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Stormarner Tageblatt

19. Oktober 2017 | 13:14 Uhr

Ahrensburg : Auf dem Weg zur geteilten Stadt

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Politik ist entsetzt über die Lärmschutz-Pläne: Die Bahn plant in der Schlossstadt bis zu sechs Meter hohe Wände.

Allein die Vorstellung ist erschreckend: Blassgrüne Wände, zwischen drei und sechs Meter hoch, durchziehen die Ahrensburger Innenstadt – Lärmschutzwände für die geplante S  4. Die Deutsche Bahn informierte die Stadtverwaltung jetzt über die geplanten Schallschutzmaßnahmen, das Rathaus präsentierte die Pläne der Bahn in Form von Fotomontagen.

Die von Rudolf Baade angefertigten Simulationen mit den Mauern an den Originalschauplätzen entlang der Bahntrasse hatten im Umweltausschuss zunächst für Sprachlosigkeit gesorgt. Egal, ob die Drei- oder die Sechs-Meter-Variante, „das geht gar nicht“, waren sich alle Fraktionen einig. „Wir dürfen auf keinen Fall zu früh aufgeben“, sagte Rudolf Baade, und Peter Egan (WAB) hoffte – bei allem Verständnis für die Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen – darauf, dass es in Übereinstimmung mit der Deutschen Bahn eine andere Lösung geben könnte.

Immerhin: Die Bahn hatte angeboten, bei so genannten Sichtachsen wie zum Beispiel von der Manhagener Allee in das jenseits der Gleise gelegene Viertel durchsichtige Lärmschutzwände einzubauen. Die Grenzwerte für Wohngebiete liegen tagsüber bei 59 Dezibel dB(A), das entspricht Zimmerlautstärke beim Fernsehen. Nachts gilt ein Grenzwert von 49 dB(A).

Bürgermeister Michael Sarach befürchtet, dass die Wände das Stadtbild über Generationen hinweg zerstören würden. In der Vergangenheit hatte er sich mehrfach für eine Absenkung der Gleisanlagen (Troglösung) stark gemacht. Ein Unterfangen allerdings, das technisch – wenn überhaupt – nur sehr aufwändig möglich wäre. Es müsste beispielsweise die Straßenunterführung Woldenhorn/Manhagener Allee tiefer gelegt werden. Auch für den Fußgängertunnel Manhagener Allee mit seiner Galerie der Hände würde ein tiefer gelegtes Gleisbett nicht ohne Folgen bleiben.

Peter Egan von der WAB schlug vor, sich in anderen Städten zu informieren, die ähnliche Probleme haben. Dieter Levenhagen (CDU) machte den Vorschlag, die direkten Anlieger zu befragen. Die, so Levenhagen, sollten selbst entscheiden, was sie gerne hätten.

Im Bau- und Planungsausschuss ist es noch kein Thema, aber für den Vorsitzenden Hartmut Müller (SPD) sind die Wände „ein unmögliches Ding. Wir müssen unbedingt sehen, dass wir es anders hinbekommen.“ Die Deutsche Bahn hatte in der Vergangenheit stets betont, dass es keine Alternativen zu Lärmschutzwänden gebe, anders sei die Bundesimmissionschutz-Verordnung nicht einzuhalten.

Von den derzeit im Raum stehenden gut 900 Millionen Euro für eine S-Bahn vom Hamburger Hauptbahnhof bis nach Bad Oldesloe entfallen rund 150 Millionen Euro auf den Lärmschutz. Im Februar kommenden Jahres will die Deutsche Bahn den aktuellen Stand der Planungen im Umwelt- sowie dem Bau- und Planungsausschuss vorstellen.

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