Shotokan-Asse : Auf etwas anderem Weg zum internationalen Erfolg

„Unrealistische Vorstellung“ im Vorfeld der WM: Fabian Zorn und Nils Roedel kehrten mit einer Silber- und einer Bronzemedaille aus Italien zurück.
„Unrealistische Vorstellung“ im Vorfeld der WM: Fabian Zorn und Nils Roedel kehrten mit einer Silber- und einer Bronzemedaille aus Italien zurück.

Die Oldesloer Karateka Fabian Zorn und Nils Roedel holen ohne Wettkampferfahrung WM-Medaillen. Nationaltrainer Dieter Flindt lobt die Ausbildung im Dojo Kan-Yoh: „In Relation bringt Kan-Yoh mehr und bessere Schwarzgurte hervor, als viele andere Dojos.“

shz.de von
16. Juni 2014, 06:00 Uhr

Dass Fabian Zorn und Nils Roedel bei den Karate-Weltmeisterschaften im italienischen Terni eine Silber- und eine Bronzemedaille errangen, war eine große Überraschung. Zumindest auf den ersten Blick. Denn Wettkampf spielt in dem Dojo der beiden Shotokan-Asse, der Oldesloer Karateschule Kan-Yoh, keine große Rolle. „Wir gehen den Weg des friedlichen Kriegers und nicht den Weg des härtesten Kämpfers“, betont Michael Schwarzloh, der die Karateschule vor zwölf Jahren gründete. Der Dojo setze auf Toleranz – das bedeutet das japanische Kan-Yoh übersetzt – als Ziel der Ausbildung. „Es gibt Dojos, die trainieren nur auf Wettkämpfe hin. Mir geht es darum, die Menschen stark für das Leben zu machen und sie Toleranz zu lehren“, sagt der Schwarzgurtträger (5. Dan). „Wenn man uns vor einigen Wochen gesagt hätte, dass wir bald WM-Medaillen gewinnen, wäre das für mich eine unrealistische Vorstellung gewesen“, erklärt daher auch Fabian Zorn.

Das bedeutet aber nicht, dass Zorn und Roedel unvorbereitet zu dem internationalen Turnier gereist wären. Stattdessen lag der Fokus auf einer etwas anderen Vorbereitung. Neben den klassischen Grundlagen des Shotokan lernen Schwarlohs Schützlinge in Seminaren im Kloster Nütschau dazu – oder sie werden selbst zu Assistenten ausgebildet. Ein Vorgehen, das von wettkampforientierten Dojos mitunter belächelt wird – doch selbst Nationaltrainer Dieter Flindt lobt: „In Relation bringt Kan-Yoh sogar mehr und bessere Schwarzgurte hervor, als viele andere Dojos.“

Oder auch Braungurte wie Zorn und Roedel. Schwarzloh betont: „Die Schüler, die ich zum Kadersichtungstraining der Nationalauswahl schicke, sind fit dafür. Sonst machen wir das nicht.“ Die beiden Oldesloer Karateka überzeugten und durften mit nach Italien. „Das war aufregend. Wir hatten ja kaum Wettkampferfahrungen und mussten dann gleich international antreten“, sagt der 18-jährige Roedel, während sein Teamkollege schwärmt: „Es war eine tolle Erfahrung. Rund um die Wettkämpfe gab es Unterricht und Workshops mit hunderten Teilnehmern, die alle eine Leidenschaft teilen – das war großartig, sich mit Menschen aus aller Welt darüber auszutauschen.“

Respekt aber hatten beide vor dem Wettkampf. „Bei einigen Karateka dachte ich: ‚Wow, das möchte ich auch können‘“, verrät Roedel, der sich aber wie auch Zorn bestens vorbereitet wähnte. „Sensei Flindt hatte uns ja bereits trainiert und bei uns im Dojo hat uns Oliver Sengpiel enorm unterstützt“, erklärt Zorn.

Kaum starteten die beiden Oldesloer in den Wettkampf, liefen sie zur Höchstform auf. Fabian Zorn sicherte sich Bronze im Halbfreikampf, bei dem einstudierte Übungen mit einem Gegner gezeigt werden. Nils Roedel gewann die Silbermedaille in der Kata – im Kampf gegen einen imaginären Gegner, bei dem es darum geht, die Übungen sauber und stimmig vorzutragen.

Dojo-Leiter Schwarzloh ist stolz auf seine beiden Schützlinge. „Es zeigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Denn unsere etwas andere Ausbildung kann international mithalten. Es ist toll zu sehen, wie sich die Schüler entwickeln“, sagt er.

Nils Roedel und Fabian Zorn wollen sich im Nationalkader weiterentwickeln – wobei für beide weiterhin nicht Medaillen, sondern der Spaß und die Begegnung mit anderen Menschen im Vordergrund stehen. Ganz so, wie es in der Kan-Yoh-Philosophie verankert ist.

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