zur Navigation springen

Sexueller Missbrauch : Bad Oldesloe: Das eigene Kind unsittlich berührt

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

29-Jähriger soll im Vollrausch seine fünfjährige Tochter sexuell missbraucht haben. Er kann sich nichts mehr erinnern. Neun Monate Haft auf Bewährung.

Paul N. (Name geändert) müsste wissen, dass er Alkohol nicht verträgt. Er hat deshalb seinen Führerschein verloren und war mehrfach mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Jetzt musste sich der 29-jährige Oldesloer vor dem Schöffengericht in Ahrensburg verantworten. Er soll sich seiner fünfjährigen Tochter sexuell unsittlich genähert haben – im Suff.

Tränenreich erscheint der Informatikkaufmann vor Gericht. „Ich erinnere mich nicht und kann es mir nicht vorstellen“, sagt er mit zuckenden Mundwinkeln, „aber wenn meine Tochter es so sagt, dann wird es auch so gewesen sein.“ Vermutlich geschah es am 8. Juni 2012. Damals war seine Frau zum Einhüten mit ihrem jüngeren Sohn im Haus ihrer Eltern. Paul brachte seine Tochter zu Bett, sie wollte im Ehebett schlafen. „Gegen 1 Uhr habe ich noch eine Zigarette auf dem Balkon geraucht und mich dann schlafen gelegt“, sagt er aus. Auf dem Balkon habe es ihn wie ein Hammerschlag getroffen, an das Geschehen danach könne er sich nicht erinnern.

„Beim Frühstück hat sie mir erzählt, der Papa habe ihre Momi geleckt“, sagt seine Ex-Frau unter Tränen aus. Mit Momi meinte die Tochter ihre Scheide, wie sie auch bei der Polizei aussagte. Damit war die ohnehin schon kriselnde Beziehung des Paars am Ende.

Viel Zeit verbrachte das Gericht mit der Ermittlung der Alkoholdosis. Eine 0,7-Liter-Flasche Wodka habe er fast leer getrunken, so Paul N.. 3,2 Promille errechnete der Gutachter. „Ich kenne ihn unter Alkoholeinfluss, dann ist er nicht mehr derselbe“, sagte seine Ex-Partnerin aus. Einer Freundin von ihr habe er im Rausch eine Flasche auf dem Kopf zerschlagen.

Die Staatsanwältin sprach von einem erheblichen Eingriff in das Leben des Kindes, das „danach wieder angefangen hat, sich einzunässen“ und und forderte ein Jahr Haft auf Bewährung. Vergeblich plädierte die Verteidigerin auf Schuldunfähigkeit im Vollrausch. „Die Anklage basiert nur auf den Aussagen einer Fünfjährigen“, sagte sie.

„Es gibt keinen Zweifel an der Aussage des Kindes, die gut nachvollziehbar und im Plauderton erfolgte“, so der Vorsitzende Richter Ulf Thiele. Durch seine Erfahrungen mit Alkohol hätte der Angeklagte gewarnt sein müssen, der nüchtern durchaus ein liebevoller Vater sei. Der Eingriff in die Intimsphäre der Tochter sei schwerwiegend, die Traumatisierung könne aber auch durch die Trennung der Eltern herrühren.

Für den sexuellen Missbrauch eines schutzbefohlenen Kindes verhängte das Gericht schließlich neun Monate Haft, die für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt werden. Außerdem bleibt die Führerscheinsperre bestehen. Und Paul N. muss seine bereits begonnene Psychotherapie bis auf Weiteres fortsetzen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen