Junge Kolumbianer zu Gast : „Bad Oldesloe ist sehr schön!“

18 Schüler aus der kolumbianischen Stadt Cali wohnen zurzeit in der Oldesloer Jugendherberge, um Deutsch zu lernen.
18 Schüler aus der kolumbianischen Stadt Cali wohnen zurzeit in der Oldesloer Jugendherberge, um Deutsch zu lernen.

Deutsch lernen, Karl-May-Spiele und Elbphilharmonie: Kolumbianische Schüler zu Besuch in der Kreisstadt.

shz.de von
11. Juli 2018, 06:00 Uhr

Hurra, endlich Sommerferien und sechs Wochen lang nicht lernen müssen. Was alle Kinder hierzulande freut, gilt nicht für die sechs Mädchen und zwölf Jungen, die zurzeit in der Oldesloer Jugendherberge Quartier bezogen haben – sie sind hier, um intensiv Deutsch zu lernen. Während die meisten Oldesloer Schüler mit ihren Eltern jetzt in den Urlaub fahren, pauken die jungen Schüler aus Kolumbien jeden Vormittag vier Stunden lang deutsche Vokabeln. Mehr als 9000 Kilometer flogen die Kinder Anfang der vergangenen Woche aus ihrer Heimatstadt Cali, der drittgrößten Stadt Kolumbiens, um in Bad Oldesloe ihre Ferien zu verbringen. Allerdings gibt es für die Zehn- bis Zwölfjährigen nicht nur Unterricht, sondern auch ein abwechslungsreiches Freizeit- und Besichtigungsprogramm. Organisiert wird das vierwöchige Sommercamp vom Verein Aubiko (Hamburg), der bundesweit für Austausch, Bildung und Kommunikation agiert.

In Bad Oldesloe sind nun bereits zum dritten Mal junge Kolumbianer zu Gast, denn die Kreisstadt bietet viele Vorteile für einen gelungenen Aufenthalt: Die Nähe zu Hamburg, eine tolle Jugendherberge mit angrenzendem Sportplatz und Minigolfplatz und eine schöne Innenstadt, in der die Jungen und Mädchen gefahrlos auch mal alleine unterwegs sein können.

Deutschlehrerin Rocio Lozano begleitet ihre Schützlinge aus Cali und Barranquilla und muss in vielen Fällen noch Dolmetscherin spielen. Außerdem unterstützt Sportlehrer Diego Galeano die Gruppe, die auch sportlich sehr ambitioniert ist und abends auf dem Kunstrasenplatz am Exer Fußball spielt.

Isabella Friedrich vom Verein Aubico ist für die Freizeitgestaltung zuständig und hat sich da einiges einfallen lassen. Bisher standen schon ein Waldspaziergang, ein Besuch der Karl-May-Spiele und Städtetouren nach Bremen und Lüneburg auf dem Programm. Zudem besuchten die Kinder die Hamburger Innenstadt und das Miniaturwunderland und machten eine Rallye durch die Hafencity, die nachhaltigen Eindruck hinterlassen hat. Hamburg ist inzwischen die erklärte Lieblingsstadt von Andrés. „Hamburg ist wunderbar, hier möchte ich später leben“, sagt der Elfjährige, der die Hansestadt schön ruhig findet. Kein Wunder, denn in seiner Heimatstadt Cali leben mehr als zweieinhalb Millionen Einwohner und die Kolumbianer seien in der Regel sehr laut und lustig, wie die Kinder betonen. Aber auch die Deutschen kommen gut weg. Deutschlehrerin Gosia Derecka fordert ihre Schützlinge auf, an die Tafel im kleinen Schulungsraum ein paar Eigenschaften zu schreiben, die sie für typisch deutsch halten. „Sehr freundlich und süß“ schreibt Antonia (12) und denkt dabei vielleicht auch ein bisschen an die Sechstklässler der Ida-Ehre-Schule, die sie in der vergangenen Woche einen Vormittag lang besuchten. Die Zeit reichte immerhin aus, um neue Freundschaften zu schließen. Intelligent, perfektionistisch, streng und groß sind weitere Attribute, die den Deutschen zugeschrieben werden.

Eine ganz neue Erfahrung ist für alle Kinder das Bahnfahren, denn in Kolumbien gibt es nur Güterzüge. Bevor die jungen Kolumbianer in der letzten Juliwoche die deutsche Hauptstadt unsicher machen und viele Highlights in Berlin besichtigen werden, haben sie sich aber wohl an das U-Bahnfahren gewöhnt. Und auch die „Currywurst“, das neue Lieblingsessen von Jorge, wird es dort in vielen Variationen geben.

Bei der Frage, wer denn später noch einmal nach Deutschland kommen wolle, gehen fast alle Arme in die Höhe. Die Idee hinter dem Sommercamp sei auch, dass die Kinder später als Zehntklässler für einen Schüleraustausch wieder kämen oder gar Lust auf ein Studium in Deutschland hätten. „Wenn die Kinder zurück gehen in ihre Heimat, berichten sie über das, was sie gesehen und erlebt haben, vor allem aber auch über ,ihr sehr schönes’ Bad Oldesloe“, sagt Bert Krause vom Verein Aubiko.







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