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Stormarner Tageblatt

20. August 2017 | 23:52 Uhr

Bad Oldesloe : Auf in die Sommerfrische!

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Im Oldesloer Heimatmuseum bezieht noch bis zum 13. August eine Wanderausstellung Quartier. Sie wurde anlässlich des Kreismuseums auf die Reise geschickt.

„Sommerfrische“ – dieses etwas in die Jahre gekommene Wort weckt Erinnerungen an Urlaub am Meer oder an Wanderungen in den Bergen, als es noch keine Fernreisen in exotische Länder gab. Sommerfrische ist auch der Titel einer kleinen Ausstellung im Oldesloer Heimatmuseum, die gestern eröffnet wurde. Museumsleiterin Petra-Maria Schark hat eine alte hölzerne Transportkiste der Firma Bölck mit kleinen, besonderen Exponaten gefüllt, die sich mit dem Thema Sommerfrische in Bad Oldesloe befassen und Teil der historischen Wanderausstellung „Museum auf Reisen - Besondere Schätze aus Stormarns Museen“ sind.

Museumspädagogin Marianne Lentz zeigt das Leibchen einer Dienstmagd.
Museumspädagogin Marianne Lentz zeigt das Leibchen einer Dienstmagd.

Bad Oldesloe ist nach Reinbek, Bargteheide, Glinde und Ahrensburg die fünfte Station der besonderen Wanderausstellung, die von Museumspädagogin Marianne Lentz initiiert wurde. Die historische Ausstellung anlässlich des Kreisjubiläums besteht aus neun Koffern oder Kisten, die von den teilnehmenden Museen mit außergewöhnlichen Objekten und Exponaten, passend zu einem bestimmten Thema, gepackt wurden. Nach und nach gehen die Koffer noch bis Ende September auf Reisen durch insgesamt acht Museen im ganzen Kreis. Dabei erfahren die Besucher etwas über die historischen Besonderheiten von Stormarn.

Im Schloss Reinbek stand „Moderne Museumspädagogik“ auf dem Programm, im Bargteheider Heimatmuseum hieß das Motto „Vom Dorf zur Stadt“ und im Schloss Ahrensburg stand „Graf Ernst Schimmelmann: Wandel & Tradition zugleich“ im Mittelpunkt. Die jeweiligen Themen für die gefüllten Reisekoffer hat Marianne Lentz vorgegeben, und die Museumsmitarbeiter packten jeweils entsprechende Exponate hinein. Die pensionierte Ethnologin baut dann die Koffer zusammen mit ihrem Mann Andreas Lenz in den einzelnen Museen auf. „Wir schlagen damit einen Bogen von 1850 bis in die Gegenwart“, erläutert Lentz.

„In Bad Oldesloe ist das Thema Sommerfrische ganz eng mit der Kinderlandverschickung von Friedrich Bölck verbunden. Ihm lagen ganz besonders die kleinen Leute am Herzen. Er hat soziale Verantwortung gelebt und weitergegeben“, sagt Petra-Maria Schark. In den 1920er und 30er Jahren konnten die Kinder seiner Angestellten auf den Bölck’schen Gütern Ferien machen. Dieses soziale Engagement gehörte zur cleveren Geschäftsphilosophie. Bölck funktionierte das Herrenhaus Borstel zu einem Erholungsheim für die Kinder seiner Mitarbeiter und Kunden um, wobei die letzteren im Rahmen eines Rabattsystems Berechtigungsscheine für Erholungsaufenthalte erwerben konnten. „Da zeigt sich ein großartiges Mäzenatentum. Das war ja damals eine ganz schlechte Zeit und kaum einer konnte sich Urlaub leisten“, so Marianne Lentz. In der Bölck-Kiste liegt eine alte Kaffeemühle der Firma Bölck, am Deckel hängt eine alte Original-Preisliste. Die Museumsleiterin hält einen kleinen hölzerner Vogel aus den 50er Jahren hoch. „Auch das Vogelschießen steht in Oldesloe für Sommerfrische, denn es ist das größte Fest mit der längsten Tradition in der Kreisstadt“, betont Petra-Maria Schark. Auf das Vogelschießen verweist auch ein weißes Kleid aus den 1920er Jahren. „Das Kleid ist typisch für die kleinen Mädchen damals, die zum Vogelschießen neu eingekleidet wurden und ihre langen Haare zu diesem Anlass offen tragen durften. Diese Tradition lebt inzwischen wieder auf“, erzählt Petra-Maria Schark.

Es sei toll zu erleben, wie die Museen im Kreis arbeiteten, sagt Marianne Lentz, die sich wünscht, dass die Arbeit in den Stormarner Museen wieder mehr in den Fokus der Öffentlichkeit gelangen.

Ihr persönlicher Lieblingskoffer ist der des Stormarnschen Dorfmuseums Hoisdorf, der das Thema „Reiche Bauern - Arme Knechte“ aufbereitet hat. „An einem einzigen Exponat kann man ganze Lebenszusammenhänge darstellen. Sie erzählen Geschichten, die im wahrten Sinne des Wortes handgreiflich sind“, so die Museumspädagogin.

Ein Koffer des Büromaschinen-Museums.
Ein Koffer des Büromaschinen-Museums.

>Die kleine, aber feine Ausstellung ist noch bis zum 13. August jeweils freitags von 14 bis 16 Uhr und am Sonnabend von 10 bis 12 Uhr zu sehen. Der Eintritt ist frei.

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erstellt am 04.Aug.2017 | 06:00 Uhr

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