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Stormarner Tageblatt

19. August 2017 | 19:13 Uhr

Bad Oldesloe : „Beliebt wie Fußpilz“

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Gegen Containerstandorte in direkter Nachbarschaft gibt es kaum eine Handhabe. Die Belastung muss schon über das normale Maß hinausgehen.

Müll rund um die Container, Geruchsbelästigung und Ungeziefer in den umliegenden Gärten. Ehepaar Müschen und ihre Nachbarn leiden, wie berichtet, unter den Containern auf dem Parkplatz Wendum.

Juristisch gibt es nur wenige Möglichkeiten gegen Container vorzugehen, grundsätzlich dürfen sie auch in reinen Wohngebieten stehen, Anlieger müssen die damit verbundene (Lärm-)Belästigung hinnehmen. Wie Nora Höcke von Haus & Grund in Kiel mitteilte, seien ihr im Gesetz oder in der Rechtsprechung keine Festlegungen von Mindestabständen bekannt. Im Internet kursieren Veröffentlichungen mit Mindestabständen von 6 bis 12 Metern.

Nora Höcke: „Ich kann mir das nur so erklären, dass das Umweltbundesamt dazu wohl mal eine Empfehlung ausgesprochen hat.“ Grundsätzlich gelte es zu prüfen, ob die Belästigungen „über das normale Maß hinaus“ gingen. „Ungeziefer muss man eigentlich nicht hinnehmen“, so Höcke, „aber das ist eine Einzelfallentscheidung, das lässt sich nicht pauschal beurteilen.“ Ihr dringender Rat an Betroffene: „Alles dokumentieren!“

Dennis Kissel, Geschäftsführer der AWSH, ist bei dem Thema hörbar angefasst: „Das regt mich auf, da fehlt mir jegliches Verständnis. Ich kann die Leute total verstehen. Wenn man Papier wegbringt, scheint es dazu zu gehören, auch eine Tüte Restmüll mitzunehmen.“ Trotzdem kann er eigentlich keine Lösungen anbieten. Eine Videoüberwachung scheidet aus, weil es sich dabei um eine nicht anlassbezogene Schleierfahndung handele, Das habe der Müllentsorger bereits mit der Datenschutzbeauftragen durchdiskutiert. Kissel berichtet von einem Fall, wo Attrappen aufgehängt wurden. Nicht mal das sei zulässig.

Natürlich würden seine Mitarbeiter illegale Müllablagerungen nach Hinweisen auf die Verursacher durchsuchen. Wenn sie Adressen finden, werde selbstverständlich Anzeige erstattet. „Dann schauen die einen mit treuen blauen Augen an und erzählen: ‚Ich habe alles in den Container geworfen. Wie das da hin kommt, weiß ich nicht.‘ Und selbst wenn, ist es eine Ordnungswidrigkeit – 20 Euro wie falsch parken. Das führt zu nix“, macht der AWSH-Chef deutlich: „Das sind verhaltensbedingte Störungen, da kommen wir mit unseren Mitteln nicht weiter.“ Die Verursacher kämen oft aus einem Umkreis von fünf bis maximal zehn Kilometern.

Dennis Kissel weiß aus Erfahrung: „Depotcontainer sind beliebt wie Fußpilz.“ Er beschreibt den idealen Stellplatz: Möglichst gut einsehbar, große soziale Kontrolle, beleuchtet, kein Zaun drum. Das könnten Kriterien sein, die auf den Parkstreifen parallel zum Friedhof am Wendum zutreffen. „Dann könnte es was bringen“, sagt Kissel: „Ansonsten gibt es nur eine Lösung: Auflösung des Standorts.“

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23-2176993_Bad Oldesloe_Andreas_Olbertz_Redakteur.JPG von
erstellt am 13.Apr.2017 | 06:00 Uhr

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