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Stormarner Tageblatt

18. August 2017 | 13:11 Uhr

Neue Räume : Aus dem Keller ins Licht

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Die Reinfelder Tafel trägt dem ansteigenden Bedarf Rechnung und ist in größere, praktischere Räume umgezogen

„Ich bin zutiefst froh und dankbar, dass die Tafel endlich aus dem Keller ans Licht gekommen ist“, sagt Pastor Bernd Berger von der evangelischen Kirchengemeinde – Träger der Reinfelder Tafel – zur Eröffnung in neuen, doppelt so großen Räumlichkeiten.

Jahrzehntelang fristete die Tafel ein „Kellerdasein“: Zu enge Räume, wenig Staumöglichkeiten, eine steile Treppe, regelmäßig Menschenschlangen und Gedrängel im schmalen Flur. Das ist jetzt anders. Hell, weitläufig und freundlich, barrierefrei und praktisch präsentieren sich die neuen Räume in der Joachim-Mähl-Straße 1 im ehemaligen Fahrradgeschäft.

„Der Andrang hat im letzten Jahr durch die Flüchtlinge, aber auch durch andere Arme erheblich zugenommen“, so der Pastor. Der Umzug in ein neues adäquates Gebäude sei durch die große Unterstützung der Stadt Reinfeld, des Amtes Nordstormarn und der Kirchengemeinde Zarpen möglich geworden. „Die Räume eignen sich ideal und werden endlich dem stetig steigenden Bedarf gerecht“, freut sich auch Ehrenamtler Wolfgang Westphal, der mit einem Team aus über 60 Freiwilligen und weiteren Helfern fast Tag und Nacht geschuftet hat, damit alles schnell fertig wird.

Um allen gerecht zu werden, arbeitet das Team inzwischen in drei Schichten mit zwei Ausgaben am Vor- und Nachmittag nach einem ausgeklügelten Vergabesystem, damit jeder einmal in den Genuss des kompletten Tafelangebotes kommt – und das jeden Donnerstag. Zu all der Arbeit kamen in den letzten sechs Wochen noch der Umzug und die aufwändige Renovierung hinzu. Die Firmen Struck, Kärcher, Dunkelgut und Ledererstellten unentgeltlich ihr Know-How und ihre Arbeitskraft zur Verfügung.

„Wir hätten auch hier schlafen können“, meint Gisela Buse mit einem Augenzwinkern. Sie und Ehrenamtlerin Magda Schirrmann packen die noch fehlenden Lebensmittel in die Regale, sortieren die Tulpensträuße, die Firmen aus Reinfeld und Umgebung ihnen zur Eröffnung geschenkt haben. „Davon können sich am Ende die Bedürftigen ein paar mitnehmen“, sagt Buse – als kleine Aufmerksamkeit zur Neueröffnung. Schnell sortiert sie noch vier Kartons für ältere Menschen, die nicht mehr zu Fuß zur Tafel kommen können: „Denen liefern wir natürlich die Lebensmittel.“

Die ersten Flüchtlinge warten schon kurz vor 11 Uhr vor der Tür. Sie haben es eilig, denn sie müssen gleich zu ihren Deutschkursen nach Bad Oldesloe. „Eigentlich öffnet die Ausgabe erst um 11.30 Uhr, aber da machen wir natürlich eine Ausnahme“, sagt Westphal.

In den hinteren Räumen befinden sich Lager- und Kühlungsmöglichkeiten, Abstell- und Packräume. Kurz vor dem Ausgang kann man sich das eine oder andere übrig gebliebene Lebensmittel zusätzlich mitnehmen – hauptsächlich Brot, dass zur Zeit in rauen Mengen bei den Reinfelder Supermärkten übrig bleibt. „Wir sind immer auf Lebensmittelspenden angewiesen“, betont Westphal. Der Bedarf habe sich im letzten halben Jahr verdoppelt. Vor zwei Jahren seien es noch 35 Kunden pro Ausgabe gewesen, heute seien es mehr als 100. Und 200 Berechtigte sind registriert. „Aber hinten diesen stehen ganze Familien, so dass wir auf mindestens 400 Bedürftige kommen, 30 Prozent davon aus Nordstormarn“, erläutert er.

Der Anstieg liege natürlich an der Flüchtlingswelle, es gebe aber auch genug Reinfelder Bürger, die am Existenzminimum lebten. „Wir wollen bewusst keinen Aufnahmestopp verhängen wie andere Tafeln, denn wir möchten, dass alle Bedürftigen versorgt werden“, betont Vorsitzender Gerald Witzmann.

„Früher waren es vielleicht 20 Prozent Flüchtlinge, heute hält es sich ungefähr die Waage“, so Westphal. Er ist sich sicher: „In den alten Räumen im Keller der evangelischen Kindertagesstätte hätten wir das nicht mehr geschafft!“


>Zur Neueröffnung der Reinfelder Tafel laden die Ehrenamtlichen zu einer kleinen Feierstunde am Sonnabend, 20. Februar, um 14 Uhr in die Joachim-Mähl-Straße 1 ein.

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erstellt am 18.Feb.2016 | 15:39 Uhr

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