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Stormarner Tageblatt

18. Dezember 2017 | 07:01 Uhr

BAföG für begabten Flüchtling

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Verein „Bunte Vielfalt“ überbrückt Gesetzeslücke, und KGB-Schüler unterstützen einen Afghanen bei seinem Studium

Es ist ein bisher wohl einmaliges Beispiel, das Schule machen sollte: In Bargteheide werden begabte Flüchtlinge jetzt bei einem Studium unterstützt. Damit wird eine Gesetzeslücke überbrückt, denn noch nicht anerkannte Asylbewerber haben bisher keinen Anspruch auf BAföG-Leistungen nach dem Ausbildungsförderungsgesetz. Über den gemeinnützigen Verein „Bunte Vielfalt“ wird jetzt als Erster Shirshah Harris unterstützt, der an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) studiert.

Möglich machen das die Schüler des Kopernikus Gymnasiums. Bei einem Sponsorenlauf kamen im vergangenen Jahr 4072 Euro zusammen, die jetzt für diesen Zweck verwendet werden. Der Afghane kam Mitte 2015 nach Bargteheide, sein Verfahren ist aber noch nicht abgeschlossen. Und durch diesen Status gilt er als noch nicht anerkannter „Altfall“ als Asylbewerber und hat nach dem Sozialgesetzbuch keinen Anspruch auf BAföG-Leistungen.

Zwar hat sich die Bearbeitungsdauer der Anträge beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge inzwischen deutlich verringert. „Es gibt aber noch eine große Zahl von Altfällen, die unter diese Lücke fallen“, sagt Bundestagsabgeordneter Franz Thönnes. Ihn hatte die „Bunte Vielfalt“ um Hilfe gebeten. Thönnes will sich in Berlin dafür einsetzen, dass diese Lücke geschlossen wird.

„Eine Berufsausbildung wäre für Shirshah möglich, ein Studium aber noch nicht“, bedauert Koordinatorin Gabriele Abel. Statt jahrelangem Leerlauf sollten Flüchtlinge aber so schnell wie möglich eine Beschäftigung aufnehmen. Geholfen hat Werner Mitsch von der Stiftung für Bargteheide. „Wir haben uns an ihn als Verwaltungsfachmann gewandt“, sagt Margit Hegenbarth. So erhielt Harris eine Bedürftigkeitsbescheinigung von der Stadt. Mit seinem Stipendium kann er Fahrkarte, Studiengebühren, Lehrmittel und Lehrbücher finanzieren. Das Geld muss er später zurückzahlen.

„Wir nennen es Bargteheider BAföG“, sagt Andreas Samtleben vom Verein. Er appelliert an Bargteheider Firmen, solche Studenten während der Semesterferien einzustellen. Auch weitere Spenden sind willkommen, dafür gibt es eine Steuerbescheinigung fürs Finanzamt. „Was gibt es Besseres, als in Bildung zu investieren“, sagt Gabriele Abel. Es gebe schon weitere begabte Schüler mit guten Deutschkenntnissen, die Anwärter für ein späteres Studium seien.

Harris arbeitet für ein geringes Entgelt als Dolmetscher für Stadt und Amt. Er spricht inzwischen sieben Sprachen, neben Deutsch und Englisch auch Hindi, Urdu Paschtu, Persisch und Farsi. Die Deutsch- und Englischkurse hat er aus eigenen Mitteln finanziert. An der HAW studiert er Information Engineering auf Englisch.

Seine Familie mit sieben Geschwistern lebt weiter in Kabul. Harris hat dort vier Jahre lang Business Administration studiert. „Ich musste dort weg, weil es für mich zu gefährlich wurde“, sagt er. Er habe dort Angst um sein Leben gehabt. Informationstechnik war immer sein Berufsziel, sein Hobby ist Programmieren. Mit einer Informatikerin aus dem Iran zusammen hat er auch die Website der „Bunten Vielfalt“ aufgebaut.



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