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Stormarner Tageblatt

22. August 2017 | 12:07 Uhr

Reinfeld : Aus Leergut und Beton wird Kunst

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Tausende Flaschen gesammelt und sortiert – die Reinfelder Künstlerin Megi Balzer baut sich daraus eine ungewöhnliche Terrasse.

„Mit Flaschen bin ich jetzt erst mal durch.“ Stolz steht die Megi Balzer im Garten vor ihrer neuen Terrasse. Die Reinfelder Künstlerin hat sie komplett aus Flaschen gebaut.

„Ich wollte schon immer was aus Flaschen machen“, erzählt sie. Besonders die schicken blauen vom örtlichen Griechen hatten es ihr angetan. „Die haben mich fasziniert“, schwärmt die Diplom Künstlerin. Langsam reifte in ihrem Kopf eine Idee, sie wurde konkreter und Megi Balzer fing an, Leergut zu sammeln. Zwei mal pro Woche klapperte sie Restaurants in der Region ab, um leere Flaschen einzusammeln. Anfangs waren die Gastronomen misstrauisch. „Die dachten, ich käme vom Finanzamt und wollte den Getränkeumsatz auf diese Weise kontrollieren.“ Derartige Bedenken konnte sie aber schnell zerstreuen, viele unterstützten die Künstlerin bei ihren Sammlungen. Schmunzelnd blickt sie auf jene Zeit zurück. „Ein Hotel in Boltenhagen hat die Flaschen akribisch sortiert. Die vom Rosenhof waren alle fein säuberlich in Seidenpapier gewickelt. Andere benutzten Noppenfolie oder steckten sie einfach in eine Tüte“, berichtet Megi Balzer: „Da erkennt man den Charakter.“ Whiskey-Falschen aus Hamburg, edle Weinflaschen aus Süddeutschland – es sprach sich herum, das Megi Balzer Flaschen sammelte. Ihre Garage ließ sie während dieser Zeit offen stehen, so konnten auch Freunde, Nachbarn oder einfach nur Bekannte ihr Leergut unkompliziert bei ihr entsorgen.

Dann die erste Ernüchterung. „Deutsches Benzin brennt nicht richtig“, musste die gebürtige Georgierin feststellen. Aus ihrer Heimat hatte sie einen Trick mitgebracht: Einen Faden in Benzin tauchen, um die Flasche wickeln und anzünden. Dann die Flasche in kaltes Wasser tauchen und schon springt sie mit einer sauberen Kante in zwei Teile. Ein glatter Fehlschlag, die Falschenböden wollten sich nicht lösen. Also konnte die Künstlerin sie auch nicht in den feuchten Zement drücken, um ihre Terrasse zu gestalten. Plan B musste her.

Megi Balzer entschied sich dazu, die Flaschen komplett kopfüber einzugraben. Aus Sorge, dass sie bei Frost platzen könnten, sollten sie aber vorher mit Sand gefüllt werden. 100 Flaschen würden pro Quadratmeter gebraucht, 18 Quadratmeter groß sollte die Terrasse werden … „Da musste meine Tochter mit ran und die Nachbarskinder haben auch geholfen“, sagt die Reinfelderin. Außerdem musste eine entsprechende Grube ausgehoben werden – deren Tiefe gab natürlich die längste Flasche vor.

Megi Balzer erzählt: „Ich hatte eine genaue Vorstellung, wie es werden soll.“ Kreise, geschwungene Linien, Ovale – dieses Bild zerlegte sie im Kopf in Streifen, die es nach und nach zu realisieren galt. Natürlich mussten auch die Flaschen entsprechend sortiert werden, damit die Arbeit flott von der Hand gehen konnte, denn der Zement trocknet schnell. „Ich war komplett in die Arbeit versunken. Das Restaurant, aus dem Flasche stammte, habe ich natürlich sofort erkannt. Aber aus welchem Anlass mag sie geöffnet worden sein? Warum war da noch ein Rest drin ?“, Megi Balzer kommt aus dem Erzählen gar nicht wieder raus: „Gedanklich bist du in anderen Ländern unterwegs.“ Hier die Parfümflasche eines Freundes. Dessen Frau mochte es nicht mehr riechen und hat die Flasche deshalb entsorgt. Dort eine seltene Ölflasche, ein Wein, ein Obstbrand … Megi Balzer: „Ich habe sie tausend Mal in der Hand gehabt, ich erkenne sie immer noch wieder.“

Auch wenn die Künstlerin sehr akribisch mit Wasserwaage gearbeitet hat, hundertprozentig eben ist so eine Terrasse aus Flaschenböden schon konstruktionsbedingt natürlich nicht. Das stört Megi Balzer überhaupt nicht, im Gegenteil: „In die Dellen kommen abends Teelichter rein, das sieht richtig toll aus.“

 

 

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23-2176993_Bad Oldesloe_Andreas_Olbertz_Redakteur.JPG von
erstellt am 22.Mai.2014 | 15:46 Uhr

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