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Brutaler Überfall: : „Bei dieser Tat kam ihre alte Gewaltbereitschaft durch“

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

19-jähriger Intensivtäter muss nach Überfall auf Oldesloer Spielhalle für dreieinhalb Jahre ins Gefängnis.

Für Sherif B. (Name geändert) ist es die letzte Chance, ein rechtskonformes Leben zu führen. Drei Jahre und sechs Monate Haft verhängte das Schöffengericht in Ahrensburg gegen ihn. Der Bad Oldesloer musste sich wegen versuchten schweren Raubes und gefährlicher Körperverletzung verantworten. Er hatte am 29. Dezember vergangenen Jahres eine Spielhalle in der Kreisstadt überfallen.

Sherif B. Vorstrafenregister ist lang. Es reicht von Tierquälerei über schweren Raub bis zur räuberischen Erpressung. Den Überfall auf die Oldesloer Spielhalle beging er noch in seiner letzten Bewährungsfrist. Die noch ausstehenden 14 Monate Haft wegen schwerem Raub schloss das Gericht in das Urteil ein.

In Handschellen wird er vorgeführt. Seit der Tat sitzt Sherif B. in Haft. Er sagt aus: In jener Dezembernacht stürmt er in die Spielhalle – maskiert mit einer Sturmhaube und mit einer Schreckschusspistole. Er drückt mehrfach den Abzug durch und schreit: „Geld her“.

„Ich hörte das Klack-Klack“, sagt die 60-jährige Aufsichtskraft aus. Deshalb ging sie davon aus, dass die Waffe nicht geladen war. Beherzt schüttet sie ihm ihren Kakao entgegen und zieht sich hinter den Tresen zurück. Doch Sherif B. verfolgt sie. Die Frau wirft mit einer Tasse nach ihm und greift nach dem Pistolenlauf. Auch das schreckt den 19-Jährigen nicht ab. Er schlägt der Frau mit der Waffe gegen den Kopf, sodass sie das Bewusstsein verliert. „Ich war ein paar Minuten bewusstlos“, sagt sie aus, „mein Kopf war voller Blut, als ich wieder zu mir kam.“ Sie ist schwer verletzt: Sie hat einen Sprunggelenkbruch und einen Innenbandriss erlitten. Der Täter ergreift ohne Beute die Flucht und versteckt sich in einem Vorgarten. Dort kann die Polizei ihn bald darauf festnehmen.

Kurz vor dem Überfall hatte Sherif B. seine Lehrstelle verloren, weil er die Berufsschule schwänzte. Er sei spielsüchtig und brauchte Geld auch für das bevorstehende Silvester. Vor der Tat habe er Kokain geschnupft, „um Mut zu schöpfen“. Sherif B. kommt aus schwierigen Familienverhältnisse. Sein aus Palästina stammender Vater habe Gewalt ausgeübt. Nach außen wurde aber eine heile Familie demonstriert. Die Eltern wollten sich in der Gastronomie selbstständig machen, scheiterten aber. Dadurch wurde es finanziell eng. „Er wollte aber nicht auf den gewohnten Standard verzichten und versuchte dieses Ziel durch Bedrohung und Gewalt zu erreichen“, sagt die Vertreterin der Jugendgerichtshilfe. Sherif B. habe immer andere für seine Misere verantwortlich gemacht und könne andere eloquent manipulieren.

Eine Zeit lang blieb Sherif B. straffrei. Dann aber habe er sich in Bad Oldesloe einer Gruppe von Straftätern angeschlossen. Die letzte Tat sei noch skrupelloser als die vorherigen, sagt sie, es bestehe Wiederholungsgefahr. Sherif B.. zeige dissoziales Verhalten und erschreckend wenig Mitgefühl. Sie fordert mindestens dreieinhalb Jahre Jugendstrafe, damit er im Gefängnis seine Ausbildung beenden könne. „Er ist nahe an einer kriminellen Persönlichkeit“, sagt der psychiatrische Gutachter. Sherif B. sei schuldfähig, die Wirkung des Kokains sei zur Tatzeit schon verflogen gewesen. Die Prognose für ihn sei sehr ungünstig. „Wenn sie das mit 21 Jahren machen, dann wird die Haftstrafe zweistellig“, warnt der Staatsanwalt. Seine Tat sei sorgfältig geplant gewesen. Er fordert viereinhalb Jahre Haft.

„Bei der Tat kam ihre alte Gewaltbereitschaft wieder durch“, sagt der Vorsitzende Richter. Sherif B. trage erhebliche Schuld, trotz intensiver Betreuung und in der Bewährungszeit habe er sie begangen. Im Kern habe das Gericht überlegt, was erzieherisch noch möglich sei. „Noch sind sie lernfähig“, sagt er zum Angeklagten.

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