Verborgene Gefahr : Arbeiten im See trotz Altlasten

Von einem Boot aus saugte das THW mit einer Pumpe den Anleger frei.
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Von einem Boot aus saugte das THW mit einer Pumpe den Anleger frei.

Der Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Schleswig-Holstein (LKN) beorderte THW in Gefahrengebiet. Nähere Hinweise gab es nicht.

shz.de von
10. Juni 2014, 06:00 Uhr

Ist der Einsatz glimpflich abgegangen? Am Donnerstag hatte der Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Schleswig-Holstein (LKN) dem Ortsverband des Technischen Hilfswerks (THW) Eutin den Auftrag erteilt, eine Gefahrenstelle in der Fissauer Bucht zu beheben. Denn Sand und Schlamm waren dort zu einer Gefahr für die „Freischütz“, das Ausflugsschiff der Eutiner Seerundfahrt, geworden (der OHA berichtete).

Dass im Bereich des Anlegers am Schwimmbad ehemals die Eutiner Gasanstalt ihren Sitz hatte, der Seegrund und der Uferbereich mit giftigen Stoffen kontaminiert sein soll, teilte der LKN den Männern vom THW nicht mit.

Dabei hatte das staatliche Umweltamt im Bereich der Fissauer Bucht bereits vor zehn Jahren eine Ankerverbotszone erlassen – zu groß war die Sorge, Altlasten des Gaswerks könnten wieder zum Vorschein kommen. Auch die Stadt unterstützte die Einrichtung der Verbotszone und sprach sich außerdem gegen die Einrichtung einer Einsetzstelle für ein neues Feuerwehrboot am Uferbereich vor der Schwimmhalle aus. Der Bereich sei „mit erheblichen Risiken behaftet“, sagte Bauamtsleiter Bernd Rubelt.

„Von den Altlasten im Boden haben wir nichts gewusst“, sagte Klaus-Peter Plötz, Ortsbeauftragter des THW. Der 15 Mann starke Einsatztrupp, der am Donnerstag von einem Boot aus das Sediment vom Seegrund pumpte, habe aber vorsichtig gearbeitet, so Plötz.

Die Reederei Eutiner Seerundfahrt hatte das THW alarmiert, da der Anleger am Schwimmbad zu verlanden drohte. Doch mehr als die Gefahr aufzuliegen, bedrohte das Sediment die Schiffstechnik: Die „Freischütz“ nutzt Wasser zum Kühlen des Motors – setzt sich die Bord-Pumpe zu, fällt die Kühlung aus und der Motor würde überhitzen.

Es sind zwar keine Granaten oder Bomben, die in der Fissauer Bucht liegen – aber welche Gefahr von den Altlasten der ehemaligen Eutiner Gasanstalt ausgeht, ist nicht bekannt. „Ich würde nicht empfehlen, dort mit einem Bagger zu graben“, sagte Eberhard Henning vom Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Schleswig-Holstein (LKN). Über die Gefahr im Boden informierte der Sachbearbeiter die Männer des THW jedoch nicht bei der „Alarmierung“: „Das ist doch in Eutin bekannt, dass es dort Altlasten gibt“, so Henning und verweist auf den Ratzeburger See, aus dem vor Jahren sogar mehrfach Teerblasen aufstiegen.

„Von den Altlasten im Boden haben wir nichts gewusst“, sagt Klaus-Peter Plötz, Ortsbeauftragter des Technischen Hilfswerks. Der 15 Mann starke Einsatztrupp, der am Donnerstag von einem Boot aus das Sediment vom Seegrund pumpte, habe aber nichts entdeckt, was auf eine Kontamination schließen ließ. Seine Männer hätten außerdem vorsichtig gearbeitet, ergänzt Plötz.

Dabei stand der Uferbereich erst vor kurzem in der Diskussion, als es um eine mögliche Einsetzstelle für ein neues Boot der Feuerwehr ging. Auch seitens der Stadt riet man wegen möglicher Altlasten von einer Bautätigkeit im Bereich des Schwimmbads ab.

Auch beim Kreis sind die Gefahren, die im Boden lauern könnten, bekannt, bestätigte Pressesprecherin Anja Sierks-Pfaff. Zurzeit werde eine Anhörung mit der Stadt vorbereitet, die letztlich zu einer Sondierung des Terrains führen soll. Bislang seien aber keine Proben genommen worden.

Wie die Untiefe am Anleger entstand, ist noch immer unklar. Klaus-Peter Plötz vermutet, dass ein im Uferbereich liegender Baumstamm dafür gesorgt hat, dass sich Schlamm und Sand dort sammeln konnten. Der Baum sei bei einem der vergangenen Frühjahrsstürme im Bereich des Anlegers in den See gestürzt und seitdem durch die Schiffsanlegemanöver verstärkt im Bereich der Strömungen der Schiffsschrauben gewesen, so Plötz weiter. Der Baum solle in der kommenden Woche geborgen werden. Zumindest das Problem der Verschlammung könnte dann behoben sein. Seite 3

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