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Stormarner Tageblatt

22. November 2017 | 12:23 Uhr

Bargteheide : Armut und Sucht die Problemfelder

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Streetworker in Bargteheide berichten im Ausschuss über ihre Arbeit. Das Heinrich-Sengelmann-Krankenhaus plant in Ahrensburg eine Suchtambulanz, um dort Methadon ausgeben zu können.

Zum Leuchtturm in der offenen Sozialarbeit ist Bargteheide geworden. In keiner anderen Stadt in Stormarn gibt es bisher ein solches Angebot. Von ihrer Tätigkeit berichteten jetzt die Sozialarbeiter Fabian Josten und Jörn Brücken im Haupt- und Sozialausschuss. Es gibt zwar Hilfsangebote, aber die Schwellen dorthin sind manchen zu hoch. „Viele haben keinen Bock darauf, auch weil sie uns misstrauen“, sagt Josten. Da müsse man schon bohren. Doch sein Kollege und er arbeiten vertraulich und akzeptierend, sie geben keine Informationen aus ihrer offenen Arbeit preis. Sie nennen es jetzt gemeinwesenorientierte Arbeit. „Streetworker sind nach Definition nur für die 15- bis 27-Jährigen tätig“, sagt Brücken. Das sei aber verfehlt, denn hilfsbedürftig seien auch ältere Menschen in belastenden Lebenssituationen. Diese Klienten würden aufgesucht, wo sie vermutet würden.

„Wir sind dabei eng mit dem Jugendarbeitsteam, den Schulen, der Bunten Vielfalt, der Tafel, Therapiehilfe und dem Autonomen Jugendzentrum vernetzt“, sagt Josten. Beide arbeiten für die gemeinnützige Gesellschaft „tohus“, die in Bargteheide auch psychisch oder Suchtkranke ambulant und stationär betreut. Dass der Bedarf hoch ist, zeigt sich an der Zahl der Klienten, ein gutes Drittel von ihnen kommt nicht aus Bargteheide, sondern auch aus Bad Oldesloe und Ahrensburg.

Die Vergabe von Substitutionsmitteln wie Methadon ist streng geregelt. „Eine dafür qualifizierte Ärztin hat ihre Tätigkeit eingestellt, das wurde zu einem Riesenproblem“, so Josten. Denn die Nachfolgerin habe diese Zusatzausbildung abgelehnt, mit entsprechenden Folgen für die bisher dort betreuten 113 Suchtkranken. Ihre Gesamtzahl in Stormarn wird auf 200 geschätzt. „Diese Klienten sind in vielen Arztpraxen unerwünscht“, bilanziert Pastor Eckart Drews, Geschäftsführer von „tohus“. Das Heinrich-Sengelmann-Krankenhaus plane deshalb jetzt eine Suchtambulanz in Ahrensburg.

Armut und Sucht seien die größten Probleme mit zuletzt zunehmender Tendenz, die Dunkelziffer hoch, so Brücken. Weil es nicht genug bezahlbaren Wohnraum gibt, wächst die Zahl der so genannten „Couch Surfer“. Diese Obdachlosen wohnen und übernachten bei Bekannten, was besonders für Frauen manchmal nicht angenehm ist. Allerdings sind fast 90 Prozent der Klienten bisher männlich. Im Vorjahr gab es insgesamt 444 Kontakte zu Männern und 55 mit Frauen. Nur 16 Prozent davon sind Neukontakte.

Bereichsleiterin Kirsten Kröger weist auf die Soforthilfen von „tohus“ hin: „Wir unterstützen Bedürftige mit warmer Kleidung, Duschmöglichkeiten und Lebensmitteln.“ Das werde aus dem Etat finanziert, auch die Coffee Lounge spende Kuchen. Das bedeute keine Konkurrenz zur Tafel, betont sie. Diese habe auch mit dem Rassismus von einheimischen Bedürftigen zu kämpfen, die die Flüchtlinge um solche Hilfen beneideten.




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