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Deutsch als Zweitsprache (DaZ) : Berufsschulen wollen zusätzliche Klassenräume

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Zwei Ausschüsse des Kreistags befassen sich mit der Thematik: Nachmittagsunterricht oder Millionen-Investitionen an den Standorten Bad Oldesloe und Ahrensburg.

Nichts oder zehn Millionen Euro: Zwischen diesen Extremen diskutieren am Mittwoch, 24. Februar, zwei Ausschüsse des Kreistags. In der gemeinsamen Sitzung von Bau- und Planungs- sowie Schul- und Kulturausschuss geht es um zusätzliche Klassenräume für Deutsch als Zweitsprache (DaZ) in den Beruflichen Schulen in Bad Oldesloe und Ahrensburg.

Zwei DaZ-Klassen waren es im September an der Oldesloer Schule, nun werden 110 Schüler in sechs Klassen unterrichtet. Grund ist das Heim St. Josef, wo unbegleitete minderjährige Flüchtlinge betreut werden. Bis zu 194 dieser berufsschulpflichtigen Jugendlichen soll der Kreis Stormarn nach dem Verteilungsschlüssel des Landes aufnehmen, die meisten werden in der Kreisstadt und Umgebung bleiben.

Gleichzeitig hat an der Oldesloer Berufschule die Erzieher-Ausbildung begonnen, aus den aktuell zwei Klassen werden nach den Ferien vier und im nächsten Jahr sechs. Und im Herbst startet die Ausbildung der Pflegeassistenten. „Ohne die DaZ-Klassen wäre das noch okay gewesen“, sagt Leiter Rüdiger Hildebrandt, „nun werden wir nach den Sommerferien eine akute Raumnot haben.“

1850 Schüler werden im Schanzenbarg von 110 Lehrkräften unterrichtet, und Rüdiger Hildebrandt wünscht sich nicht nur neue Klassenräume, sondern auch ein größeres Lehrerzimmer. Theoretisch könnte die Schule das Raumproblem mit zusätzlichen Nachmittagsunterricht lösen, hat die Kreisverwaltung ausgerechnet. „Wir unterrichten heute schon zum Teil bis 16.30 Uhr. Das ist schon schwierig, weil wir in Lernfeldern arbeiten und einen erheblichen Absprachebedarf haben. Wenn wir noch weiter in den Nachmittag gingen, müssten wir Konferenzen in den Abend und das Wochenende legen. Das ist nicht machbar“, sagt Hildebrandt.

Seit drei Jahren wird ohnehin schon in in acht Containern-Klassenräumen unterrichtet. Die Baugenehmigung wurde 2015 um drei Jahre verlängert. „Eine nochmalige Verlängerung unter den derzeitigen baulichen Rahmenbedingungen ist unwahrscheinlich“, heißt es in der Sitzungsvorlage. Ein Beschlussvorschlag ist deshalb der Neubau von acht oder zwölf Klassenräumen. Geschätzte Kosten: 2,25 oder 3,25 Millionen Euro.

Das Raumproblem nach den Sommerferien wäre damit allerdings noch nicht gelöst, und vor 2018 dürften der Neubau auch kaum bezugsfertig sein. Container für vier Klassenräume kosten 428  000 Euro, wenn man nur mietet, werden für zwei Jahre 190  000 Euro fällig.

„Wir wissen alle, dass etwas gemacht werden muss und wir Geld anfassen müssen“, sagt CDU-Fraktionschef Joachim Wagner, „aber die Schulen müssen sich auch bewegen. Es kann nicht sein, dass es heißt, Nachmittagsunterricht würde nicht gehen.“ Da heute niemand wisse, wie die Flüchtlings-Situation in ein paar Jahren ist, „spricht das meiner Meinung nach für Container für den DaZ-Unterricht.“

Wie viele Räumlichkeiten benötigt werden, hängt auch nicht nur von der reinen Zahl, sondern auch von der Vorbildung der Flüchtlinge ab. Rund 60 Prozent haben weniger als sieben Jahre Schuljahre hinter sich, 30 Prozent weniger als drei. Mehr als zehn Prozent gelten denn auch als Analphabeten. Hildebrandt: „Gewollt ist, dass die Jugendlichen das Fremdsprachen-Level A2 erreichen. In einem Jahr ist das für die große Mehrzahl nicht zu erreichen.“ Zwei bis drei Jahre brauche man, schätzt er, bis die Jugendlichen so weit sind, dass sie eine Lehre beginnen können.

Neben der schnellen und der mittelfristigen Lösung geht es in Oldesloe auch um eine mögliche große Lösung. Ein Teil der Berufsschule ist bereits in die ehemalige Landwirtschaftsschule ausgelagert. Der Kreis möchte die gerne verkaufen, ein Interessent ist das Amt Bad Oldesloe-Land. Dann müssten im Schanzenbarg aber zwölf weitere Klassen- und Fachräume für 4,5 bis fünf Millionen Euro gebaut werden. Immerhin: Platz gibt es dort genug.

Im Vergleich zu Oldesloe sind die Probleme an der Ahrensburger Berufsschule kleiner. Zurzeit gibt es dort drei DaZ-Klassen. Die beantragten zwei zusätzlichen Klassenräume wären durch Aufstockung des ohnehin geplanten Erweiterungsbau möglich. Die Kosten würden dann um 500  000 auf fünf Millionen Euro steigen. Auch das Gebäude würde erst 2018 zur Verfügung stehen. Von einer Null-Variante mit vermehrtem Nachmittagsunterricht hält Leiter Joachim Steußloff nicht viel. „Wen wir dann nachmittags beschulen, wissen wir noch nicht, aber wir können schlecht diejenigen in die leere Schule haben, die die wenigsten sozialen Kontakte haben und am hilfsbedürftigsten sind.“

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erstellt am 16.Feb.2016 | 06:00 Uhr

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