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Stormarner Tageblatt

21. August 2017 | 09:15 Uhr

Attacke gegen die Bürgermeisterin

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Am Schulbau erhitzten sich die Gemüter: Stadtvertreter sehen Verwaltung in der Pflicht und rüffeln Kruse-Gobrecht

Die Carl-Orff-Schule in Bargteheide hat dringenden Raumbedarf für die Nachmittagsbetreuung. Für eine Erweiterung hat die Stadtvertretung 1 Million in den Haushalt eingestellt. Das müsse reichen, hieß in der Dezembersitzung. Das reicht nicht aus, sagt dazu der beauftragte Architekt Detley Heymann, mindestens 1,4 Millionen müssten es sein. Einen billigeren Bau in Holzständerart lehnt er ab. Wie es jetzt weitergeht, darüber debattierte die Stadtvertretung jetzt. Einige Stadtvertreter nutzten diese Debatte, um Bürgermeisterin Birte Kruse-Gobrecht ungewohnt heftig anzugreifen.

Zuvor hatten Elternvertreter der Schule vor allem über den Gestank auf den Toiletten geklagt. „Das Problem liegt im Untergrund der vor 40 Jahren gebauten Toiletten“, sagte ein Vater, „seitdem wurde da nichts mehr gemacht.“ Auch nach der Pause in den Schulferien müffele es dort noch weiter penetrant. „Die Arbeitsbedingungen dort sind unzumutbar“, so Anke Schlötel-Fuhlendorf (SPD). Der Bau habe Priorität. Wie gedenke die Verwaltung das Problem zu lösen?

Nach dem Entwicklungsplan werde die Schule möglicherweise vierzügig und benötige dann zwei weitere Räume, so die Bürgermeisterin. Ein Anbau in den Sommerferien sei illusorisch, die Planung dafür könne die Verwaltung angesichts neuer Pflichtaufgaben und Personalengpass nicht leisten. Der Architekt arbeite an einer wirtschaftlichen Lösung, die bewilligte Stelle eines Hochbauarchitekten müsse noch besetzt werden. Kämmerer Joachim Teschke habe schon in der Haushaltssitzung vor einer Deckelung auf 1 Million gewarnt.

„Ich habe sie nicht verstanden, sie haben letztendlich nichts gesagt“, sagte Torsten Klostermeyer (CDU). Die Bürgermeisterin habe die Beschlüsse der Stadtvertretung umzusetzen. Klostermeyer sprach sogar von Arbeitsverweigerung. „Wir reden seit zehn Monaten darüber“, kritisierte Schlötel-Fuhlendorf. Die Bürgermeisterin ist allerdings erst knapp fünf Monate im Amt, wie sie dazu einwarf.
Im Ziel Schulbau seien sich alle einig, so Renate Mascher (WfB), eine Arbeitsgruppe sei bereits tätig: „Aber so eine Anmache der Bürgermeisterin sehe ich nicht ein“, sagte sie unter Applaus aus dem Publikum und dem zustimmenden Klopfen einiger Stadtvertreter. . „Sie fahren ein schweres Geschütz auf, wenn sie behaupten, dass Aufträge nicht abgearbeitet werden“, kritisierte Michael Schröer (Grüne)

Norbert Muras (WfB) bemerkte dabei: „Ein neues Selbstverständnis einiger Stadtvertreter“, die sich hier jetzt als Chefs aufspielten. „In den Ausschüssen sind noch keine Grundlagen gelegt worden“, sagte er. Die Deckelung der Baukosten auf eine Million sei ein Schnellschuss und ein Fehler gewesen: „Wenn das Geld nicht ausreicht, bricht alles zusammen.“ Und zu Klostermeyer gewandt: „Wenn sie das nicht verstehen, dann ist das ihr Problem.“ Der setze die Bürgermeisterin mit nicht erfüllbaren Forderungen unter Druck. Es sei jetzt Aufgabe der Ausschüsse, die nötigen Weichen zu stellen. „Eine Modulbauweise sollte geprüft werden, der Architekt prüfte aber nur Steine“, warf Schlötel-Fuhlendorf ein.

Wiebke Garling-Witt (Grüne) schlug eine rasche und unproblematische Lösung des Raumproblems vor: „Das Land kann kostenlos Container bereitstellen.“ Der Architekt arbeite noch an einer bedarfsgerechten Lösung, so Bauamtsleiter Jürgen Engfer: „Falls eine Million aber nicht ausreichen sollte, dann brauchen wir einen neuen Beschluss.“

„Dass ein Auftrag nicht abgearbeitet wird, haben wir in 19 Jahren nicht erlebt“, legte Christian Claussen (CDU) nach. „Wenn der Architekt etwas völlig anderes vorschlägt, verweigern wir die Umsetzung.“ Marion Luig-Wölffel (WfB) verwies auf die Warnungen des Kämmerers. „Beim Abschied von Bürgermeister Görtz haben wir noch höchste Lob-Töne auf die Verwaltung gehört“, sagte sie.

Sachstand ist jetzt, dass sich die Fraktionsvorsitzenden in ihrer nächsten Runde mit dem Schulbau befassen, bis zum 15. März trifft sich die Arbeitsgruppe dafür. Bürgermeisterin Birte Kruse-Gobrecht führt weitere Gespräche, unter anderem mit den benachbarten Schulverbänden und im Bildungsministerium.

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