Travekids auf Flusssafari : Barnitzer vollendet Herzensprojekt seiner verstorbenen Frau

Projektleiter Udo Reichle-Röber mit dem Naturschutzpreis und Maskottchen „Travi“ vor einer Stieleiche, die er in Gedenken an seine Frau Sabine Reichle in seinem Garten pflanzte.

Projektleiter Udo Reichle-Röber mit dem Naturschutzpreis und Maskottchen „Travi“ vor einer Stieleiche, die er in Gedenken an seine Frau Sabine Reichle in seinem Garten pflanzte.

Das Filmprojekt „Die Trave-Kids auf Flusssafari“ ist fertiggestellt und kann im Internet kostenfrei angesehen werden.

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25. Januar 2021, 20:05 Uhr

Barnitz | Vor fast genau einem Jahr verstarb die langjährige Vorsitzende des Nabu Reinfeld/Nordstormarn Sabine Reichle. Wochen vor ihrem ersten Todestag hat ihr Mann, Udo Reichle-Röber, nun ihr Herzens-Naturprojekt fertiggestellt. Tagelang ordnete und schnitt er Filmsequenzen, bis der Film „Die Trave-Kids auf Flusssafari“ endlich vollendet war. Lang war der Weg bis dahin, denn bereits 2013 liefen die ersten Vorbereitungen für das Mammutprojekt, 2014 ging es mit den Dreharbeiten los.

 Erster Drehtag für das Trave-Filmprojekt an einem heißen Sommertag im Jahre 2014.
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 Erster Drehtag für das Trave-Filmprojekt an einem heißen Sommertag im Jahre 2014.

 

Deutscher Naturschutzpreis für Team der Trave-Kids

Das Team der Trave-Kids ging hervor aus einer Reihe von Kurzfilmprojekten. „So entstand gemeinsam mit dem Nabu Reinfeld die Idee, einen Film über den Lebensraum Trave zu drehen“, erinnert sich Reichle-Röber. Kurzerhand bewarb sich das Team für den Deutschen Naturschutzpreis, der in dem Jahr unter dem passenden Thema „Lebensraum Wasser“ stand, und gewann. So konnte das Filmprojekt realisiert werden.

Mit einer Flaschenpost mit geheimnisvollem Inhalt startet der Film „Die Trave-Kids auf Flusssafari“.
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Mit einer Flaschenpost mit geheimnisvollem Inhalt startet der Film „Die Trave-Kids auf Flusssafari“.

 

Flaschenpost leitet abenteuerliche Reise ein

Der Film beginnt mit einer Flaschenpost, die von den sechs Kids (plus Hund in Anlehnung an die „5 Freunde“ von Enid Blyton) in ihrem Heimatfluss gefunden wird und deren Inhalt sie auf eine abenteuerliche Reise schickt. Unterstützt werden sie dabei von „Opa Dröhnbüdel“ und „Nabine“ (Sabine Reichle) sowie dem Historiker „Time-Traveller“.  Die Trave-Kids verschlägt es bei den Dreharbeiten zu markanten Punkten entlang der 124 km langen Trave von der Quelle bis zur Mündung.

Die Trave-Kids erleben spannende Abenteuer auf ihrem Heimatfluss und erkunden dessen Lebensraum.
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Die Trave-Kids erleben spannende Abenteuer auf ihrem Heimatfluss und erkunden dessen Lebensraum.

 

Sie besuchen das Reinfelder Klärwerk, um festzustellen, dass das Wasser dort sauberer als das der Trave wieder herauskommt. „Wir haben dort die wohl weltweit einzigen Unterwasseraufnahmen in einem Klärwerk gemacht“, meint Reichle-Röber mit einem Augenzwinkern. Die Kids zelten am Flussufer, lernen seltene Muscheln und „ekelige Algen“ kennen, begegnen Wissenschaftlern wie einem Limnologen (Wissenschaftler für Binnengewässer), die ihnen das Leben an und in der Trave erklären, sind bei einer Baumfäll-Aktion dabei und stellen fest, dass statt Pappeln dort beheimatete Bäume neu gepflanzt werden.

Fliegen, tauchen, schnorcheln

Mit einem Ultraleichtflugzeug überqueren sie den Fluss, machen Aufnahmen mit Drohnen oder tauchen und schnorcheln in der Trave. „Was für ein Vergnügen war das!“, erinnert sich der Projektleiter, der gemeinsam mit seiner verstorbenen Frau an einem Strang zog. Sie kümmerte sich um das Thema Lebensraum Trave, er um die technischen und künstlerischen Details bei den umfangreichen Filmaufnahmen.

Wintertag bei den Dreharbeiten: Die Kids haben die Quelle des Flusses in Gießelrade bei Ahrensbök erreicht.
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Wintertag bei den Dreharbeiten: Die Kids haben die Quelle des Flusses in Gießelrade bei Ahrensbök erreicht.

 

Die Gruppe begibt sich anlässlich des Hanse-Tages in Lübeck auch in Kostümen auf eine Zeitreise bis ins Mittelalter, besucht den Hafen, fährt mit der Priwall-Fähre und filmt mit einer eigens installierten Wildkamera die Ausbaggerungsarbeiten am Trave-Altarm im Kneeden. Diese Sequenzen fasste Reichle-Röber später in einem Zeitraffer gekonnt zusammen. Fazit der umfangreichen Einblicke in das Ökosystem Trave: Der Fluss ist heute viel sauberer als noch in den 1970er Jahren: „Da bekam man beim Schwimmen schlimme Pickel.“ Auch ein Verdienst von Nabu-Frontfrau Sabine Reichle und ihrem Team.

1 Terabyte Rohmaterial

Das Preisgeld ermöglichte dem Team Filmaufnahmen mit professioneller Ausrüstung. „Eine Minute Film braucht eine Stunde Dreharbeiten und teilweise einen Arbeitsag zum Filmmaterial schneiden“, sagt der Projektleiter. 1 Terabyte Rohmaterial stand ihm zur Verfügung, das er zu einem zweieinhalbstündigen Film – eingeteilt in mehrere zehn- bis 20-minütige Episoden – zusammenfasste. Acht bis zwölf Clips für eine Szene waren keine Seltenheit. Daher gestaltete sich die Bearbeitung für eine Person als äußerst langwierig.

Spaß und Engagement: Die Trave-Kids Tin, Josephine, Julia, Hannah und Sophie bei den Dreharbeiten.
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Spaß und Engagement: Die Trave-Kids Tin, Josephine, Julia, Hannah und Sophie bei den Dreharbeiten.

 

Aber Reichle-Röber wollte das Herzensprojekt seiner Frau unbedingt fertigstellen. Die Filmmusik lieferten zwei Dozenten der Lübecker Musikhochschule. „Der Nabu und die Trave-Kids haben mit diversen Kooperationspartnern so gut zusammengearbeitet, dass diese teilweise als Nebendarsteller Einzug in unseren Film hielten“, so der Klein Barnitzer, der sich seit vielen Jahren ehrenamtlich für Projekte dieser Art wie zum Beispiel das Therapietheater einsetzt.

Alle Episoden ab 3. Februar im Netz

Ab Mittwoch, 3. Februar, werden alle Episoden des Films „Die Trave-Kids auf Flusssafari“ online und kostenfrei auf der Seite travekids.de im Netz stehen – für alle Interessierten und in Gedenken an das Lebenswerk der verstorbenen Nabu-Vorsitzenden. Corona-bedingt könne es leider keine Feier geben, bedauert Reichle-Röber. Die werde aber nachgeholt. Doch alle Mitwirkenden erhalten von ihm persönlich eine Flaschenpost mit allen Filmaufnahmen auf einem USB-Stick.

Sabine Reichle im Februar 2018 vor dem Trave-Altarm am Kneeden. Auch dieses Projekt wurde vom Nabu unterstützt.
fsh

Sabine Reichle im Februar 2018 vor dem Trave-Altarm am Kneeden. Auch dieses Projekt wurde vom Nabu unterstützt.

Weiterlesen: Ausgezeichnetes Projekt

Weiterlesen: Dreharbeiten der „Trave-Kids“

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