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Stormarner Kindertage : Armutshochburg Bad Oldesloe

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Der Kinderschutzbund macht vor der anmutigen Kulisse des Ahrensburger Schlosses auf Kinderarmut aufmerksam. In Bad Oldesloe sieht es besonders schlecht aus.

„Die Arbeitslosigkeit hat sich in den vergangenen Jahren zwar fast halbiert, doch die Kinderarmut ist trotzdem auf einem hohen Sockel geblieben“, sagt Ingo Loeding. Mit 6500 Fähnchen machte der Kinderschutzbund gestern vor dem Ahrensburger Schloss darauf aufmerksam. Jede stand für ein Stormarner Kind, das in Armut lebt. Diesmal war auch Landesprominenz vertreten, so auch Sozialministerin Kristin Alheit.
„Seit Jahrzehnten wird über gesellschaftliche Teilhabe von Kindern geredet“, sagt sie, „doch es gibt noch immer zu viele benachteiligte Familien.“ Zwar gebe es über 150 familienpolitische Leistungen, doch sie erreichten die Bedürftigen nicht ausreichend. Das Geld müsse anders verteilt werden denn Kinder hätten ein Recht, ohne Armut aufzuwachsen. „Wir dürfen auf dem Weg zu gleichen Bildungschancen nicht nachlassen“, so die Ministerin.

„Jedes vierte Kind in Schleswig-Holstein lebt in Armut, das ist nicht hinnehmbar“, so die Landesvorsitzende des Kinderschutzbunds, Irene Johns. 120 000 Kinder seien das. In Städten wie Kiel oder Lübeck seien es sogar 40 Prozent aller Kinder. Die Gesellschaft spalte sich damit zunehmend in Arm und Reich. Sie forderte eine Grundsicherung für Kinder und eine kostenfreie Kita- und Schulbetreuung. „Der Armuts-Kreislauf muss durchbrochen werden.“

„Das Bildungs- und Teilhabepaket reicht längst nicht aus“, sagt auch die Professorin Sabine Andresen, die Vizepräsidentin des Kinderschutzbunds. Die Kindheitsforscherin hat am aktuellen Kinder- und Jugendbericht der Bundesregierung mitgewirkt. „Kinder wollen ihre Begabungen auch in der Freizeit entfalten“, sagt sie, „doch arme Familien können sich die Mitgliedschaft in Vereinen nicht leisten.“ Diese Benachteiligung ziehe sich durch alle Studien, „es ändert sich nichts wirklich.“

Kinder aus armen Familien erhielten in der Regel auch schlechtere Betreuungsqualität. „Die Debatte um Armut beschämt die betroffenen Familien zusätzlich“, so die Professorin, „sie drückt die Kinder herunter und beschädigt sie.“ Sie fühlten sich weniger wertgeschätzt. Und Kinder kennten sich auch in den Preisen gut aus: „Sie wissen, was sie sich im Vergleich zu anderen nicht leisten können.“

„Wir stehen im reichen Stormarn noch relativ gut da“, so Loeding. Doch auch in Ahrensburg gebe es über 800 Kinder aus Familien, die von Hartz IV lebten oder Wohngeld bezögen. Stormarns Armuts-Hochburgen seien Bad Oldesloe und Glinde. „Die Familien brauchen vor allem gute Arbeit, von der sie leben können“, fordert der Geschäftsführer des Kinderschutzbunds. Ahrensburg sei mit dem Beitrag von 4 Euro monatlich für einen Ganztagsschulplatz vorbildlich. „In Großhansdorf etwa müssen Familien dafür 152 Euro im Monat zahlen“, sagt Loeding. Auch vielen anderen Kommunen lägen diese Beiträge zwischen 30 und 150 Euro. Aber beim Ferienprogramm für Kinder, deren Familien keine Urlaubsreise machen können, stehe auch Ahrensburg nicht gut da. „72 Prozent der Angebote sind hier kostenpflichtig, in Bargteheide ist es umgekehrt.“ In Bad Oldesloe seien es sogar 84 Prozent. Loedings Fazit: „Für Arme gibt es dort keinen Zugang.“



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erstellt am 22.Sep.2013 | 09:00 Uhr

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