen anreisen. Im deutschen Obstanbau sei das noch nicht so weit verbreitet, sagt Tscharntke. Noch wichtiger wäre es, in den Anbaugebieten Lebensräume für Wildbienen zu schaffen. „Die Wildbienen sind viel effizientere Bestäuber als die Honigbienen.“ Die Honigbiene krabbelt auf derselben Pflanze von einer Blüte zur anderen, die Wildbienen fliegen öfter zwischen den Pflanzen hin und her. Das bringt unter anderem mehr Genaustausch.

Doch gerade die Wildbienen leiden am meisten darunter, wenn die Landwirte ihre Felder mit Pestiziden besprühen. „Die Honigbienen können das besser kompensieren, weil sie in größeren Völkern leben, und sie haben den Imker, der ihnen hilft“, sagt der Neurobiologe Randolf Menzel von der Freien Universität Berlin. Er hat sich fast sein ganzes Forscherleben mit Bienen und Hummeln beschäftigt. „Wildbienen leben eher versteckt. Deshalb fallen sie nicht auf“, sagt er. „Die Honigbienen sind die, die die Aufmerksamkeit bekommen.“

Trotzdem kann jeder zum Bienenschutz beitragen – beim Einkauf. „Wir beeinflussen mit unserem täglichen Konsum, wie unsere Landschaft aussieht“, sagt Schade und empfiehlt: besser biologisch als konventionell.

Weltbienentag-Impuls kommt aus Slowenien

Julia Klöckner , Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, startet im Vorfeld des Weltbienentages die bundesweite Initiative „Bienen füttern“ und weiht dazu zusammen mit dem slowenischen Landwirtschaftsminister Dejan Zidan die Bienenstöcke im Hofgarten des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft ein.
Bernd von Jutrczenka/dpa
Julia Klöckner , Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, startet im Vorfeld des Weltbienentages die bundesweite Initiative „Bienen füttern“ und weiht dazu zusammen mit dem slowenischen Landwirtschaftsminister Dejan Zidan die Bienenstöcke im Hofgarten des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft ein.

Der Weltbienentag ist das Ergebnis jahrelanger Bemühungen, einen solchen wiederkehrenden Tag einzuführen, um der Bevölkerung die Bedeutung der Bienen und anderer Bestäuber ins Bewusstsein zu rufen und konkrete Aktionen zum Schutz der Insekten durchzuführen. Begonnen hatte die Initiative bereits vor drei Jahren in Slowenien.

Der slowenische Imkerverband hatte die Idee, die von politischer Seite durch Landwirtschaftsminister Dejan Zidan maßgeblich unterstützt wurde. Es folgten weltweite Werbekampagnen bis im Dezember 2017 115 UN-Mitgliedsstaaten für den Weltbienentag stimmten, darunter alle EU-Staaten, die USA, Kanada, China, Russland, Indien, Brasilien und Australien.

In Slowenien ist Imkern schon lange im Trend. Jeder 200. Slowene ist Imker – der höchste Wert weltweit. Dejan Zidan begrüßte die Entscheidung der UN-Generalversammlung. Er erklärte: „Dies ist nur der Anfang eines schwierigen Prozesses zum Schutz der Bienen und anderer Bestäuber. Um erfolgreich zu sein, müssen wir die Regierungen aller Länder, die Wirtschaft und die Zivilgesellschaft an Bord holen.”

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