Bargfeld-Stegen: : „Bella Vista“ feiert Geburtstag

Stationsleiter Uwe Siegmund, Koordinatorin Silke Klinkow, Dr. Peter Hauptmann und der therapeutische Leiter Friedemann Hauck.
Stationsleiter Uwe Siegmund, Koordinatorin Silke Klinkow, Dr. Peter Hauptmann und der therapeutische Leiter Friedemann Hauck.

Drogenstation im Heinrich-Sengelmann-Krankenhaus seit 20 Jahren für Suchtkranke da. 20 000 Patienten behandelt.

shz.de von
17. Juli 2015, 12:27 Uhr

Zu Anfang ging ein Rumoren durch Bargfeld-Stegen. „Einwohner befürchteten, dass sich hier eine Drogenszene etabliert“, sagt Alt-Bürgermeister Christian Rink. Doch das blieb aus. 20 Jahre später feiert die Station „Bella Vista“ im Heinrich-Sengelmann-Krankenhaus (HSK) ihr 20-jähriges Bestehen – und blickt auf eine erfolgreiche Arbeit mit Suchtkranken zurück.

Von Anfang an wurde auf einen niedrigschwelligen Entzug gesetzt. Für eine Aufnahme ist nur das Motiv des Drogenkranken selbst eine Vorbedingung, seine Probleme anzugehen. „Unter Zwang geht hier gar nichts. Wer diesen Schutzraum aber missbraucht, wird entlassen“, sagt Stationsleiter Uwe Siegmund. Dr. Peter Hauptmann, der stellvertretende ärztliche Direktor des HSK, spricht von vielen positiven Rückmeldungen der Patienten. Der Drogenentzug mit Medikamenten dauert in der Regel 21 Tage. „Viel wichtiger ist aber die psychosoziale Begleitung bis zu einer Anschlusstherapie“, sagt Hauptmann. Dazu gehörten ein umfassendes Therapieangebot und die Entwicklung neuer Perspektiven mit dem Patienten. Die Suche nach einer Wohnung oder Wohngruppe, die Anbindung an eine Beratungsstelle, Schuldenregulierung und eventuell die Vermittlung einer Arbeitsstelle seien weitere wichtige Faktoren.

Faustregel: Etwa ein Drittel der Patienten bleibt clean, ein Drittel wird rückfällig und ein Drittel kommt nie ohne harte Drogen aus. Die Klienten haben sich in 20 Jahren verändert. „Heute gibt es häufiger einen Mehrfachkonsum von Drogen“, sagt Siegmund, „zum Beispiel Alkohol und Tabletten.“ Damit einher gingen oft auch psychische Erkrankungen, die oft durch Drogenkonsum ausgelöst wurden.

Während vor 20 Jahren reine Heroinsucht im Mittelpunkt stand, gibt es heute eine große Suchtpalette. Synthetische Drogen wie Crystal Meth gehörten heute zu den gefährlichsten, sagt Siegmund: „Auch weil sie so leicht herzustellen sind.“ Die Drogensucht müsse als Krankheit betrachtet und dürfe nicht verurteilt werden, sagt Siegmund.

In 20 Jahren wurden etwa 20 000 Patienten behandelt. Viele davon sind „Wiedergänger“, kommen immer wieder. Manche werden seit vielen Jahren therapiert. In Bella Vista werden Patienten ab 18 Jahren aufgenommen. Die Wartezeit auf einen Therapieplatz beträgt in der Regel vier bis sechs Wochen. In Notfällen geht es aber auch sofort. Psychologische Gespräche, Sport, Ergotherapie, traditionelle chinesische Akupunktur und eine feste Tagesstruktur gehören zum Behandlungsarsenal.




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