Genehmigungspflicht : Bad Oldesloe: ADFC muss Radtouren einstellen

Tourenleiter und Liegerad-Fahrer Peter Sommer vom ADFC ist über das drohende Aus für die Feierabendtouren verärgert.
Tourenleiter und Liegerad-Fahrer Peter Sommer vom ADFC ist über das drohende Aus für die Feierabendtouren verärgert.

Die beliebten Feierabendtouren des Fahrradclubs stehen wegen des Verwaltungshickhacks um mögliche Genehmigungspflicht demnächst vor dem Aus. Eine praktikable Lösung muss her.

Avatar_shz von
23. Juli 2014, 18:30 Uhr

Bad Oldesloe | Sie sind beliebt, sie sind gut, und sie haben eine treue Fangemeinde – doch bald wird es die wöchentlichen Feierabendtouren des ADFC wohl nicht mehr geben. Es geht um Genehmigungspflicht, Gesetzesauslegung, Versicherungsschutz und natürlich Geld. Mit drastischen Folgen für die lokalen ADFC Gruppierungen. „Der Landesvorsitzende hat uns empfohlen, keine Touren mehr anzubieten“, berichtet Peter Sommer, langjähriger ADFC-Tourenleiter in Bad Oldesloe.

Der engagierte Radfahrer ist über die aktuelle Entwicklung mehr als entsetzt. „Ich habe fünf Jahre gebraucht, um einen zweiten Tourenleiter zu finden. Jetzt haben wir hier drei. Die Touren sind etabliert. Wenn wir die jetzt einstellen, laufen die Leute weg und kommen nicht wieder. Das tut weh.“

Heute Abend um 18 Uhr wäre es eigentlich wieder so weit. „Nordpol“ heißt das wie immer nicht ganz ernst gemeinte Motto. Unter dem Banner des ADFC wird diese Tour allerdings nicht stattfinden. „Ich werde trotzdem da sein und offiziell absagen“, kündigt Sommer an: „Dann werde ich mein ADFC-Leibchen ausziehen und bekanntgeben, dass ich die Tour jetzt ganz privat fahre. Wenn sich jemand ranhängt, kann ich das ja nicht verbieten.“

Auf Dauer, das ist ihm klar, kann das aber keine Lösung sein. Das Problem ist die Straßenverkehrsordnung beziehungsweise deren Auslegung. Dort heißt es, dass Radtouren genehmigungspflichtig sind, wenn es mehr als 100 Teilnehmern sind oder wenn mit erheblichen Verkehrsbeeinträchtigungen zu rechnen ist. Diese Vorschrift gilt für Landes- und Bundesstraßen. 100 Teilnehmer sind eine eindeutige Größe, aber ab wann sind Verkehrsbeeinträchtigungen „erheblich“? Darüber scheiden sich die Geister. Aktuell wird vom Kieler Verkehrsministerium offenbar die Ansicht vertreten, dass schon bei 20 Mitradlern eine Genehmigung fällig wird.

„Kleine Touren sind sicher nicht genehmigungspflicht“, ist hingegen Oldesloes Polizeichef Wolf-Rüdiger Traß überzeugt: „Wenn die Familie losradelt und noch ein paar Freunde oder Nachbarn mitkommen, sind schnell zehn bis zwölf Teilnehmer zusammen. Das kann nicht genehmigungspflichtig sein. Ab 100 Personen … dafür ist das Genehmigungsverfahren da.“ Sicher ist er aber auch nicht. Jürgen Zimmermann von der Verkehrsbehörde des Kreises bekommt ebenfalls Sorgenfalten auf der Stirn. „Das ist ein ganz blödes Thema“, gibt er unumwunden zu.

Beim Kreis galt bislang die Regelung: „Hast du unter 100 Teilnehmer, darfst du fahren. Sind es mehr, brauchst du eine Genehmigung.“ Doch so einfach und unbürokratisch werde es wegen der aktuellen Diskussion nicht mehr gehen. Zimmermann: „Das kocht jetzt ganz oben. Da ist das Land gefordert, eine eindeutige Regelung zu finden. Insellösungen kann es jetzt nicht mehr geben.“

Seit 2002 leitet Peter Sommer die Feierabendtouren – bislang immer ohne Genehmigung. „Ich habe es schlicht nicht gewusst“, erklärt er. Bietet er zukünftig ohne Genehmigung Touren an, könnte theoretisch ein Bußgeld fällig werden. Schlimmer aber wiegt, dass bei einem Unfall die Vereinshaftpflicht nicht zahlen würde. „Dann kann ich auch gleich Privatinsolvenz anmelden“, so Sommer. Seit zwölf Jahren bietet er die Ausfahrten an. Bislang gab es einen Unfall.

32 Touren hatte der Verein für dieses Saison geplant. Im Schnitt finden sich jeweils 25 Pedalisten vor dem Bahnhof ein, um gemeinsam die 25 bis 40 Kilometer zu radeln. Pro Jahr werden so gemeinsam 20 000 Kilometer zurückgelegt. Denkbar wäre, jedes Mal eine Genehmigung zu beantragen. Das ist allerdings mit erheblichen Gebühren verbunden und auch nur dann rechtssicher, wenn nicht von der beantragten Route abgewichen wird. Sommer: „Wir verändern die Strecke aber fast immer. Wenn die Truppe hart gearbeitet hat, wenn starker Gegenwind ist oder wenn es aus Eimern schüttet – dann kürzen wir auch schon mal ab.“ Bis es eine eindeutige Regelung gibt, muss der ADFC auf die Feierabendtouren verzichten.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen