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Stormarner Tageblatt

16. Dezember 2017 | 14:01 Uhr

Juwel in Jersbek : Barockpark: Treten Sie ein!

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Willkommen in einem Refugium: dem wunderschön gelegenen Jersbeker Barockgarten. Wandeln Sie auf den Spuren der Vergangenheit, auf Wegen, die Geschichte schrieben.

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erstellt am 25.Aug.2015 | 18:00 Uhr

Die Schönheit der Natur verbindet sich im Jersbeker Barockpark mit einer eindrucksvollen Geschichte. Es ist ein seltenes und inzwischen liebevoll hergerichtetes Denkmal vom einstigen Luxus der Adelskultur in Schleswig-Holstein. Hinweistafeln vermitteln heute einen Überblick über die verschiedenen Teile des Parks, der einst noble Besucher aus dem ganzen Land anzog. In einer guten Stunde Fußweg kann das geschichtsträchtige Denkmal besichtigt werden.

Der Jersbeker Gutsherr Benedict (Bendix) von Ahlefeldt begann im Jahr 1726 mit der Anlage des Parks. Er hatte die einzige Tochter seines Vorgängers Jasper von Bockwold (Buchwald) geheiratet und kam so in den Besitz großer Ländereien. So standen ihm auch genügend Leibeigene zur Verfügung, um seine barocken Pläne zu verwirklichen. Von 1726 bis 1740 entstand diese Anlage nach dem französischen Vorbild von Schloss Versailles.

In seinen Grundstrukturen ist sie bis heute noch erhalten. Ausgangspunkt der Gartengestaltung war das damalige prunkvolle Gartenhaus, in dem der bekennende Freimaurer Benedict von Ahlefeldt viele musikalische und theatralische Inszenierungen aufführen ließ, nachdem die Hamburger Oper 1738 geschlossen wurde, in welcher er mäzenatischer Direktor war. Das Gebäude wurde jedoch im 19. Jahrhundert abgerissen. Heute erinnert daran wieder der Grundriss aus Granitplatten. Von der ehemaligen Orangerie direkt daneben ist allerdings nichts mehr erhalten. Von dort aus führte eine fast 800 Meter lange vierreihige Lindenallee in den Wald. Am Ende dieser Allee wurde ein altes Bassin wiederhergestellt und mit einem Obelisken gekrönt.

Der Barock-Park muss ein prachtvoller Anblick gewesen sein. Feine Damen in teuren Roben und ebenso prätentiöse hohe Herren mit Perücke promenierten vor fast 300 Jahren in den aufwändigen Kostümen durch einen üppig gestalteten Park. Blumenbeete, vergoldete Statuen, versteckte Lauben, Springbrunnen und Skulpturen säumten ihren Weg. In diesem Jahrhundert wurde das Areal zu einem pflegeleichteren Landschaftsgarten im englischen Stil verwandelt. Die meisten damals gepflanzten Solitärbäume machen bis heute den Reiz aus. Doch auch nach Benedict von Ahlefeldt wurde das Gelände nicht aufgegeben.

Paschen (Paul) von Cossel war neben seinem Vorbesitzer sicher der interessanteste Gutsherr. Der Konferenzrat war ebenfalls Freimaurer. Der Jurist und Anhänger der Aufklärung wurde 90 Jahre alt. Im Jahr 1805 hat auch er neben seiner früher verstorbenen Frau ein Grab im angrenzenden Hochwald gefunden. Die Anlage zählt zu den heutigen Sehenswürdigkeiten des Parks.

Eine geheimnisvolle Inschrift ziert die Votivtafel dort: „Dem Unbekannten-Bekanntesten, Unsichtbaren-Sichtbarsten, dem Worte ewige Anbetung.“ Auch die Sonne, eine Mondsichel sowie die Buchstaben „A“ und „Z“ sind darauf zu erkennen.

Der streitbare Jurist, dem zeitweise auch das Gut Hoisbüttel gehörte, führte in seinem Leben so einige Rechtsfehden. Nicht zuletzt, weil er 20 Jahre vor der Aufhebung der Leibeigenschaft in Schleswig-Holstein Jersbeker Bauern die Frondienste für das Gut erließ. Er wandelte die Höfe in Erbpachtstellen um, verbesserte das Schulwesen und rief Armenstiftungen ins Leben. Gleichwohl sprach er sich gegen die Aufhebung der Leibeigenschaft in Schleswig-Holstein aus. Heute ist das benachbarte Herrenhaus, welches man vom Park aus sehen kann, für Besucher tabu. Hier wohnt der heutige Besitzer Julius von Bethmann-Hollweg, ein Nachfahre des ehemaligen Reichskanzlers. Seit 1840 ist das Gut im Besitz der Familie. Seit 1986 steht der Park unter Denkmalschutz.

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