"Badomat" hat schon wieder Pläne

Ausverkaufte Vorstellung: Der Verein 'Bad Oldesloe macht Theater'  hat mit der Revue 'Marke Bölck' viel Freude bereitet. Leider machte das Wetter einen Strich durch die Rechnung. Etwa 300 Karten wurden während der Festspiele nicht verkauft.  Foto: Olbertz
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Ausverkaufte Vorstellung: Der Verein "Bad Oldesloe macht Theater" hat mit der Revue "Marke Bölck" viel Freude bereitet. Leider machte das Wetter einen Strich durch die Rechnung. Etwa 300 Karten wurden während der Festspiele nicht verkauft. Foto: Olbertz

Der Verein "Bad Oldesloe macht Theater" hat Kassensturz gemacht / 300 Plätze blieben leer, weil das Wetter nicht mitspielte

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30. Juli 2011, 08:32 Uhr

Bad Oldesloe | Es war unbestritten das Theaterprojekt des Jahres. Der Verein "Bad Oldesloe macht Theater" (kurz: Badomat) hat mit der Revue "Marke Bölck" Begeisterungsstürme ausgelöst. Aber leider auch ein Loch in die Vereinskasse gerissen.

"Das Wetter hätte besser sein können", befindet Frerk Jacobs, im Vorstand für die Finanzen zuständig. Doch von Vereinssprecherin Petra-Maria Schark kommt Widerspruch: "Im Nachhinein müssen wir sagen, dass es noch schlimmer hätte sein können." Wie auch immer man es dreht und wendet - Fakt ist: Etwa 300 Karten wurden nicht verkauft, wegen des unbeständigen bis ganz schlechten Wetter.

"Die Welt hat sich für Theatermacher verändert", bedauert Petra-Maria Schark. Die Salzgraf-Inszenierung sei seinerzeit noch komplett im Vorverkauf ausverkauft gewesen. Diese Zeiten sind wohl vorbei. Bei der "Witwe von der Hunde" deutete es sich schon an, bei "Marke Bölck" wurde es zur Gewissheit: Nur noch 60 Prozent der Karten gehen im Vorverkauf weg, der Rest wird an der Abendkasse gekauft - wenn das Wetter entsprechend ist. "Die Oldesloer sind mehr und mehr so, dass sie erst schauen, wie das Wetter wird", hat Anja Radtke-Schulz festgestellt. Wenn die Wetterlage nicht stimmt, vielleicht noch etwas Attraktives im Fernsehen läuft, dann ziehen die Theatermacher den Kürzeren.

Und deshalb denkt das Badomat-Team über Veränderungen nach. Eventuell könnte Sonntagabend-Vorstellung entfallen. Grund: "Da läuft Tatort", so Petra Maria Schark. Stattdessen könnte zusätzlich am Donnerstag gespielt werden. Am Konzept, im Freien zu spielen, will der Verein aber auf keinen Fall rütteln. "Wir wollen der Oldesloer Bühne doch keine Konkurrenz machen", betont Schark. Anja Radtke-Schulz ergänzt: "Open-Air-Theater hat auch was bei Regen."

300 Karten weniger verkauft als geplant - in der Summe ist das eine komplette Vorstellung. Bei den Einnahmen fehlen dem Verein deshalb gut 3500 Euro. Die Ausfallbürgschaft der Stadt dafür in Anspruch zu nehmen, kommt für die Theaterleute aber nicht in Frage. "Das geht über unser Eigenkapital. Dann müssen wir eben wieder ein paar historische Stadtführungen machen, um die Anschubfinanzierung für das nächste Projekt zu haben", erläutert Petra Maria Schark.

Für die Inszenierung hat der Verein 40 000 Euro umgesetzt. "Finanzminister" Frerk Jacobs: "In einigen Punkten sind wir sogar unter den Ansätzen geblieben." Technik, Tribüne, Honorar für den Regisseur - das sind die großen Posten im Haushalt. Frerk Jacobs ist überzeugt, dass daran auch nicht gespart werden kann: "Wenn die Technik ausfällt, ist alles für die Hose." Die Tribüne hat der Verein zum Preis von vor drei Jahren bekommen. Das ist nicht selbstverständlich, für die kommenden Jahre gehen die Schauspieler deshalb von Kostensteigerungen aus. Gleichzeitig befürchten sie aber, dass bei den Eintrittspreisen das Maximum dessen erreicht ist, was Oldesloer für Oldesloer zu zahlen bereit sind - eine Anhebung hätte geringere Resonanz zur Folge und würde sich unterm Strich negativ in der Kasse bemerkbar machen. Immerhin 4000 Euro hat Badomat von Sponsoren aufgetrieben. Badomat befürchtet, dass eine Finanzierung ohne städtische Zuschüsse nicht mehr machbar sein könnte.

Ansonsten blicken die Theatermacher auf eine erfolgreiche Spielzeit zurück. "Es war genial", sagt Harry Mähl. Ursprünglich war der Innenhof der Kreisverwaltung als Spielort auserkoren worden. Im Nachhinein sind die Badomat-Mitglieder froh, dass daraus nichts wurde.

"Der Kulturhof war eindeutig die bessere Location - klein, gemütlich und stimmig. Obendrein hatte er für uns erhebliche finanzielle Vorteile, weil wir keinen Sicherheitsdienst brauchten." Harry Mähl: "Und wir mussten nicht abbauen." Ein ausdrückliches Lob richten die Theatermacher an die Stadt. "Alle Dienststellen haben uns nach Kräften unterstützt", hebt Jacobs hervor.

Einziges Manko aller Aufführungen: Geigerin Kristine Kieb war kurz vor der Premiere schwer erkrankt, sie durfte nicht auftreten. Als einziges Ensemblemitglied konnte sie zwischen ihren Krankenhausaufenthalten wenigstens eine Aufführung sehen - vermutlich ein schwacher Trost.

Und wie geht es weiter? Ideen gibt es in der Theatertruppe bereits. "Wir müssen eine Geschichte finden, die spannend ist und mit Oldesloe zu tun hat", erläutert Petra Maria Schark. Im Raum stehen Überlegungen zu Heinrich dem Löwen, der die Salzanlagen verschütten ließ. "Ich könnte mir auch John Menno spannend vorstellen", orakelt Harry Mähl. Als sicher gilt, dass es nach den turbulenten Bölckschen 20er Jahren einen "Zeitensprung" geben wird.

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