Rettungshunde : Aufgepasst! Und such’ uns den Vermissten!

Sie sind unverzichtbar und retten Leben, doch das will gelernt sein: Tanja Petrick trainiert ihre Deutsch-Kurzhaar-Hündin Pia für die Rettungshunde-Prüfung im Juni.
1 von 3
Sie sind unverzichtbar und retten Leben, doch das will gelernt sein: Tanja Petrick trainiert ihre Deutsch-Kurzhaar-Hündin Pia für die Rettungshunde-Prüfung im Juni.

Großübung für die vierbeinigen Helfer mit der sensiblen Nase. Sechs Retungshundestaffeln mit 70 Hundeführern und 45 Hunden haben im Wald bei Groß Schenkenberg den Ernstfall geprobt.

shz.de von
09. Mai 2015, 14:58 Uhr

Simone Becker von den Johannitern ist Rettungshundeführerin aus Leidenschaft. „Ich habe einfach das Helfersyndrom“, sagt sie mit einem Augenzwinkern. Bei Dauerregen nimmt sie an der großen Rettungsübung mit sechs Rettungsstaffeln und insgesamt 70 Hundeführern und 45 Hunden im Wald zwischen Groß Schenkenberg und Bliestorf teil. Ihre drei Jahre alte Hündin Chili befindet sich noch in der Ausbildung. „Das dauert bei ihr etwas länger, weil ich mit ihr mit einem Bringsel trainiere“, erklärt die erfahrene Hundeführerin.

Normalerweise werden die Hunde mit Futter oder Spielzeug konditioniert und bellen mehrmals laut, wenn sie das Opfer gefunden haben. Chili aber bringt ihrem Frauchen den am Geschirr befestigten, kleinen Beutel, wenn sie die vermisste Person aufgespürt hat. Chili ist ein „Labradudel“ – so nennt es Simone Becker – ein Labrador-Pudel-Mix.

Johanniter-Staffelführer René Lorenz besitzt gleich drei Hunde – einen davon jedoch nur als Maskottchen: den Jack-Russel-Mix Lulu. „Er ist zu klein für die Suche“, erklärt der Hundeführer, der seit dem Jahr 2000 aktiv dabei ist. Sein Slowakischer Vorsteherhund Emily und sein Dackel-Terrier-Mix Murphy trainieren heute gemeinsam mit den anderen Rettungshunden aus Stormarn und dem Herzogturm-Lauenburg. Maskottchen Lulu ist kleiner als das Mindestmaß von 35 Zentimetern Höhe, so dass sie in der Einsatzzentrale bleiben muss. Das Suchgebiet wurde in vier Bereiche aufgeteilt. Alle 70 Rettungshundeführer sind mit der Leitselle per Funk verbunden.

„Wir proben hier den Ernstfall“, erklärt Lorenz. Es sei das erste Mal, dass gleich sechs Staffeln – gemeinsam üben: die Staffeln der DLRG Stormarn, des ASB Bad Oldesloe, des DRK Schwarzenbek und Börnsen sowie der Johanniter Stormarn. Seit 2006 sind sie zu einem Verbund zusammengeschlossen, um effektiver und schneller arbeiten zu können. Denn immerhin rücken die Staffeln 50 bis 70 Mal im Jahr zu Einsätzen aus. „Meist sind es vermisste Personen aus Alten- und Pflegeheimen“, berichtet Lorenz.

In diesem Jahr rückten die Rettungshundeführer mit ihren ausgebildeten Vierbeinern schon 13 Mal aus. „Ist schon hart, um 4 Uhr nachts raus zu müssen“, meint er. Das letzte Mal sei ein Jugendlicher vermisst worden. Auf halbem Wege drehten die Retter jedoch wieder um. Die Person wwar wieder aufgetaucht. „Lieber so, als wenn etwas Schlimmes passiert“, meint Lorenz. Trotz des harten Trainings zwei Mal wöchentlich bekomme man viel zurück und habe ein großes Erfolgserlebnis, wenn die Hunde tatsächlich das Opfer aufspürten. Alle 18 Monate würden die Hunde geprüft, um ihr Können optimal überwachen zu können. Schließlich gehe es im Extremfall um Leben und Tod, da müsse das Gelernte perfekt sitzen. Zwei bis drei Jahre dauere die Ausbildung. Im Ernstfall rücken die Retter mit zehn bis 30 Hunden aus.

Im Wald von Groß Schenkenberg sind die Rettungshundeführer in alle Richtungen ausgeschwärmt. Die Hunde tragen ein kleines Glöckchen um den Hals. Immer wieder hört man das sogenannte „Verbellen“. Ein gutes Zeichen: Der Rettungshund hat das Opfer gefunden. Neben dem klassischen Hinhocken im Dickicht greifen die Hundeführer auch mal zu besonderen Trainingsmitteln für die Flächensuchhunde wie ein Rollstuhl, ein Wurfzelt, eine Gehhilfe oder Krücken.

In Reinfeld trainiert derweil eine weitere Staffel: die Mantrailer oder Personensuchhunde. Lorenz: „Hier nimmt der Hund vorher die Witterung des Menschen durch ein Kleidungsstück auf wie damals der Collie im Lassie-Film.“ Damit die Hunde optimal suchen können, brauchen sie nach maximal einer Dreiviertelstunde 30 Minuten Pause. Denn, so Lorenz, die Nasenarbeit sei extrem anstrengend. Nicht nur die Rettungshunde sind am Abend der Übung an ihre Grenzen gegangen, auch ihre Frauchen und Herrchen, die nach erfolgreicher Arbeit beim Grillen im Wald entspannen. Für die fleißigen Vierbeiner gibt es selbstverständlich ein großes Lob und ein Leckerli extra.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert