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Stormarner Tageblatt

16. Dezember 2017 | 12:41 Uhr

Bargteheide : Archivare denken in Jahrhunderten

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Sie gehen mit der Zeit: 25 Archivare nehmen ein Zukunftsprojekt in der Verwaltung des Amtes Bargteheide-Land unter die Lupe.

Familienforscher sollen es künftig leichter haben, die Lebensdaten ihrer Vorfahren zu sichten. Denn die Archivare in Stormarn wollen sie online stellen. Wann es soweit ist, bleibt allerdings noch offen. Und auch dann wird es Einschränkungen geben. „Wir können nur die Daten von Personen zugänglich machen, die vor 1904 geboren wurden“, erläutert Kreisarchivar Stefan Watzlawzik. Es gehe nämlich darum, die noch Lebenden zu schützen, aber auch Forschung zu ermöglichen.

25 Archivare und ihre Mitarbeiter diskutierten jetzt über das Projekt in der Verwaltung des Amtes Bargteheide-Land. Seit 1991 sind sie die Herren über das Geburten-, Sterbe- und Heiratsregister. Seitdem gilt das Landesarchivgesetz. Zuvor waren die Standesämter dafür zuständig, die noch rigider mit den Daten umgingen. „Sie gaben sie nur heraus, wenn persönliche Betroffenheit oder konkrete juristische Gründe dafür bestanden“, so Watzlawzik.

Gleichwohl bleibt es eine Gratwanderung für die Archivare, wenn die Nachfahren nicht einverstanden sind und möglicherweise klagen. „Das Problem sind die Nebeneintragungen“, sagt Watzlawzik.

Zurzeit können die Register bis 1904 eingesehen werden, allerdings nur in den Archiven selbst. Was ist aber, wenn eine Einwandererfamilie etwa aus den USA Einsicht begehrt? „Wir erhalten jede Woche neue Anfragen“, so Watzlawzik. Dann ist Geduld bis zur Veröffentlichung im Internet gefragt oder eine lange Reise. „Ich sehe ein, dass junge Leute heute alles digital wollen und muss mich dem anpassen“, sagt die Amtsarchivarin Gerlinde
Rieck. Überrollen lassen möchte sie sich davon aber nicht. Auch unter ihren Kollegen gingen die Ansichten dazu noch auseinander. Gemeinsam möchten die Archivare dafür einen Leitfaden entwickeln. „Dafür müssen wir etliche Gesetzestexte wälzen“, sagt Gerlinde Rieck. Die Rechtslage sei kompliziert, assistiert ihr Kollege. Im Zweifel müsse jeder Einzelfall geprüft werden. Auch die Datenmengen seien ein Problem. Zehntausende Einträge müssten überprüft werden.

Immerhin ist Stormarn der einzige Kreis in Schleswig-Holstein, wo die Archive den gesamten Datenbestand abdecken. Jede Stadt, jede amtsfreie Gemeinde und jedes Amt verfüge hier über ein Archiv, so Watzlawzik. Die Daten aus den Standesämtern reichen bis in Jahr 1874 zurück, als Preußen das Zivilstandsregister einführte. Ältere Eintragungen gibt es nur in den Kirchenbüchern.

„Archivare denken in Jahrhunderten“, sagt Watzlawzik. Bis die Eintragungen online verfügbar sind, werde es noch einige Jahre dauern. „Wir werden aber mit der Zeit gehen“, sagt er. Persönliche Informationen müssten aber weiterhin geschützt bleiben.




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