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Stormarner Tageblatt

21. August 2017 | 14:16 Uhr

Bargteheide : Aufstand der Anlieger

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Ein Investor plant am Voßkuhlenweg zwei gewaltige Gebäude. Dagegen machen Nachbarn mobil. „Wenn es sein muss, klagen wir“, ist zu hören.

Im Bargteheider Viertel am Voßkuhlenweg wächst der Unmut. Grund ist der Plan eines Investors, dort zwei massive Gebäude zu errichten. Bis zu 40 Wohnungen sollen hier auf etwa 4100 Quadratmeter Grundstücksfläche entstehen. Für die Nachbarn Harald Büttner und Ingo Suhn ist das ein Unding, denn die Ausnutzbarkeit des Grundstücks wurde im Planungsausschuss heraufgesetzt.

„Zwölf bis 13 Meter Firsthöhe im hinteren Teil sind damit zulässig“, sagt Büttner, „das wird ein schiffshohes Gebäude und kann nur 5,2 Meter von meiner Grundstücksgrenze entfernt gebaut werden.“ Und das in Richtung Süden, was für ihn erhebliche Verschattungen bedeuten wird. Statt bisher 30 könnte nach Änderung des Bebauungsplans jetzt 40 Prozent der Fläche bebaut werden. „Mit den Zufahrten und Stellplätzen werden insgesamt sogar über 70 Prozent der Fläche versiegelt“, so Büttner. Viele Vorgaben des Entwurfs seien im Konjunktiv formuliert, also nicht verbindlich. „Wir sind maßlos enttäuscht, dass der Investor völlig freie Hand erhält.“

Verdichtete Entwicklung im Innenstadtbereich wird das amtlich genannt. Die Änderung des B-Plans gilt nur für das Grundstück des Investors. Doch Suhn sieht auch die Gefahr einer späteren Ausdehnung dieser Verdichtung auf weitere Flächen am Voßkuhlenweg. „Der Planer bezeichnet das Viertel als von Altbauten mit Altersschäden geprägt, die viel Energie verbrauchen.“ Er hat dem gesamten Gebiet ein hohes Entwicklungspotenzial bescheinigt.

In Bargteheide bestehe ein erhöhter Bedarf an bezahlbaren Mietwohnungen, heißt es weiter. Sozialwohnungen sind allerdings nicht vorgesehen. Vermutlich deshalb gab es auch drei Gegenstimmen im Planungsausschuss. Im Protokoll der Sitzung vom 1. Oktober vergangenen Jahres wird auch der Name des Investors genannt.

Weder sei die Öffentlichkeit frühzeitig beteiligt worden noch habe es eine Umweltverträglichkeitsprüfung gegeben, kritisiert Büttner. Das sei bei Grundstücken unter 20  000 Quadratmeter auch nicht erforderlich, so Bauamtsleiter Jürgen Engfer. Es sei alles transparent und mit rechten Dingen zugegangen: „Die Sitzung war öffentlich und der Plan wurde bis zum Februar ausgelegt.“ Den Vorwurf eines Gefälligkeitsbeschlusses weist Engfer von sich. „Die Ausschüsse haben eine städtebauliche Notwendigkeit für Wohnungsbau gesehen.“ Die Verwaltung werde aber auch weiterhin Einwände zur Kenntnis nehmen. Änderungen seien noch durchaus möglich. Eine endgültige Abwägung und Entscheidung werde es voraussichtlich in der Sitzung des Planungsausschusses am 28. April geben. Dann entscheide die Stadtvertretung darüber.

In der Vorlage heißt es noch, eine Verschattung der Nachbargrundstücke sei zu vermeiden. Die Vorgabe von zwölf oder 13 Meter Firsthöhe könnte ein Staffelgeschoss in der dritten Etage ermöglichen. Eher zufällig sei er auf die amtliche Bekanntmachung des B-Plans gestoßen, so Suhn.

Die Anwohner haben eine rechtliche Prüfung beauftragt. Der Anwalt hält das Vorhaben für rechtswidrig. „Öffentliche Belange, die im Ausschuss thematisiert wurden, sind nicht im Entwurfstext berücksichtigt“, heißt es in der Stellungnahme von Anwalt Dr. Kaspar Möller. Es gebe einen Nutzungskonflikt zwischen Investor und den Anrainern, der auch im weiteren Verfahren nicht zu lösen sei. Die Nachbarn hätten eine deutliche Wertminderung ihrer Grundstücke zu erwarten.

Schließlich seien auch die Festsetzungen im Entwurf rechtlich nicht verbindlich. So könnte ein Erschließungsweg unmittelbar an der Grundstücksgrenze Büttners erfolgen und auch für die Baufenster bleibe dem Investor größtmöglicher Spielraum. Fazit des Rechtsanwalts: Der Entwurf werde in einem Normenkontrollverfahren keinen Bestand haben. „Wenn es sein muss, werden wir beim Verwaltungsgericht Schleswig dagegen klagen“, bekräftigt Suhn.




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