Bienen schwärmen für ihr Volk

Das Volk sammelt sich und wartet auf die Botschaft ihrer „Scouts“, wohin die Reise letztendlich gehen soll.
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Das Volk sammelt sich und wartet auf die Botschaft ihrer „Scouts“, wohin die Reise letztendlich gehen soll.

3. Teil der Reihe über Imme & Imkerei / Von der Reiselust der kleinen Flieger, vom Wohnungsumzug und von freier Wildbahn

shz.de von
18. Mai 2015, 13:00 Uhr

Im Mai wachsen Bienenvölker quasi über sich hinaus. Deshalb macht sich die Königin mit einem Teil ihres Volkes auf die Reise. Eine aufregende und arbeitsreiche Zeit für Imker: Teil 3 der Serie im Stormarner Tageblatt und Markt.

Im Wonnemonat Mai befinden sich die Bienenvölker auf dem Höhepunkt ihrer Entwicklung. Zu dieser Zeit hat das Volk den größten Bestand an Individuen und diese sind in der Lage, große Mengen Brut zu pflegen, die den Fortbestand ihres Volkes sichern. Dafür sind auch jede Menge Pflegebienen im Volk, die nun diese Brut pflegen und erbrüten wollen. Da aber einzig die Bienenkönigin in der Lage ist, Eier zu legen und damit für entsprechende Brut zu sorgen, ist irgendwann der Punkt erreicht, an dem die arbeitswilligen Pflegebienen nicht mehr ausreichend mit Arbeit, sprich mit Brut, ausgelastet werden können.

Gelee Royale

Die Königin kann nicht unendlich viele Eier stiften. Dafür fehlt bei hohem Eintrag
von Nektar und Pollen als Futter auch irgendwann der Platz. Die Bienenwohnung
quillt förmlich über und die Bienen werden „arbeitslos“. Dies ist der Punkt, an dem die Bienen spezielle Zellen im Wabenbau errichten, in denen junge Königinnen heranwachsen. Der Imker spricht hier von Weiselzellen. Sind diese Zellen von der alten Königin mit Eiern bestiftet worden, sorgen sich junge Ammenbienen mit einem speziellen Futtergemisch, dem so genannten Gelee Royale dafür, dass in diesen Zellen Larven von Königinnen heranwachsen. Haben diese ein bestimmtes Stadium erreicht, macht sich ein großer Teil der Bienen eines Volkes zusammen mit der „alten“ Königin auf die Reise. Sie ziehen meist bei warmen Temperaturen und zur Mittagszeit aus dem Bienenstock aus. Das wird als Schwarm bezeichnet. Dieses Schauspiel ist beeindruckend und auch für Imker stets ein Erlebnis.

Die Bienen mitsamt ihrer Königin lassen sich erst mal in unmittelbarer Nähe der alten Wohnung meist an einem Baumast nieder. Aber auch ungewöhnliche Orte wie ein Zaunpfahl, eine Laterne oder ein hervorstehender Mauersims werden gern angenommen. Dort sammelt sich der Schwarm und sendet nun seine Scouts aus, die eine neue geeignete Wohnung für den Schwarm finden sollen. Haben sie dies getan und ihre Artgenossen durch das Werben von einer bestimmten Lage überzeugt, zieht der Schwarm weiter und lässt sich dort nieder.

In der neuen Wohnung beginnen die Bienen sofort mit dem Wabenbau. Die Königin fängt mit der Eiablage an und wenige Wochen später ist aus dem Schwarm wieder ein starkes Volk geworden.

Für den Imker ist es wichtig, dass er den Schwarmtrieb lenken kann. Ganz zu unterdrücken ist er nicht. Er gehört zum Wesen der Bienen dazu. Aber durch den Schwarm-Akt wird sowohl das alte Volk geschwächt als auch das neue ausgezogene einer ungewissen Zukunft überlassen. Honigbienen können heute leider nicht mehr in freier Wildbahn langfristig überleben. Zudem sind sie dort Krankheiten schutzlos ausgeliefert oder können sie dort verbreiten. Deshalb versucht der Imker den Schwarmtrieb ein wenig zu steuern, damit er den Zeitpunkt möglichst unter Kontrolle hat und durch geeignete Maßnahmen die Volksteilung „künstlich“ übernimmt. Das hat den Vorteil, dass sowohl das alte Volk nicht übermäßig geschwächt wird noch sich das neue mangels geeigneter neuer Behausungen als auch durch unkontrollierten Parasitendruck langfristig zu Tode quält.

Wenn es dann trotzdem zum Schwarm gekommen ist,
muss der Imker diesen einfangen. Dazu fängt er die Bienen mit Hilfe einer Kiste ein. „Das haben Sie vielleicht schon einmal beobachtet“, sagt Michael Mietz vom Imkerverein Bad Oldesloe.

Schwarmrausch

Bienen sind sehr fantasievoll bei der Auswahl ihrer Rastplätze. Auch in Innenstädten, in Fußgängerzonen, an Brückenpfeilern, sogar an Stromleitungen haben sich schon Schwärme niedergelassen. „Wenn Sie so etwas sehen, geraten Sie bitte nicht in Panik. Die Bienen sind während des Schwarms ziemlich auf sich selbst konzentriert und im so genannten Schwarmrausch. Die tun eigentlich nichts. Kommen Sie ihnen nicht zu nahe und stören Sie die Versammlung nicht, sondern verständigen Sie bitte einen Imker. Der wird sich dann um unsere auch sonst recht friedlichen Lieblinge kümmern und ihnen ein neues Zuhause geben“, rät der erfahrene Imker. Wenn die Finder eines
Schwarms keinen Imker kennen, ist das kein Grund zur Resignation. Entweder wenden sie sich an die örtliche Polizei oder Feuerwehr. Beiden sind Imker bekannt, die in dem Fall helfen können.

„Außerdem ist es eine gute
Gelegenheit für Sie, mit der Bienenhaltung zu beginnen“,
so Michael Mietz weiter. „Viele Imker haben auf diese Weise begonnen. Also nur zu, trauen Sie sich. Keine Angst, das müssen Sie nicht allein bewältigen.“ Hilfe bekommen die frisch gebackenen Imker bei den Imkervereinen. In der ersten Zeit imkern die Neulinge meistens mit einem erfahrenen Imker gemeinsam, um das Handwerk und die Grundlagen zu erlernen und sicher zu werden.

Die Imkervereine in der Region:

Imkerverein „An der Trave“

Bad Oldesloe, Wolfgang Zander,

kontakt@imme-stormarn.de


Imkerverein Reinfeld und Zarpen,
Rainer Götze, Ruf (04531) 5543


Imkerverein Jesbek und Umgebung,
Ilse Drews, ilse_drews@yahoo.de

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