Debatte in Bad Oldesloe : „Ball liegt jetzt beim VfL“

Bei Freizeitkickern extrem beliebt: Der neue Kunstrasenplatz auf dem Exer. Seit der Ausschusssitzung ist der Andrang noch größer.
Bei Freizeitkickern extrem beliebt: Der neue Kunstrasenplatz auf dem Exer. Seit der Ausschusssitzung ist der Andrang noch größer.

Der Streit Streit um die Nutzung des Exer-Kunstrasens eskaliert. Bürgerworthalter Rainer Fehrmann ist über den Tonfall verärgert.

Andreas Olbertz. von
10. März 2014, 06:00 Uhr

Da war für Oldesloes Bürgerworthalter Rainer Fehrmann das Maß des Erträglichen eindeutig überschritten: Inkompetenz, Respektlosigkeit, Stadt ist der größte Witz, danke für nichts ihr Amateure ...

Am Wochenende ist eine Flut von Beschimpfungen über Oldesloes Kommunalpolitiker hereingebrochen – ein regelrechter Shitstorm. Und das alles wegen eines Fußballplatzes. Wie bereits berichtet hatten die Mitglieder des Sozialausschusses über alle Fraktionsgrenzen hinweg einmütig bestätigt, dass der Kunstrasen auf dem Exer öffentlich nutzbar sein soll und es keinerlei Vorrechte für irgendeinen Verein gebe. Das sorgte für Unmut in der Kicker-Szene.

„Die Ausschussmitglieder, die da namentlich genannt wurden, hatten ein schlechtes Wochenende. Dass teilweise sogar VfL-Amtsträger die Oldesloer Stadtverordneten in so unqualifizierter Weise attackieren, ist nicht hinnehmbar“, kritisiert der Bürgerworthalter. Die Forderung nach Nutzungsrechten sei zwar nachvollziehbar, Kritik an Kommunalpolitikern selbstverständlich erlaubt – „auch wenn sie nur auf Halbwissen beruht“ – aber das, was derzeit passiere, ginge zu weit. In der Sache hat Rainer Fehrmann nichts mit dem Sozialausschuss zu tun, als Bürgerworthalter hält er in diesem Fall allerdings seine schützende Hand über die Kollegen und geht in die Offensive.

Die Vereinsführung des VfL habe nach „mehr oder weniger harschen Wortbeiträgen“ in der Bürgerfragestunde die Chance nicht genutzt, ihr Anliegen unter dem Tagesordnungspunkt „Mitteilungen und Anfragen“ zu erläutern. Nur da hätten die Politiker antworten dürfen. So hatte es Vorsitzende Annelie Strehl (FBO) auch in der Sitzung erläutert. Den Politikern sei schlicht nicht bekannt gewesen, dass angeblich weder der Platz am Masurenweg noch das Travestadion nicht bespielt werden dürften. „Das ist der Knackpunkt“, so Fehrmann: „Wenn das Wissen da gewesen wäre, hätte jemand einen Dringlichkeitsantrag stellen können.“

Alternativ hätte der Bürgermeister in dieser Situation eine befristete ad-hoc-Ausnahme erlassen können, die dann nachträglich vom Ausschuss abgesegnet worden wäre. Fehrmann ist sich sicher, dass da niemand nein gesagt hätte. Aber ein entsprechender Antrag liege nicht vor. Fehrmann: „Das alles hat der VfL nicht gemacht und stattdessen über Gott, die Welt und das Travebad gelästert. Damit blieb es bei der Rechtslage: Der Exer ist ein Platz für alle.“

Der Bürgerworthalter geht davon aus, dass das Thema „Benutzung des Exers“ im April auf der Tagesordnung des Sozialausschusses stehen wird. Rainer Fehrmann sagt: „Das bietet dem VfL Anlass, mal Einsicht zu zeigen und andere Signale zu senden.“ Für ihn ist klar: „Hinter all dem steht, dass der Verein den Platz gerne eingezäunt gehabt hätte. Das ist er aber nicht. Jetzt will der Verein keine Verantwortung übernehmen. Der Ball liegt jetzt beim VfL, der ist gefordert, mit kreativen Ideen zu kommen.“

Auf dem Kunstrasen spielen: VfL in Not

Der VfL Oldesloe hat vergangenen Freitag alle auf dem Exer angesetzten Punktspiele abgesagt und die entsprechende Platzmeldung zurückgezogen. Der Verein fühlt sich für die Misere nicht verantwortlich, weil er sich auf die mündliche Zusage des Bürgermeisters verlassen habe.

Wie Jörg Lembke, Vorsitzender des Kreisfußballverbands erläuterte, müsse ein Verein bei der Nennung von Plätzen keinen Beweis erbringen, dass er tatsächlich über das Nutzungsrecht verfügt. „Der Exer war bei uns seit Jahrzehnten als Ausweichplatz gemeldet“, erklärt er. Der Verein sei verpflichtet, den Platz „von Einflüssen Dritter frei zu halten“ – ansonsten werde der Schiri das Spiel nicht anpfeifen und gegen ihn werten. Das Risiko kann der VfL nicht eingehen. Lembke ist sich sicher: „Wenn der Spielbetrieb nicht durchführbar ist, werden Mannschaften abgemeldet werden müssen.“ Der VfL Oldesloe sei jetzt in der Pflicht, schnell eine Vertragssituation herzustellen. Lembke: „Die waren wohl etwas blauäugig und haben fälschlicherweise darauf vertraut, dass die alten Verhältnisse wiederhergestellt werden.“

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