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Stormarner Tageblatt

29. Juni 2017 | 12:59 Uhr

Seefeld : Besuch in der Höhle des Löwen

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Bewohner des Oldesloer Ortsteils Seefeld sehen sich stiefmütterlich behandelt: Bürgermeister Lembke macht sich vor Ort ein Bild.

Als die angeblich falsch gelieferte „Schneepistenraupe“ im Oldesloer Ortsteil Seefeld auftauchte und der Fake-PR-Stunt es in alle möglichen Medien schaffte, kochte bei manchen Seefeldern die Wut hoch. „Braucht es also erst eine Schneeraupe, damit sich jemand für unseren Ortsteil interessiert“, meldeten sich Bewohner in Kommentaren zu Wort. Als nun vor einigen Monaten auf die Tagesordnung der Lokalpolitik kam, dass Straßen in und um Seefeld komplett saniert werden sollen und die Anwohner – so wie es das Gesetz in Schleswig-Holstein verlangt – ihren Beitragsanteil zahlen müssen, kamen genau wieder diese Bemerkungen auf den Tisch. „Wir sind nur interessant, wenn wir etwas bezahlen sollen“, schimpfte ein Seefelder im Bauausschuss der Stadt. Dementsprechend positiv wurde es aufgenommen, dass Bad Oldesloes neuer Bürgermeister nun den Seefeldern einen Besuch vor Ort abstattet, um sich über Probleme live und von Angesicht zu Angesicht informieren zu lassen.

Dieser Vorgang gehört zum Konzept seiner Amtsführung, das es vorsieht, die Ortsteile und ihre Probleme ganz bewusst und persönlich wahr- und ernstzunehmen. „Ich freue mich über die große Resonanz, war mir aber auch sicher, dass es hier viele interessierte Bürger gibt“, sagte Lembke zur Begrüßung am Gerätehaus der Freiwilligen Feuerwehr zu den rund 40 Seefeldern, die mit ihm zur Begehung des Ortsteils aufbrechen wollten. Auch Lokalpolitiker der SPD, FBO, CDU und der Grünen waren erschienen.

Lembke hatte sich als Verstärkung eine kleine Verwaltungs-Entourage bestehend aus Bauamtsleiter Thilo Scheuber, dem neuen Bauhof-Chef Dirk Blanke und dem Leiter des Tiefbauamtes Klaus-Peter Scharenberg mitgebracht, um Fragen direkt kompetent beantworten lassen zu können oder mögliche Aufgaben an die richtigen Stellen zu verweisen. Bei der Sammlung der gewünschten Themen fiel direkt auf, dass hauptsächlich Interesse am Straßenbau und den bereits erwähnten Gebühren für anstehende Fahrbahnsanierungen bestand. „Ich würde mich gerne auch über weitere Themen unterhalten, aber wenn das Sie hier am meisten bewegt, dann ist das natürlich wichtig“, so Lembke. An mehreren Stellen im Ortsteil wurde der Straßenbelag in Augenschein genommen. Die Anwohner wollten damit verdeutlichen, dass Ausbesserungsarbeiten durchaus zunächst ausreichend sein könnten.

Scheuber und Scharenberg führten allerdings mehrfach aus, dass sie es nicht für zielführend halten, nur eben solche oberflächlichen Maßnahmen durchzuführen. „Das ist aus meiner Sicht Blödsinn. In vier oder fünf Jahren geht es von vorne los“, wurde Scheuber deutlich. „Ich bin mir auch nicht sicher, dass Ausbesserungen billiger werden würden. Sie wären zumindest in manchen Bereichen sogar aufwendiger“, sagte der Tiefbauamtsleiter Scharenberg. Teilweise wurde der Tonfall der Anwohner in der Folge etwas aufgebrachter. Sie trugen erneut ihren Frust vor, dass aus ihrer Sicht frühere Bürgermeister es versäumt hätten, Ausbesserungen durchzuführen und sie nun für diese Versäumnisse zur Kasse gebeten werden.

Andere betonten, dass sie selbst kein Problem mit den Schlaglöchern hätten. Die könnten gerne bleiben. Zahlen wollen sie dafür nicht. Auch der Vorschlag, dass die Stadt „einfach mal sagt, dass sie die kompletten Kosten trägt“, kam mehrfach ins Spiel. „Ich kann nicht sagen, was hier vor 20 Jahren passiert ist oder falsch gemacht wurde. Dazu habe ich keine Informationen“, so Scharenberg. Und auch Lembke betonte, dass es ihm leid täte, wenn es unter früheren Verwaltungschefs vielleicht Versäumnisse gegeben habe, aber er könne erst ab jetzt aktiv eingreifen. Diese Aussage traf bei den meisten Anwesenden auf Verständnis.

Wirklich entsetzt war Lembke, als ihm der stellv. Ortswehrführer Rainer Zickermann einen „seit langer Zeit defekten Hydranten“ präsentierte. „Das geht gar nicht. Das muss sofort geregelt werden. Wenn es hier brennt, muss der Hydrant natürlich benutzbar sein“, notierte sich Lembke sofort alle notwendigen Daten.

Nach und nach kamen bei der Begehung der Straßen und Begutachtung ihres Zustands auch andere Themen zur Sprache – allerdings eher am Rande. So wurde klar, dass die Feuerwehr gerne ein neues Gerätehaus hätte, sich aber aktuell keine Illusion mache, dass dafür Geld bereitgestellt werde. Allgemein fehlt den Seefeldern eine Art „Gemeindehaus“. Es gebe nichtmal ein Vereinsheim oder einen Dorfkrug, in dem man auch spontan Treffen oder Feiern abhalten könne. Das sei schlecht für die Gemeinschaft vor Ort. Auch kulturell käme der Ortsteil zu kurz. Veranstaltungen seien Mangelware, wenn sie nicht – wie das Vogelschießen – lange geplant seien.


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erstellt am 03.Jun.2017 | 06:00 Uhr

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