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Fünf Jahre nach der guten Tat: : Bargteheider kann Blutkrebs-Patient retten

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Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Fünf Jahre nach der Typisierung spendet Daniel Sgryska Stammzellen für einen Leukämie-Kranken und gibt ihm Hoffnung auf Leben.

Als sich Daniel Sgryska am Kopernikus Gymnasium Bargteheide (KGB) vor fünf Jahren als möglicher Lebensretter bei der Stefan-Morsch-Stiftung registrieren ließ, war es eine Entscheidung aus dem Bauch heraus. Aus der spontanen Aktion wurde vor einigen Monaten Ernst: Ein Leukämie-Patient ist auf die Hilfe des 23-Jährigen angewiesen. Die letzte Möglichkeit für den Patienten, vom Blutkrebs geheilt zu werden, ist die Transplantation von fremden Blutstammzellen. Zufällig hat Daniel die gleichen genetischen Gewebemerkmale, wie der Patient.

Die Stefan-Morsch-Stiftung, die älteste Stammzellspenderdatei Deutschlands, leistet seit fast 30 Jahren Hilfe für Leukämie- und Tumorkranke. Hauptziel der Stiftung ist es, Menschen zu werben, sich als Stammzellspender zu registrieren. Beinahe täglich sind Teams der Stiftung in ganz Deutschland unterwegs, um Menschen als Stammzellspender zu gewinnen. 2010 war ein solches Team am KGB in Bargteheide – wir berichteten. Damals haben sich 316 Menschen als potenzielle Lebensretter registrieren lassen. Daniel Sgryska war einer von ihnen.

Um Stammzellen transplantieren zu können, müssen die Gewebemerkmale von Spender und Patient übereinstimmen. So sind in den Knochenmark- und Stammzellspenderdateien wie der Stefan-Morsch-Stiftung zwar weltweit über 20 Millionen Menschen registriert – trotzdem ist es immer noch ein Glücksfall, wenn sich für einen Patienten ein passender Spender findet.

Daniel Sgryska ist so ein Glücksfall. Mittlerweile studiert er Englisch und Geschichte auf Lehramt an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz. Er steht kurz vor der Bachelor-Arbeit. Nebenbei gibt er Nachhilfe in Englisch, spielt Gitarre und treibt Sport, hauptsächlich Fußball und Basketball.

Er war gerade an der Uni und stand vor dem Kopierer, als sein Handy klingelte. Eine Mitarbeiterin der Stiftung erklärte ihm, dass er als Spender für einen Patienten in Frage käme und fragte, ob er zur Spende bereit wäre. „Ich war im ersten Moment ziemlich überrascht. Ich hatte die Typisierung vergessen, war nervös, aber ich wollte etwas Gutes tun“, erklärt er. Seine Familie bewundert sein Engagement. Auch seine Freunde unterstützen ihn: „Einige haben angeboten, mich zur Entnahme zu begleiten oder mir einen MP3-Player auszuleihen, dass ich während der Spende beschäftigt bin“, erzählt er lächelnd.

Bevor Daniel Stammzellen spenden darf, wird er umfassend aufgeklärt und gründlich untersucht. Diese Voruntersuchungen dienen dazu herauszufinden, ob er wirklich der optimale Spender ist. Gleichzeitig soll ausgeschlossen werden, dass der Spender ein gesundheitliches Risiko eingeht.

Jegliche Kosten für die Untersuchungen, die Versicherung sowie An- und Abreise zum Entnahmeort werden übernommen. Der 23-Jährige ist begeistert: „Alle waren sehr freundlich und haben sich gut um mich gekümmert und immer wieder nachgefragt, wie es mir geht und ob ich noch Fragen habe. Ich hatte das Gefühl, dass es hier auch um mich geht und nicht nur um meine Stammzellen.“

Dann beginnt die entscheidende Phase vor der Transplantation. Die Stammzellen befinden sich im Knochenmark. Um sie zu übertragen, gibt es zwei Möglichkeiten: Die Entnahme peripherer Blutstammzellen aus dem Blut – ähnlich wie bei einer Plasmaspende oder Dialyse. Dazu wird dem Spender einige Tage lang ein körpereigener Botenstoff verabreicht, der die Stammzellen aus dem Knochenmark ins Blut übergehen lässt. In einer Entnahmestation werden dann die Stammzellen aus dem Blut herausgefiltert bzw. zentrifugiert. Apherese heißt dieses Verfahren, das heute am häufigsten angewandt wird.

Bei der klassischen Methode – der Knochenmarkspende – entnehmen Mediziner Knochenmark aus dem Beckenknochen des Spenders – niemals aus dem Rückenmark. Dieser Eingriff dauert ca. eine Stunde. Weder Spender noch Patient erfahren zu diesem Zeitpunkt, wer der andere ist. Daniel und sein Empfänger bleiben bis zum Ablauf von zwei Jahren anonym. Erst danach besteht die Möglichkeit, je nach Gesetzeslage des Landes, in dem der Patient lebt, dass Spender und Patient einander kennenlernen können.

Aber bis dahin ist es noch ein langer Weg. Parallel zur Vorbereitung des Studenten wird in der Transplantationsklinik der Patient vorbereitet. Das bedeutet: Sein Immunsystem wird stark unterdrückt oder sogar ausgelöscht – durch Bestrahlung oder/und Chemotherapie. Wenn er sich jetzt mit einem Virus infiziert oder es mit der Stammzellspende nicht klappt, ist sein Leben massiv gefährdet. Vorstandsvorsitzender Emil Morsch: „Eine Transplantation ist immer eine letzte Chance. Diese Chance hat er nur durch Daniel Sgryska.“ Der Student hat per Apherse gespendet: „Es war problemlos und alles lief nach Plan. Es ist nicht viel, was man leisten muss, um zu helfen. Ich würde es jedem empfehlen. Ich hoffe, dass es klappt!“



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erstellt am 07.Feb.2015 | 06:00 Uhr

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