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Stormarner Tageblatt

29. Juni 2017 | 16:12 Uhr

Ahrensburg : Auf Tuchfühlung

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Altarvorhang kehrt nach monatelanger Restaurierung in die Schlosskirche zurück.

Ein etwa 300 Jahre altes Kunstwerk ist in die Ahrensburger Schlosskirche zurückgekehrt. „Die Altarvorhang stammt aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts“, sagt Textil-Restauratorin Ada Hinkel. Sie hat das gute Stück in den vergangenen Monaten wieder instandgesetzt. Am Pfingstsonntag kehrte es zurück und wurde als Behang um den Tisch vor den Altar der Kirche wieder angebracht. Der Tisch stammt vermutlich aus noch älterer Zeit und gehörte einst wohl zum Inventar der Schlossküche.

Drei Monate hatte sich die Restauratorin mit dem Gewebe aus rotem Seidensamt und den aufgesetzten Stickereien befasst. „Es ist eine hochwertige Arbeit“, urteilt sie über das Tuch. Das Wappen der Rantzaus ist mit Silbergarn darauf appliziert und ist womöglich noch älter. Das Adelsgeschlecht erhielt das heutige Ahrensburg und einige angrenzende Dörfer in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts vom dänischen König. Peter Rantzau ließ das Schloss erbauen, das eigentlich ein Herrenhaus ist.

Bald darauf stiftete er die Schlosskapelle und die benachbarten Gottesbuden, die im Jahr 1596 fertiggestellt wurden. „Die Kirche war ursprünglich nur ein großes Gebäude und besaß noch keinen Turm“, weiß Pastorin Ursula Sieg. Es sei der erste Kirchenbau nach der Reformation in Schleswig-Holstein gewesen und zunächst noch protestantisch-schmucklos ausgestattet.

Die Brüder Daniel und sein Nachfolger Peter Rantzau hatten in der Lutherstadt Wittenberge studiert und so den Geist der Reformation aufgesogen. Unter Detlev Rantzau wurde die Kirche 1716 in barocker Pracht ausgeschmückt. Aus dieser Epoche stammen der Altar und die Decke. Im Januar nahm Ada Hinkel das Tuch in ihre
Obhut. „Es war durch Insektenfraß beschädigt“, sagt sie. In einem ersten Schritt brachte sie es zum Landesmuseum Hannover, wo es in der Stickstoffkammer von den Parasiten befreit wurde. Danach restaurierte die gelernte Schneiderin den Stoff,



reinigte die Stickereien mit Äthanol und beseitigte die Wachsflecken. Den unteren Saum nähte sie um. Er lag zuvor auf dem Kirchenboden und war deshalb durch das häufige Betreten verschlissen. „Die Metallfäden lösten sich schon auf“, sagt Fachfrau Ada Hinkel.

Statt an den alten Haken hängt das Tuch jetzt auf einem Klettband, der alte Leinenstoff auf dem Altartisch wurde mit einem Gewebe aus Baumwolle und Leinen überspannt. Befestigt wurde es mit chirurgischen Rundnadeln. Für die nächsten Jahrzehnte ist der Behang jetzt gut gerüstet, Ada Hinkel hat ihre Arbeiten ausführlich dokumentiert. Restauriert wurde auch der ebenfalls rote Kanzelbehang.

Den Auftrag zur Restaurierung erteilte noch das Beauftragtengremium der Kirchengemeinde. Die Kosten von gut 20 000 Euro teilen sich Förderverein der Kirchengemeinde, die Landeskirche und die Denkmalpflege in Kiel.




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