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Stormarner Tageblatt

12. Dezember 2017 | 09:42 Uhr

Todendorf : Baby-Fall macht fassungslos

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Ein Säugling erleidet einen Schädelbruch und muss eventuell mit Spätfolgen leben. Der Richter verhängt 90 Tagessätze zu je 30 Euro Geldstrafe gegen den Vater .

Fassungslos waren gestern fast alle Beteiligten im Prozess gegen einen 35-jährigen Koch aus Todendorf. Vor dem Amtsgericht Ahrensburg musste er sich wegen Misshandlung von Schutzbefohlenen verantworten. Es ging um seinen damals zehn Wochen alten Sohn, der vor zwei Jahren mit schwersten Verletzungen ins Krankenhaus eingeliefert wurde.

Schädelbruch wurde als aktuelle Verletzung diagnostiziert, die Ärzte stellten aber auch ältere Rippenbrüche und Spuren stumpfer Gewalt am Kindskörper fest. Hochgradiger Verdacht auf Kindesmisshandlung lautete das Fazit eines Gutachtens. Der Säugling wirke auch traumatisiert und ängstlich. Ob er bleibende psychische Folgen davongetragen hat, sei endgültig erst im Alter von acht bis zehn Jahren zu klären.

„Mein Mandant möchte nichts sagen“, erklärt sein Anwalt zu Beginn der Verhandlung. Angesichts der dünnen Beweislage regt der Richter eine Verständigung an und stellt ein Urteil von maximal 90 Tagessätzen in Aussicht. Vorausgesetzt, der Angeklagte gesteht. Nach kurzer Beratung mit seinem Anwalt kommt es auch dazu.

„Ich wollte meinen Sohn von der Couch in sein Bettchen tragen“, gibt der Angeklagte zu und weint. Dabei hätten ihn seine Kräfte verlassen und das Kind sei gefallen, erst gegen eine Tischplatte und dann auf den Laminatboden. Er habe den Kleinen dann aufgehoben, da sei das Kind noch wach gewesen und nicht bewusstlos. Später habe es geschlafen. Erst nach einer Dreiviertelstunde sei er mit ihm zur Kinderärztin gefahren, weil sich eine Beule am Kopf bildete. Die sorgte für sofortige Einweisung in ein Krankenhaus. Die Mutter informierte er erst am nächsten Tag. Er sei damals aus der Nachtschicht gekommen und sei alkohol- und tablettenabhängig gewesen. „So 15 Flaschen Bier und eine Flasche Whisky am Tag brauchte ich“, sagt er. Zudem 15 Tabletten Paracetamol. Seit dem Tag des Vorfalls sei er aber trocken. Zuvor habe es keine Misshandlungen gegeben.

„Beim Lesen der Akten habe ich gedacht, Hauptsache das Kind ist dort weg“, sagt selbst sein Anwalt. Das Jugendamt veranlasste damals umgehend die Aufnahme in eine Pflegefamilie. Dort habe sich das Kind gut entwickelt, so die Ärzte. Möglicherweise könnten Physiotherapie und Frühförderung die Folgen lindern. „Wir stoßen bei der Aufklärung an Grenzen“, sagt der Staatsanwalt. Beim nicht vorbestraften Angeklagten bestehe keine Wiederholungsgefahr. Fassungslos mache ihn, dass nach dem Vorfall erst einmal nichts passierte und die Mutter erst am Folgetag informiert wurde. „Über dem kleinen Wesen schwebt das Damoklesschwert der Spätfolgen.“

Auch der Pflichtverteidiger spricht von einem unverzeihlichen Fehler seines Mandanten. Für das Sorgerechtsgutachten habe der seine Alkoholabhängigkeit noch verschwiegen.

Der Richter verhängt schließlich die 90 Tagessätze zu je 30 Euro Geldstrafe. Außerdem muss der Angeklagte die Verfahrenskosten und die Auslagen der Nebenklage tragen. „Das Kind trägt eine schwere Hypothek für seine geistige Langzeitentwicklung“, sagt er. Vieles sei im Verfahren ungeklärt geblieben. „Wir haben nur Verdachtsmomente, was sonst noch geschah.“ Das könne aber bei der Strafzumessung keine Rolle spielen. Jedenfalls habe der Angeklagte erheblich pflichtwidrig gehandelt. Er sei wegen seines Alkoholkonsums zwar nur eingeschränkt, aber dennoch schuldfähig gewesen.

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