Endlagersuche : Atommüll nach Siek? Gemeinde möchte schnell Klarheit

Ein möglicher Standort für Atommüll befindet sich auch in Stormarn.
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Ein möglicher Standort für Atommüll befindet sich auch in Stormarn.

Der Ort ist in das Visier der Endlager-Sucher geraten, weil es in 800 Metern Tiefe einen Salzstock gibt.

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06. Januar 2018, 08:00 Uhr

Die Suche nach einem Endlager für Atommüll ist in der Geschichte der Bundesrepublik ebenso erfolg- wie endlos. Nachdem die Gorleben-Pläne vom Tisch waren, wurde im vergangenen Juli eine ganz neue Such-Runde gestartet. Für alle potenziell möglichen Standorte im Land erließ der Bund erstmal eine Veränderungssperre. Darunter sind auch sechs Salzstöcke in Schleswig-Holstein, die die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe schon 1995 ermittelt hatte. Drei befinden sich bei Rendsburg, einer bei Sterup, einer bei Krempe und einer in Stormarn. Unterhalb der Gemeinde Siek. In Siek gibt es in 800 Metern Tiefe einen Salzstock.

Bekannt wurde das im Sommer, im Dezember kam nicht, wie zunächst berichtet, ein Schreiben des Bundesamtes für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE) in Siek an, die Amtsverwaltung selbst hatte beim BfE nachgefragt. Anfang Januar kam das Antwortschreiben an, das auch unter www.amtsiek.de zu finden ist.  "Es wird angestrebt, dass der Bundestag im Jahr 2031 den Endlagerstandortfestlegt. Ab 2050 könnte dann mit der Einlagerung der hochradioaktiven Abfälle begonnen werden", heißt es dort. Die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) sammelt Daten aus geologischen Landes- und Bergämtern sowie Wasserbehörden und prüft, wo sich in Tiefen über 300 Meter geeignetes Gestein für eine Lagerung befindet. Das können Granit, Ton oder Salz wie in Gorleben oder Siek sein. Das Bundesamt BfE überwacht als Aufsichtsbehörde das Auswahlverfahren und organisiert die Beteiligung der Öffentlichkeit.

 Wenn die BGE  einen Zwischenbericht vorlegt, "werde ich eine Fachkonferenz Teilgebiete“ einberufen, die eine Stellungnahme zum Zwischenbericht abgibt. Der Fachkonferenz gehören auch Vertreter der Gebietskörperschaften in den ermittelten Teilgebieten an... Sie können Stellungnahmen abgeben und in jeder Phase des Auswahlverfahrens eine Nachprüfung der Vorschläge der BGE veranlassen", schreibt Dr. Ingo Bautz, der beim Bundesamt für Öffentlichkeitsbeteiligung zuständig ist.

Auf der Amtsseite ist neben dem Brief  auch eine Broschüre des BfE zur Endlagersuche ihinterlegt. Zudem hat das BfE eine virtuelle Endlagerausstellung mit grundlegenden Informationen zur Geschichte der Endlagerung in Deutschland und zum Standortauswahlverfahren konzipieren lassen. Die wird in allen  Regionen zu sehen sein, die theoretisch für ein Endlager in Frage kommen, also auch in Siek.

Für Bürgermeister Arnold Trenner (SPD)  ist es unvorstellbar, bei der Nähe Sieks zur Großstadt Hamburg „überhaupt nur an so etwas zu denken.“ In der ersten Suchrunde sollen dicht besiedelte Regionen aber ebenso ausgeschlossen werden wie Naturschutzgebiete oder Kulturdenkmäler. Erst dann stehen in der zweiten Phase seismische Messungen oder Probebohrungen an. In Siek will man „am Ball bleiben und das Thema weiter verfolgen“, erklärt Arnold Trenner.

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