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Stormarner Tageblatt

22. Oktober 2017 | 14:03 Uhr

Reinfeld : Asyl in der Alten Schule

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Die Stadt sucht nach praktikablen Lösungen zur „menschenwürdigen Unterbringung“ der Flüchtlinge.

shz.de von
erstellt am 12.Nov.2015 | 12:03 Uhr

Der soziale Frieden in der Karpfenstadt liegt Bürgermeister Heiko Gerstmann ganz besonders am Herzen. „Ich möchte, dass die Flüchtlinge menschenwürdig untergebracht werden, ohne dass die Sozialhilfeempfänger benachteiligt werden oder gar in Vergessenheit geraten“, betont er. Dies sei bisher gut gelungen – dank einer starken Verwaltung, vernünftigen Planungen und der vielen ehrenamtlichen Helfer.

Gerstmann: „Ich bin dankbar, dass wir hier in Reinfeld eine so aktive Bürgerschaft haben, die sich mit Herzblut in der Flüchtlingshilfe engagiert. So kommen gar nicht erst negative Tendenzen auf.“ Er spricht von einer „funktionierenden Bürgerkultur“. Ziel sei es, die Flüchtlinge dezentral unterzubringen – was aufgrund der akuten Situation momentan leider nicht überall möglich sei – die Stadt mit wenig Kosten zu belasten, sowie möglichst wenig Abstriche für die Bürger machen zu müssen.

Die Stadtverordneten haben bereits den Umbau des rechten Traktes der Alten Schule zur Flüchtlingsunterkunft beschlossen. Die Arbeiten schreiten dort voran. Im Untergeschoss, das Anfang Dezember bezugsfertig sein soll, sollen zehn Flüchtlinge, im Obergeschoss rund 20 untergebracht werden. „Ich halte den Standort für eine gute Lösung“, so der Bürgermeister. Denn der Kindergarten und der Spielplatz nebenan böten gerade für Flüchtlingsfamilien ein ideales Umfeld. Für das Obergeschoss muss noch eine Außentreppe als Fluchtweg installiert werden.

Natürlich seien nicht alle zufrieden mit dieser Lösung, müssten doch die VHS und einige Vereine mit ihren Aktivitäten auf andere Räumlichkeiten wie das Rettungszentrum, die Immanuel-Kant-Schule oder den Bewegungskindergarten ausweichen. Gerstmann bittet um Verständnis, kleinere Einbußen müssten in Kauf genommen werden – auch in Hinblick darauf, dass die Asylbewerber der Stadt nach einem Schlüssel zugewiesen würden und man versuche, eine kostendeckende Lösung zu finden. Die zusätzliche Belastung für die Verwaltung sei groß. Allein der Bauhof habe im vergangenen Jahr 1000 Stunden mehr für den Umbau der Flüchtlingsunterkünfte gearbeitet.

Gerstmann hofft darauf, dass die Politik der Verwaltung zusätzliche Kräfte genehmigt. „Die jetzige Zeitarbeitskraft mit nur 30 Stunden die Woche reicht leider nicht aus“, so Gerstmann. Er sei als Bürgermeister angetreten, um für die Stadt weiter zu planen und zu organisieren. Leider sei er durch den Flüchtlingszustrom in der jetzigen Situation mehr zum Reagieren gezwungen. Es sei ein schlecht planbares Thema. Er rechnet mit insgesamt 150 Flüchtlingen im nächsten Jahr: „Das ist aber nur Kaffeesatzlesen.“

Neben dem Umbau der Alten Schule – der Mietvertrag hierfür ist bereits unterschrieben – werden auch Räume im Alfapark für 17 bis 20 Flüchtlinge umgebaut. Nach dem Beschluss des Hauptausschusses sollen auch leer stehende Gewerbeobjekte wie der Aldi- und Schleckermarkt als Unterkünfte geprüft werden. „Ich befürchte allerdings, dass wir uns das nicht leisten können“, so der Bürgermeister.

Nach den Sommerferien zieht die Erich-Kästner-Schule in die KGS um, so dass auch dort Platz wäre. Noch sei jedoch nicht entschieden, ob das Schulgebäude als Jugendzentrum, für Kindergartengruppe oder Flüchtlinge genutzt werde. Um die Ehrenamtlichen zu entlasten, soll ein Vertrag mit der Diakonie unterschrieben werden, der – ausgehend von 1000 Flüchtlingen in Bad Oldesloe Land, Reinfeld und Nordstormarn – elf Mitarbeiter vorsieht.

Neben der Flüchtlingsproblematik kommt die Karpfenstadt städtebaulich gut voran. Die Baugenehmigung für das Rathaus-Center liegt jetzt auf dem Tisch. Wann es losgeht, ist jedoch noch ungewiss. Die Bauarbeiten für den Verwaltungsneubau haben begonnen. Das Bauschild für den Neubau eines Cafés am Herrenteich steht bereits. Die Stadt ermittelt die Kosten für einen Um- oder Neubau des Rettungszentrums, das aus unfalltechnischen Gründen saniert werden muss. Im nächsten Jahr steht außerdem die Restaurierung der Matthias-Claudius-Grundschule an.


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