Bargteheide : Bauwagendorf muss weichen

Vor dem bunten Wagen:  Hannes Neuhaus, Ronja Knudsen, Nora Morgenroth und Diego Di Fausto.
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Vor dem bunten Wagen: Hannes Neuhaus, Ronja Knudsen, Nora Morgenroth und Diego Di Fausto.

Am Bornberg plant die Stadt Bargteheide ein Wohnprojekt. Deshalb suchen die Bewohner im Bauwagendorf einen alternativen Standort. Bei einem Tag der offenen Tür kann sich jeder von dieser Wohnform ein Bild machen.

shz.de von
03. Juli 2015, 06:00 Uhr

Etwa 160 Wohnungen sollen am Bargteheider Bornberg entstehen. 40 Prozent davon werden öffentlich gefördert. Damit kann das Angebot von Sozialwohnungen erhöht werden, die dringend benötigt werden. Doch zum Problem wird die Verkehrserschließung des Gebiets an der Straße Am Bornberg. Und das dortige Bauwagendorf muss dem Projekt weichen.

Verwaltung und Kommunalpolitik stehen dem Projekt aufgeschlossen gegenüber. Denn auf dem Gelände soll ein inklusives Wohnen für alle Generationen verwirklicht werden. Menschen mit Behinderung sollen mit Senioren, Singles, Alleinerziehenden und jungen Familien ins Quartier integriert werden. Geplant sind acht Doppel- und zehn Mehrfamilienhäuser mit je 15 Wohnungen. Damit würden etwa 350 Bewohner auf der 2,5 Hektar großen Fläche leben.

Allerdings sehen einige Politiker und Nachbarn die Verkehrssituation kritisch. Eine Erschließung über den Nelkenweg und die Straße Am Bornberg und weiter über die Lohe verursache dort zu viel Verkehr. Sie bevorzugen eine Anbindung über den Südring. Das stößt aber bisher auf Ablehnung beim Kreis, der für den Südring als Kreisstraße zuständig ist.

Etwa zehn Bewohner haben sich auf der Wiese niedergelassen. Sie leben in acht Bauwagen und einem ausgebauten Lkw. Mit Gewächshaus, kleinem Pool und zwei Komposttoiletten erproben sie seit gut drei Jahren alternative und nachhaltige Lebensformen mit Selbstversorgung. Auf Strom möchten sie aber nicht mehr verzichten.

„Wir wohnen hier nahe an den Elementen“, sagt Nora Morgenroth, „es ist schön zu merken, wie wenig man zum Leben braucht.“ Die angehende Tischlerin schätzt die Gemeinschaft: „Eine Wohngemeinschaft wäre mir aber zu eng, bei Bedarf kann ich mich in meinen Bauwagen zurückziehen.“ Gepachtet haben sie das Gelände von den Stormarner Werkstätten, die auf dem ehemaligen Bauernhof einen Garten- und Landschaftsbau-Betrieb unterhält.

Dieses Gebäude soll nach den Plänen erhalten bleiben und um weitere Wohnungen ergänzt werden. Auch eine Wohngemeinschaft von elf Menschen mit Behinderung lebt auf dem einstigen Bauernhof. Mit ihnen wie auch mit den übrigen Nachbarn pflegen die Bauwagen-Bewohner ein gutes Verhältnis. „Wir spüren eine große Toleranz“, sagt Ronja Knudsen, „unser Projekt funktioniert auch in einer Kleinstadt.“ Damit könnte es in einem Jahr vorbei sein. Denn die Investoren der Firma Semmelhaack aus Elmshorn planen schon für den kommenden Juni den Baubeginn. Die Bewohner suchen deshalb einen neuen Standort. „Uns war von Anfang an klar, dass die Zeit hier begrenzt ist“, sagt Ronja Knudsen. Der Pachtvertrag ist im vergangenen Jahr ausgelaufen und wurde nicht wieder erneuert.

Die jungen Leute hoffen, dass sich der ehrgeizig geplante Baubeginn noch verschiebt und sie bis dahin eine neue Bleibe finden. „Ein Vereinsgelände, das nur selten genutzt wird“, könnte sich Hannes Neuhaus vorstellen. Denkbar sei auch eine Kooperation mit den Pfadfindern oder der Anne-Frank-Schule, so der Student der Holzwirtschaft. Die Schule sucht ebenfalls ein Außengelände für pädagogische Projekte, möglichst mit einem Resthof (wir berichteten).

Jetzt laden die Bewohner zunächst zu einem Tag der offenen Tür ein. Das Sommerfest am Sonnabend, 11. Juli, geht um 15 Uhr los. „Zirkusvorführungen, einen Brau-Workshop und Jonglage“, verspricht Hannes Neuhaus. Für Speisen und Getränke werde gesorgt. Alle interessierten Bürger seien dazu herzlich eingeladen.

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