Bad Oldesloe : Bauwagen als Keimzelle für Quartiers-Sanierung

Der Bauwagen hat geöffnet: (v. li.) Dominic Demme, Anika Schütt, Wulf Dau-Schmidt und Rainer Steffens warten am Lindenkamp auf die ersten Ratsuchenden.
Der Bauwagen hat geöffnet: (v. li.) Dominic Demme, Anika Schütt, Wulf Dau-Schmidt und Rainer Steffens warten am Lindenkamp auf die ersten Ratsuchenden.

Eine rollende Bleibe als Beratungsstützpunk ist am Lindenkamp eröffnet worden. Zusätzlich ist ein Sommerprogramm mit Zirkuszelt geplant.

Andreas Olbertz. von
27. Mai 2015, 12:30 Uhr

Das Hauptquartier steht schon mal – ein Bauwagen auf der Grünfläche beim Spielplatz am Lindenkamp wird zukünftig Anlaufstelle von Ratsuchenden in Sachen energetischer Quartierssanierung und Ausgangspunkt von Veranstaltungen sein. Jeweils dienstags von 15 bis 18 Uhr wird er von Mitarbeitern des Projektteams geöffnet. Eventuell wird der Quartiersbeirat dort tagen , aber auch andere Nutzer aus dem Stadtteil können ihn für Angebote nutzen.

Der Bauwagen ist eine Leihgabe aus Elmshorn, wo er vor 14 Jahre gute Dienste bei der Umgestaltung des damaligen Problemstadtteils Hainholz leistete. „Das Quartier ist inzwischen voll saniert“, schwärmt Wulf Dau-Schmidt, Moderator im Projektteam. Nun ist die Vogel-Baum-Siedlung kein Problemstadtteil, aber doch in die Jahre gekommen. Dau-Schmidt: „Ein Teil der Häuser ist schon 50 Jahre alt, und man muss überlegen, wie sie auch die nächsten 50 Jahre noch überleben.“ Da kann es um Fragen der energetischen Sanierung gehen, aber ebenso um Barrierefreiheit oder darum, Opas Haus für die Enkel attraktiv zu machen. „Es muss nicht immer nur um Dämmung gehen, es kann auch mal gemeinsame Energieversorgung mit Nahwärme sein“, schlägt Dau-Schmidt vor.

Am Anfang der Quartierssanierung stehen so genannte „vorbereitende Untersuchungen“. „Wir wollen das nicht im stillen Kämmerlein erstellen, sondern die dabei haben, die hier wohnen oder die hier Eigentum haben“, erklärt der Moderator: „Sonst denken wir uns womöglich etwas aus, was kein Gegenüber hat. Eigentlich geht es um energetische Sanierung, aber dabei kann natürlich herauskommen, dass der Schuh auch an anderen Stellen drückt.“

Zwei Quartiersspaziergänge werden dazu in der kommenden Woche den Auftakt machen. Am Montag, 1. Juni, beginnt um 17 Uhr vom Bauwagen aus eine Tour durch die Baumsiedlung, eine zweite durch die Vogelsiedlung. Die Teilnehmer werden mit Klemmbrettern und Stiften ausgestattet. Sie sollen dem Projektteam Fragen zum Quartier beantworten, aber auch selber Fragen oder Themen aufwerfen. Bei einem Abschlussgespräch im Gemeindesaal der Freikirche am Moordamm soll dann alles zusammengeführt werden und in den Prozess einfließen. Die Marschrichtung ist klar, so Moderator Dau-Schmidt: „Wenn die Bürger wollen, dass wir etwas mitnehmen, dann brauchen wir ihre Gedanken.“

Zu den vorbereitenden Untersuchungen gehören auch Verbrauchsberechnungen für einzelne Häuser im Quartier. Die Planer gehen davon aus, dass zehn beispielhafte Immobilien unterschiedlicher Größe und Alters ausreichen werden, um für alle Gebäudetypen der rund 1100 Wohneinheiten in dem Areal gewappnet zu sein. Freiwillige, die mit dem Gedanken spielen, eventuell an ihrer Immobilie etwas zu verändern, können so eine maßgeschneiderte Kosten-Nutzen-Rechnung bekommen. Sie müssten sich nur schnell beim Klimamanager der Stadt, Dominic Demme, (E-Mail: dominic.demme@badoldesloe.de) bewerben.

Rund um den Bauwagen ist noch mehr geplant. Ende Juli, während der ersten Ferienwoche, könnte auf dem angrenzenden Spielplatz für eine Sommeraktion ein Zirkuszelt errichtet werden. Vormittags könnte es von den Kindergärten im Quartier bespielt, abends für Veranstaltungen genutzt werden und zum Abschluss den Mittelpunkt eines Stadtteilfests bilden. Wulf Dau-Schmidt: „Das müssen wir aber noch finanzieren, was nicht so einfach ist.“ Er denkt an ein Engagement der Wohnungsbaugesellschaften. Bundesweit sei es ein Trend, dass sich Wohnungs-Genossenschaften aber auch Haus- und Grundeigentümervereine, verstärkt in solche Quartiersprozesse einbringen und sie mitgestalten.

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