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Oldesloer Initiative : Ausbildung auf eigener Baustelle

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Erfolgversprechendes Konzept: Lehrlinge aus dem ganzen Land verpassen Stadtteiltreff „SchanZe“ in Bad Oldesloe einen neuen Anstrich. Obermeister Jochen Meier hat diese zusätzlichen Ausbildungseinheiten vor zehn Jahren mit ins Leben gerufen. Ausbildung kann nur auf der Baustelle stattfinden, lautet sein Credo.

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erstellt am 11.Dez.2013 | 12:30 Uhr

„Ich bin echt begeistert“, schwärmt Lena Petersen: „Kollegen im gleichen Alter, gute Stimmung, das hat man nicht so oft.“ Die Maler-Auszubildende aus Flensburg arbeitet auf einer Lehrlingsbaustelle in Bad Oldesloe. Zusammen mit einer Handvoll Kollegen aus allen drei Lehrjahren, verpasst sie dem Nachbarschaftstreff „SchanZe“ im wahrsten Sinne des Wortes einen neuen Anstrich.

Jochen Meier ist der kluge Kopf hinter dem Projekt. Schon vor zehn Jahren hat der Obermeister erkannt, dass sich in der Ausbildung etwas ändern muss. „Die Betreibe müssen mehr machen“, fordert der Malermeister: „Fachleute sind Mangelware und die Situation wird sich noch verschlechtern.“ Deshalb gründete er zusammen mit einem inzwischen verstorbenen Kollegen die „Arbeitsgemeinschaft ausgezeichnete Ausbildung“. Das Ziel ist ganz einfach formuliert: „Die jungen Leute müssen selbstständiges Arbeiten schon während der Lehrzeit lernen. Als Gesellen sind sie dafür zu teuer. Hier gibt es keinen Chef, der sagt, mach dies, mach jenes. Das organisieren die alles selber.“ Meier ist überzeugt; „Eine erfolgsversprechende Ausbildung kann nicht in der Schule, sondern nur auf der Baustelle stattfinden.“ So ganz nebenbei hat der Ausbildungsmeister einen weiteren positiven Nebeneffekt ausgemacht: „Wenn die hier fertig sind, sind die Lehrlinge so motiviert, so selbstbewusst ...“

680 Innungsbetriebe gibt es im Land. 40 davon sind Mitglied in der AG und lassen sich das 220 Euro jährlich kosten. Dafür werden Tagesseminare angeboten und vier bis fünf Lehrlingsbaustellen im Jahr finanziert. „Inzwischen werden wir auch von der Landesregierung gefördert“, freut sich Meister Meier, „weil die unser Projekt so superscharf finden.“

Mann oder Frau, erstes oder drittes Lehrjahr – auf der Lehrlingsbaustelle spielt das keine Rolle. „Nicht immer nur schleifen, spachteln, tapezieren – das ist schon was anderes hier“, zeigt sich Sebastian Eggert begeistert. „Die Arbeit macht Spaß und wir trainieren die Bereiche, in denen wir nicht so gut sind“, verrät der Oldesloer. Er hat sich einen Teil des Schanze-Logos ausgesucht, muss die stilisierten Hochhäuser von einer Postkarte auf die Wand bringen, die später mal eine Sitzecke werden soll. Seine Hand mit dem feinen Pinsel ist etwas zittrig angesichts der dünnen Linie. „Ich versuche mich daran, das auszumalen“, gesteht er.

Auch Lena Petersen ist mit Feuereifer dabei: „Ein Logo bringt man ja nicht jeden Tag an die Wand.“ Sie klebt mit Tesastreifen die Buchstaben ab, die nachher mit Farbe ausgemalt werden. „Die Auftraggeberin wollte das Logo haben – es sollte nicht stören, aber trotzdem gut zu sehen sein“, erläutert sie die Ausgangslage. In der Gruppe wurden dann verschiedene Entwürfe gezeichnet und zur Entscheidung vorgelegt.

Für Jochen Meier ist das Alltagsgeschäft. „Der Kunde hat doch in der Regel nur wenig Ahnung. Da müssen wir als Experten ihm aufzeigen, was möglich ist“, erklärt er. Kunde ist in diesem Fall Projektleiterin Maria Herrmann, die Experten sind die Azubis. Eine lang gezogene Wand an der Rückseite des ehemaligen Supermarkts haben sie mit Ornamenten optisch etwas verkleinert. Gleich neben dem Eingang wurde eine Magnettafel in die Wand eingelassen und mit einem kleinen Logo verziert. Und eben die Sitzecke mit dem großen Logo. Ganz zu schweigen von der Schaffung einer ordentlichen Basis: glatte weiße Wände.

Eine Woche lang sind die Azubis am Schanzenbarg beschäftigt. Geschlafen wird in der Jugendherberge, die Verpflegung kommt vom Jugendaufbauwerk, Maria Herrmann sorgt zwischendurch für Kuchen. „Das bringt echt Spaß hier“, sagt Carolin Henkel: „Gestern haben wir extra länger gearbeitet, damit wir es auch schaffen.“ Ihr Kollege Sebastian Eggert ergänzt im Brustton der Überzeugung: „Wir verlassen den Raum nicht, bis alles fertig ist.“

 

 

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