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Wohnen mit Geschichte : Baugebiet am Schloss mit bewegter Vergangenheit

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erstellt am 04.Mai.2013 | 08:56 Uhr

Heiligenstedten | "Der Ausspruch ’My home is my castle’ hat auf Schloss Heiligenstedten gleich doppelte Bedeutung: Einerseits ist Ihr neues Zuhause in einem Einzelhaus, einem Doppelhaus oder in einer Eigentumswohnung vertrauter Zufluchtsort. Zusätzlich erleben Sie täglich die besondere Ausstrahlung geschichtsträchtigen Grund und Bodens. Stilvolle Fassaden, viel Grün und Wasser sind die Visitenkarten des Schlossparks." Dieser kurze Auszug aus dem Exposé von 1993 lässt erahnen, welch exklusiver Wohnpark am Schloss Heiligenstedten geplant war: Mehrfamilienhäuser, wahlweise mit Backsteinfassade oder weiß verputzt und ringförmig um den zentralen Entwässerungsteich angelegt, darum herum Doppelhäuser im Friesenstil und weiß verputzte Einfamilienhäuser in vier verschiedenen Ausführungen, alles optisch passend zum benachbarten Heiligenstedtener Schloss am Stördeich. Gekrönt werden sollte die Vision von einer "Bel Etage", einem Einkaufszentrum im gehobenen Stil, das den Anwohnern alle Annehmlichkeiten bieten sollte.

Was sich Investor Manfred Milz und seine Baufirma "Bauregie GmbH" in den schönsten Farben ausgemalt hatten, sollte nicht von langer Dauer sein: Am Langen Peter in Itzehoe wurde die Kaserne aufgelöst, Bauland in bevorzugter Lage wurde ausgeschrieben, der Wegzug vieler Soldaten beeinflusste die Einwohnerentwicklung zudem negativ. Bereits fünf Jahre, nachdem das Schloss Heiligenstedten in Stand gesetzt, die Orangerie wieder bewirtschaftet, die angrenzende Reitanlage eröffnet und die ersten Bauplätze auf dem zugehörigen Baugebiet bebaut waren, musste Milz Insolvenz anmelden. Wo er eigentlich Hochzeiten feiern, hochpreisige Pferde bis zur Olympiareife trainieren und exklusive Eigenheime vermarkten wollte, hinterließ Milz ein leerstehendes Schloss nebst Reithalle mit etwa 50 Pferdeboxen und ein nicht einmal annähernd fertiggestelltes Neubaugebiet am Fuße des Schlossgrabens und der Stör. Sechs Mehrfamilienhäuser inmitten des 45 000 Quadratmeter großen Baugebiets waren fertig gestellt, ebenso wenige Doppelhäuser an der Südseite. Die Zuwegung war abenteuerlich - von Luxus und Wohlfühlcharakter keine Spur, insbesondere im Außenbereich nicht. 20 Jahre sind bereits vergangen, seit der Bauplan beschlossen und die ersten Grundstücke auf dem ehemaligen gemeindeeigenen Weideland bebaut wurden. Nach der Milz’schen Pleite 1998 traten zwei neue Erschließungsträger auf den Plan, die jedoch ebenfalls scheiterten. Erst nachdem die Sparkasse Westholstein die Grundstücke ersteigert hatte und die Auflagen zugunsten individuellerer Gestaltungsmöglichkeiten gelockert wurden, kam Bewegung in die Sache.

Immer mehr Häuser wurden gerade in den letzten Jahren am Schlosspark in Heiligenstedten erbaut, knapp 40 Häuser zählt das Baugebiet heute. Sie alle liegen zwischen Geest und Marsch, am Ortsrand, unweit der Autobahn und trotzdem mitten im Grünen an der Stör.

Erschließungsträger ist inzwischen die Gemeinde, die im vergangenen Jahr den ersten Bauabschnitt fertig gestellt hat. Mittlerweile führt auch statt einer holprigen Teerstraße eine gepflasterte Straße vom Sanddeich zum Schloss. "Der zweite Erschließungsabschnitt wird noch im Mai beginnen", erklärt Peter Rakowski-Dammann, stellvertretender Bürgermeister. Insgesamt 600 000 Euro nimmt die Gemeinde dafür in die Hand, wovon nur ein Bruchteil durch die Erschließungsbeiträge der noch nicht verkauften Grundstücke gedeckt wird.

Dass sich die Fertigstellung der Straße positiv auf den Verkauf der Grundstücke auswirkt, weiß auch Hauke Heesch, Immobilienvermittler der Sparkasse Westholstein: "Bedingt durch die Fertigstellung der Straße im ersten Teilbereich und durch die Preissenkung hat die Nachfrage deutlich angezogen: Vier der verbleibenden 13 Grundstücke sind reserviert." Der Quadratmeter Bauland kostet ohne Tiefgründung rund 44 Euro . Nicht nur für die Grundstücke, auch für das Schloss wird nach wie vor ein neuer Hausherr gesucht, der das altehrwürdige Gemäuer vor dem weiteren Verfall bewahrt und es in neuem Glanz erstrahlen lässt. Infos zu Baugrundstücken: Hauke Heesch: Tel: 04821/6041600

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