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Hoher Besuch in Oldesloe : Applaus für Umweltminister Habeck beim Kreisbauerntag

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Knickerlass, Tierwohl, Abluftfilter für Ställe – die großen Streitthemen wurden in der Oldesloer Stormarnhalle sachlich diskutiert.

Der Grüne Landwirtschaftsminister Robert Habeck beim Kreisbauerntag in der Stormarnhalle – das riecht nach heftigsten Auseinandersetzungen und Stunk. Aber der große Konflikt blieb aus. „Sie sind ein eleganter Redner“, attestierte Peter Lüschow, Vizepräsident des Schleswig-Holsteinischen Bauernverbands dem Minister, „der es schafft, dass er nachher Applaus von den Bauern bekommt.“

Robert Habeck stand den Landwirten bei den Knackpunkten Rede und Antwort, ging auf das ein, was die Vorredner angesprochen hatten: Knickverordnung, Abluftfilter für Schweineställe, Tierwohl, Strukturwandel. „Die Parole ‚Erhalt der bäuerlichen Landwirtschaft‘ ist ein Fetisch, das heißt gar nichts“, sprach der Minister Klartext. Vor 20 Jahre habe es doppelt so viele Betriebe gegeben, die Zahl der Milchviehhalter sei in den vergangenen zehn Jahren um ein Drittel zurück gegangen. „Auch ohne mich, wäre die Hälfte von Ihnen in 20 Jahren nicht mehr Landwirt“, prophezeite er.

Jungbäuerin Martina Poppinga aus Treuholz berichtete von ihren Zukunftsängsten. Sie werde teilweise als Tierquälerin oder Antibiotika-Missbraucherin verunglimpft. Verschärfte gesetzliche Anforderungen wie die geplanten Filter für Schweineställe erfüllten sie mit Sorgen. „Machen Sie mir Mut, dass ich meinem Beruf noch mit Freude nachgehen kann.“ Ein anderer Jungbauer zweifelt noch, ob er den elterlichen Betrieb Betrieb wirklich übernehmen oder lieber Bewerbungen schreiben solle. Die Abluftfilter würden zu Mehrkosten von acht Euro pro Schwein führen. „Ich wäre ja froh, wenn ich überhaupt acht Euro erwirtschaften würde.“

Eine Steilvorlage für den Grünen-Politiker. „Wenn alle diesen Bedingungen unterliegen, ist es für alle wieder gleich“, warb er für eine bundeseinheitliche Regelung. Dann sei der damit verbundene Preisanstieg politisch gewollt. Staatssekretäre hätten einstimmig die Filter als Stand der Technik erkannt und den Einsatz empfohlen. „Sie müssen doch nur einen Bauantrag überlegen“, so Habeck, „dann gibt es doch schon eine Bürgerinitiative gegen Stallbau.“ Wirksame Filter könnten zu mehr Akzeptanz führen. Er sicherte den Bauern zu, Übergangsfristen maximal ausnutzen zu wollen.

Habeck warnte davor, die Verbraucher zu unterschätzen. „Die Diskussionen werden nicht verstummen“, behauptete er. Die Politik werde darauf mit neuen Gesetzen reagieren. „Enthornung, Schwänze kupieren oder Schnäbel stutzen – sie müssen damit rechnen, dass das auch noch kommt“, warnte er. Da es gelungen sein, hornlose Rinder zu züchten, sei ein Verbot der Enthornung doch ohnehin kein Problem mehr. Im Zweifel müsse die Besatzdichte in den Ställen reduziert werden, was sich auch in höheren Zahlungen an die Landwirte niederschlagen müsse.

„Ich dachte, das ist eine gute fachliche Lösung für einen dauerhaften Knickfrieden“, sagte Habeck zum Knickerlass und räumte ein, dass das nicht geklappt habe. Zurzeit mache sich eine kleine Arbeitsgruppe Gedanken über die Umsetzung. „Wenn es einstimmige Empfehlungen gibt, werde ich die sofort umsetzen“, sicherte Habeck zu. In „Grauzonen“ werde er entscheiden müssen. In der Sache zeigte er allerdings wenig Verständnis für die Kritik: „Die Frage, wo der Knickrand beginnt, hat sich doch früher auch schon gestellt – oder auch nicht.“

Wäre es möglich, mit kleineren Schutzstreifen den Hunger auf der Welt zu beenden, würde er sofort darauf verzichten, ja sogar komplett auf Knicks. In diesem Zusammenhang kritisierte Habeck die großen Mengen an Lebensmitteln, die zerstört würden.

 

 

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23-2176993_Bad Oldesloe_Andreas_Olbertz_Redakteur.JPG von
erstellt am 14.Feb.2014 | 12:00 Uhr

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