zur Navigation springen

Mädchen im Mülleimer entdeckt : Babyleiche aus Sülfeld: Zeugin liefert neue Hinweise

vom
Aus der Onlineredaktion

Ein schwarzer Pullover könnte der Polizei entscheidende Hinweise liefern. Auch über den Fundort gibt es neue Erkenntnisse.

shz.de von
erstellt am 16.Okt.2015 | 18:42 Uhr

Sülfeld/Kiel | Die Aussagen einer Zeugin werfen ein neues Licht auf den Fund einer Babyleiche in Sülfeld im Kreis Segeberg. Die Frau meldete sich am Freitagvormittag bei der Polizei und erklärte: Sie habe eine Tüte, in der sich vermutlich der in Kleidung gewickelte, tote Säugling befand, in den Mülleimer an der Bushaltestelle geworfen.

Bauhof-Mitarbeiter hatten am 15. Oktober die Leiche des Neugeborenen bei der wöchentlichen Leerung der Mülleimer an der Bushaltestelle in Sülfeld an der Bundesstraße 432 entdeckt. Bislang ist noch unklar, ob das Baby noch lebte, als es an der Bushaltestelle abgelegt wurde. Die Leiche wird noch in der Rechtsmedizin Kiel untersucht. Klar ist mittlerweile, dass es sich um ein Mädchen handelt.

Die Zeugin gab an, am Dienstagmorgen etwa gegen 9.30 Uhr die Tüte rund 300 Meter von der B 432 entfernt am linken Fahrbahnrand der Straße gefunden zu haben. Die Tüte sei deutlich befüllt gewesen. Sie wollte lediglich vermuteten Müll entsorgen. Die Zeugin sei glaubwürdig und zudem zu alt, um selber noch ein Kind bekommen zu können, sagte der Polizeisprecher.

Die Polizei bittet die Bevölkerung um Hilfe:

  • Besondere Relevanz für die Ermittler hat ein dunkles Langarmshirt von H&M, das sich vermutlich in der Tüte befand. Es ist schwarz und trägt den Aufruck „PinBallPirates“. Wer eine Person kennt, die im Besitz eines solchen Kleidungsstückes war, soll sich telefonisch unter 0431/160 3333 melden.
  • Außerdem sucht die Polizei nach einer Frau, die bis Anfang dieser Woche schwanger war, mittlerweile ein Baby zur Welt gebracht hat, jetzt aber ohne Kind lebt.
  • Weiterhin sucht die Polizei Zeugen, die in der Zeit von Dienstag, 9.30 Uhr, am Fundort oder in der Sether Straße Beobachtungen gemacht haben, die von Bedeutung sein könnten.

Bei ihren Ermittlungen überprüft die Polizei nach Angaben des Sprechers auch Flüchtlingsunterkünfte in der Gegend. Es gebe aber bisher keine Anhaltspunkte, in diesem Umfeld das Geschehen aufklären zu können.

Die Leiche des Säuglings wurde zur Untersuchung in die Rechtsmedizin in Kiel gebracht.
Der Leichnam wird am Donnerstag zur Rechtsmedizin nach Kiel abtransportiert. Foto: Eckard Gehm

Nach sh:z-Informationen handelt es sich bei dem gefundenen Säugling um ein Mädchen, das eingewickelt unter Unrat lag. Der Säugling soll noch keine Verwesungsspuren zeigen. Birgit Heß, Sprecherin der Kieler Staatsanwaltschaft: „Wir führen Ermittlungen zur Herkunft des Säuglings und zur Todesursache. Eine Obduktion soll klären, ob das Baby bei der Geburt gelebt hat und wenn ja, wie es gestorben ist.“ Der tote Säugling wird unter anderem geröntgt, um mögliche Frakturen zu finden. Die Ergebnisse der Obduktion werden für den heutigen Freitag erwartet.

Es wäre nicht der erste Fall im Norden, in dem ein Säugling von seiner Mutter getötet wurde – aber noch nie ist ein Baby so öffentlich abgelegt worden. Das lässt auf eine Panikreaktion schließen. „Man mag sich gar nicht vorstellen, wie verzweifelt die Mutter des Kindes gewesen sein muss“, sagt der Bürgermeister. In trauriger Erinnerung ist der Fall einer Mutter (29) aus Husum, die fünf ihrer Kinder gleich nach der Geburt erstickt oder mit einer Schere erstochen hat. In Bad Schwartau (Kreis Ostholstein) tötete und versteckte eine Mutter (39) drei ihrer Babys.

Blaulichtmonitor

Was ist der Blaulichtmonitor?

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert