Bad Oldesloe : „Bauen, bauen, bauen“

Strahlemänner und eine Frau: (v. v. li) Andreas Breitner, Henning Görtz, Thoms Schreitmüller und Rainhard Zug unterschreiben die Bündniserklärung. Die Mitglieder der Projektgruppe (h. v. li.) Frank Schmalowsky, Sabine Rautenberg, Heinrich Dierking und Wolfgang Gerstand haben das Bündnis initiiert.
Strahlemänner und eine Frau: (v. v. li) Andreas Breitner, Henning Görtz, Thoms Schreitmüller und Rainhard Zug unterschreiben die Bündniserklärung. Die Mitglieder der Projektgruppe (h. v. li.) Frank Schmalowsky, Sabine Rautenberg, Heinrich Dierking und Wolfgang Gerstand haben das Bündnis initiiert.

Festakt im Kreistagssaal – die Vereinbarung des Stormarner Bündnises für bezahlbares Wohnen wurde unterzeichnet.

Andreas Olbertz. von
24. April 2018, 06:00 Uhr

Der Bedarf ist gigantisch. In Stormarn werden jedes Jahr gut 1 000 neue Wohnungen benötigt – 15 000 bis 2030. „Das Stormarner Bündnis für bezahlbares Wohnen“ soll auf Dauer für Besserung sorgen. Der Vertrag zwischen 36 Kommunen, acht Wohnungsunternehmen, Verbänden und Kreisverwaltung wurde gestern im Kreistagssitzungssaal unterschrieben. „Das ist ein besonderer Termin mit hoher Bedeutung für den Kreis“, sagte Landrat Henning Görtz in seiner Ansprache. „Wohnen wird immer teurer. Das ist der Nachteil unserer Standortqualität“, so Görtz. Geplant ist, dass die Wohnungsunternehmen des neuen Bündnisses jedes Jahr bestimmt 500 Wohnungen schaffen. Das wäre eine jährliche Investitionssumme von 80 Millionen Euro, machte der Landrat deutlich. Mit dem Bündnis werde eine klare Haltung zum Ausdruck gebracht, es werde der Politik der Rücken gestärkt, aber die Entscheidungshoheit nicht beschnitten. Zudem könne zukünftig schneller und zielgerichteter entscheiden werden – all das seien Vorteile des Projekts, das das Ergebnis mehrjähriger Beratungen einer fraktionsübergreifenden Projektgruppe sei. Die anfängliche Idee, ein kreiseigenes Wohnungsunternehmen zu gründen, sei im Zuge der Debatten verworfen worden.

Ex-Innenminister Andreas Breitner, Direktor des Verbands norddeutscher Wohnungsunternehmen, stellte heraus: „Ordnungsrechtliche Daumenschrauben führen zu keiner neuen Wohnung.“ Das richtige Wohnungsangebot an der richtigen Stelle – „davon sind wir teilweise noch weit entfernt“, bedauerte Breitner. Wenn es nach ihm ginge, soll es nicht nur bei bedrucktem Papier bleiben. „Wir sind bereit zu bauen“, sagte Andreas Breitner.

Standpunkt

Papiertiger

Wer bislang noch nicht begriffen hat, wie wichtig Wohnungsbau in der Region ist, dem ist vermutlich auch mit dem neuen Stormarner Bündnis nicht zu helfen. Aber schön, dass wir noch mal darüber gesprochen haben, dass es jetzt auch schriftlich fixiert und mit diversen Unterschriften versehen ist. Ob das Bündnis ein Erfolg wird,  lässt sich ausschließlich an tatsächlich geschaffenen Wohnungen messen.  Und an den Voraussetzungen dafür ändert das Bündnis wenig bis gar nichts. Daher ist die Gefahr groß, dass es zum Papiertiger wird.

  Andreas Olbertz

Glindes Bürgermeister Rainhard Zug, als Sprecher der Städte, schilderte plastisch die Probleme: „Flächen sind kaum verfügbar, die Politik ist nur schwer zu überzeugen und die Nachbarschaft hat auch immer Bedenken.“ In Glinde habe es vier Jahre gedauert, um Flächen für ein Wohnungsprojekt verfügbar zu machen. Zug: „Das ist eine ganz harte Nummer.“ Das Stormarner Bündnis für bezahlbares Wohnen sei deshalb der richtige Weg für die Menschen im Kreis.

„Bezahlbarer Wohnraum ist auch ein Thema für Normalverdiener geworden“, warnte Thomas Schreitmüller, Verwaltungs-Chef in Barsbüttel und Sprecher der Gemeinden: „Wir müssen zusehen, dass wir junge Leute, die vielleicht noch nicht so viel verdienen, hier halten.“ Er spielte auf Feuerwehrleute oder Erzieherinnen an. Größere Städte hätten ohnehin keine Probleme, Interessenten für ihre Flächen zu finden. Für kleinere Orte könnte das Bündnis eine Chance sein.

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